macht Spass!

Eigentlich wollte ich heute etwas Bürokram erledigen, doch das neue Bike mit dem neuen Lenker hat mich angefixt und so habe ich am Nachmittag dann doch nocheinmal eine Runde gedreht.

Heute ohne Gepäck und im Mountainbike-Modus mit vielen nassen und schmierigen Singletrails. Das Sitzposition und das Fahrgefühl mit dem Moonmen-Lenker passt nun und so kommt unterwegs viel Freude auf. Das Rad kann wirklich wie ein reinrassiges Mountainbike bewegt werden. Der limitierende Faktor bin ich und nicht das Bike.

Die Bremsen (SRAM Level T) und die Schaltung (Shimano 1x11) funktionieren tadellos. Bei Bestellung war ich etwas skeptisch, ob "nur" 11 Gänge ausreichen werden, denn am SANTA CRUZ fahre ich noch ganz altmodisch 3x9, doch ich gebs ehrlich zu: das reicht. Klar könnte man noch kleinere oder noch grössere Gänge fahren, aber man vermisst sie nicht wirklich. Berghoch finde ich 30x42 ausreichend klein, bergrunter könnte ich schon grössere Gänge als 30x11 treten, doch das braucht es nicht wirklich. Da lasse ich nun halt einfach rollen und geniesse die Aussicht. Super ist, das durch die grössere Spannkraft des Schaltwerks und die hochgezogene Kettenstrebe kein Kettensschlagen mehr vorkommt. Ausser Schaltgeräusche vernimmt man vom Antrieb gar nichts. Noch etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass es keine Ganganzeige gibt. Das bin ich mich nicht gewohnt und so frage ich mich unterwegs schon mal, in welchem Gang ich denn gerade fahre. Während der Fahrt kann ich schlecht zum Ritzelpacket sehen, da die Sitz- und Kettenstreben den Blick versperren. Ich versuche mir nun einzureden, dass es gar nicht wichtig ist, in welchem Gang ich denn gerade fahre. Wenn ich mir die Frage gar nicht stelle, kann ich die Fahrt mehr geniessen. ;-)

Die Sattelstütze knarzt noch immer. Ich werde mal das Sattelgestänge an der Befestigung fetten und auch zwischen Sattelstütze und Rahmen etwas Fett anbringen. Vielleicht hilft das ja. Mal sehen.

Ich habe wirklich Freude an diesem neuen Bike und die Lust auf ein neues Reiseabenteuer steigt ganz gewaltig!

 

Radreisepanzer

Heute konnte ich mein neues Bike abholen. :-)

Ich nutzte den nebelverhangenen Tag dann auch gleich für eine ausgedehnte Testfahrt auf die Lägern Hochwacht. Das Bike ist echt ein Panzer! Ein Velo-SUV! Die 29x3.0 Zoll grossen Reifen sind monströs. Auf Asphalt rollen sie natürlich nur mässig gut. Das ist ein Riesenunterschied zu den halb so breiten und profillosen Reifen, die ich am KISH-Reiserad fahre. Das habe ich aber auch erwartet und deshalb soll das hier nur eine Feststellung sein.

Sobald der Aphalt endet und der Untergrund schlechter wird, zeigen sich dann deutlich die Vorteile. Die Reifen werden nur mit wenig Luftdruck gefahren und überrollen deshalb kleinere Steine ohne dass man diese bemerkt. Berghoch ist die Traktion genial und selbst über feuchte Wurzeln rutscht der Reifen kaum. Offroad ist das Bike dann wirklich in seinem Element.

Bergrunter bin ich alle Singletrails gefahren, die ich kenne. Das TREK 1120 fährt sich fast wie ein echtes Mountainbike - einfach mit minimalster Federung. Ich schätze mal, dass die Reifen etwa 3cm federn, mehr nicht. Der Alurahmen und die Carbongabel sind bocksteif. Über wurzelige Passagen holpert es also ganz gewaltig. Kein Vergleich zum Komfort des SANTA CRUZ Fullys mit 10cm Federweg hinten und vorne. Aber: Das weiss man ja und so fährt man halt etwas langsamer - das geht auch. ;-)

Wie man sieht, hatte ich heute nur einen Packsack hinten rechts montiert. Im Gelände funktioniert das System perfekt. Der Packsack hält bombenfest, nichts klappert und nichts kommt einem in den Weg (Fersen/Beine). Das ist wirklich überzeugend.

Nach dieser Tour würde ich sagen, dass dies wirklich ein Reiserad ist, welches möglichst abseits von asphaltierten Strassen bewegt werden soll. So habe ich mir das gewünscht und so ist es auch.

Noch ein Wort zu der Ausstattung. Das Bike hat eine absenkbare Sattelstütze, die man vom Lenker aus bedienen kann. Klar hilft das in steilen bergab-Passagen, doch ich finde das eher ein Gimmick. Ich habe genug Zeit um kurz anzuhalten und eine normale Sattestütze abzusenken. Mit einem guten Schnellspanner ist das eine Sache von 15 Sekunden. Aber zugegeben, ich muss dafür anhalten und absteigen. Auf der Gegenseite ist eine normale Sattelstütze aber locker 300 Gramm leichter und vor allem Null-defektanfällig. Schon vom ersten Kilometer weg knackte die verbaute Stütze. Sobald ich aus dem Sattel gehe, ist das Knacken weg. Es liegt also garantiert an der Stütze. Mich nerven solche Geräusche extrem und ich werde dem sicher nachgehen. Ich vermute aber einmal, dass ich längerfristig die absenkbare Stütze gegen eine ganz normale tauschen werde. (Vom Durchmesser her würde die Stütze auch ans SANTA CRUZ Fully passen und würde da auch mehr Sinn machen. Ich könnte also beide Stützen einfach tauschen, ohne etwas Neues zu kaufen).

Unterwegs habe ich den Lenker zweimal leicht gedreht um eine ideale Handposition zu finden. Nicht so einfach. Ich stellte dann fest, dass für mich der Lenker einfach zu tief positioniert ist. Ich habe zuviel Gewicht auf den Händen und somit kriege ich Taubheitsgefühle. Schon auf dem Nachhauseweg dachte ich an den Moonmen-Titanlenker - der wäre ideal! Eigentlich kaufte ich den ja für das KISH, doch da wurde ich nicht glücklich damit. Später baute ich den Lenker ans SANTA CRUZ und fand ihn da echt toll. Da ich das SANTA CRUZ auf lange Sicht verkaufen will, wäre der Lenker also wieder zu haben. Gesagt getan! Kaum zuhause angekommen baute ich den Lenker ans TREK 1120. BINGO! Perfekt! Als hätte dieser Lenker nur auf dieses Bike gewartet! Ich bin dann nochmals eine 30 Minuten Runde gefahren und bin dann mit einem grossen Lächeln im Gesicht wieder heimgekommen. Das passt nun Super.

Ich freue mich schon auf kommende Offroad-Abenteuer und im Hinterkopf habe ich schon eine Idee für eine mehrwöchige Radreise-/Bikepacking-Tour...

wofür?

Natürlich ist die Frage berechtigt, weshalb und wofür ich mir ein neues Fahrrad kaufe. Die kurze und einfache Antwort ist: Einfach so! Zum Spass! Weil ich mir wieder einmal etwas Neues gönnen will. Es braucht nicht immer eine lange und sinnvolle Antwort.

Aber Ja, es gibt natürlich schon zugrundeliegende Gedanken weshalb ich mir nun genau dieses Rad bestellt habe. Klar ist, auch in Zukunft werde ich Radreisen unternehmen. Und weil man jedesmal etwas dazulernt, entwickelt man auch eine zunehmend konkretere Vorstellung davon, wie diese zukünftigen Radreisen aussehen sollen. Ich habe es ja im letzten Beitrag schon erwähnt: Ich mag Mountainbiken und ich mag Radreisen. Das neue Fahrrad soll nun eine Kombination aus beidem ermöglichen. Denn: je kleiner und schmaler der Weg, desto weniger andere Verkehrsteilnehmer sind anzutreffen, ergo: desto grösser ist das Naturerlebnis und die Ruhe.

Dem gegenüber steht mein Komfort- und Hygienebedürfnis. Zelten in freier Wildbahn dürfte kaum ein neues Hobby von mir werden. Ich glaube nicht, dass ich wochenlang draussen schlafen und notdürftig kochen werde oder Touren fahre, auf denen ich 10 Liter Wasser mitschleppen muss. Derart abgelegene und einsame Gegenden stehen nicht auf meiner Wunschliste. Was ich mir aber vorstellen kann ist, abwechselnd zu zelten und in Hotels zu übernachten, je nachdem, was die Gegend hergibt oder wie ich mich aktuell dann gerade fühle. Es erweitert einfach das Spektrum. Es bietet ein stückweit Freiheit um spontan zu entscheiden.

Was ich auch super spannend finde ist, dass es in der heutigen Zeit gar nicht mehr so schwierig ist, eine solche Reise zu planen. Es gibt immer mehr solche "unsupported bicycle adventures" wie z.B. 540km durch die Toskana (Tuscany Trail) oder 1'100km von Neapel an den Gardasee (Italy Divide) und viele, viele andere mehr. Etwas zum träumen zum Beispiel der Colorado Trail in den USA. Das tolle daran ist, dass man von eigentlich allen diesen Strecken irgendwo im Netz die entsprechenden GPS-Daten findet und man so die Strecke ganz einfach abfahren, respektive nachfahren, kann. Zu genau der Jahreszeit in der man Zeit findet und ohne den ganzen Trubel einer offiziellen Veranstaltung mitmachen zu müssen. Bei diesen GPS-Tracks weiss man, dass sie funktionieren und man nicht im Nirgendwo stecken bleibt. Und man kann sie ja auch ganz einfach noch an eigene Bedürfnisse anpassen.

Im Moment denke ich, dass ich vor dem Beginn der Rikscha-Saison 2019 eine erste solche Bikepacking-Tour unternehmen werde. Mal sehen...

neues Spielzeug

Habe mich heute ziemlich spontan dazu entschieden, mir ein neues Fahrrad zu kaufen. Nachmittags bin ich zum freundlichen Bikehändler gefahren und habe gleich bestellt. Es wird ein TREK 1120

Es ist eine Kreuzung aus Mountainbike und Tourenrad. Modern ausgedrückt nennt man diese Kategorie "Bikepacking" und darunter versteht man mehrtägige Mountainbiketouren, wofür man zwangsläufig etwas Gepäck mitführen muss. Speziell dafür sind die auffallend orangen Gepäckträger an diesem Rad.

Wie es dazu kam? Gute Frage... ich sitze gerade schmunzeld vor dem PC... das ist eine lange Geschichte... Die Kurzform davon geht in etwa so: Früher war ich lange Zeit begeisterter Mountainbiker. Dann begann ich mich für Fahrradreisen zu interessieren und fuhr (wie man in diesem Blog ja nachlesen kann) im Jahr 2011 durch Italien und im Winter 2017 durch Deutschland. Mit dem normalen Reiserad ist man auf festen Untergrund -um nicht zu sagen auf Strassen- angewiesen. Somit ist man zwangsläufig dem motorisierten Verkehr ausgesetzt, was nicht immer lustig und zeitweise auch gefährlich ist. Zudem bewegt man sich so ausschliesslich in bevölkerten Gegenden, wo jeder Trottel hinkommt oder hinfahren kann. Und letztendlich ist das Naturerlebnis kleiner, als wenn man auf schlechten Wegen, abseits von Strassen unterwegs ist.

Wie auch immer... In den letzten Jahren kam nun diese Bikepacking-Geschichte auf und die Hersteller begannen dieses neue Marktsegment zu erschliessen. Speziell an diesem Rad ist noch zu erwähnen, dass es ziemlich dicke Reifen haben wird. Das nennt sich 29+ (Neunundzwanzig Plus) und bezeichnet 29 Zoll grosse Laufräder mit überbreiten Reifen (ca. 7,5cm breit). Das grössere Luftvolumen dient einerseits der besseren Traktion und andererseits ersetzt es in minimaler Form die Federung. Wie man sehen kann, ist das Velo an sich völlig ungefedert, hinten keine Federung, vorne keine Federgabel. Das Konzept ist also "keep it simple" -> alles was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen.

Anyway. Letztendlich war es eine -rasch gefällte- Bauchentscheidung. Ich wollte mir einfach wieder einmal etwas Gutes tun und mich für die sparsamen letzten paar Jahre entschädigen. So in zwei Wochen sollte das Bike beim Händler eintreffen und dann gibt ein paar Live-Bilder.

Natürlich freue ich mich gerade richtig... aber: Der Platz im Fahrradschuppen wird knapp. Ich werde mich wohl von dem einen oder anderen Fahrrad trennen. Es macht einfach keinen Sinn zuviele Fahrräder rumstehen zu haben. Vermutlich werde ich das SANTA CRUZ Fully und das NÖLL Rennrad verkaufen. Das trägt dann auch ein Stückweit zur Finanzierung dieses neuen Spiezeugs bei.

das Nächste

Unser Denken kreist sehr viel um "das Nächste" um die nächste Erfahrung die wir machen wollen. Egal was wir schon alles erlebt und erreicht haben, es scheint nie genug oder einfach gut zu sein. Schon streben wir wieder vorwärts zum Nächsten. Dabei versuchen wir negative Erfahrungen zu vermeiden und positive Erfahrungen zu wiederholen oder zu steigern. Es ist ein Dilemma, ein Hamsterrad... liegt aber wohl in der Natur des Menschen.

Die nächsten Ferien, der nächste berufliche Erfolg, das nächste Auto, der nächste Kunde, das nächste neue Kleidungsstück... immer vermuten wir das Glück im Nächsten. Wir sind nie ganz zufrieden, nie wirklich erfüllt. Auch deshalb wollen wir möglichst lange leben und nicht sterben, denn es fehlt immer noch Etwas. Wir sind zwar meist sehr nahe dran, aber doch noch nicht ganz am Ziel...

Wir unterliegen einem Missverständnis. Wir wollen Licht ohne Schatten, immer Ferien, nie Hunger, keine Krankheit, nur Freunde und keine Feinde. Obwohl uns klar ist, dass dies nicht möglich ist, streben wir stetig danach. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir unsere Erfahrungen andauernd bewerten. Richtig und falsch, gut und schlecht, schön und hässlich, gesund und ungesund, etc. pp. "Das Problem" dabei ist, dass es bei genauer Betrachtung keine absolut wahre Bewertung gibt. Was wir heute richtig, wahr und schön finden, kann uns in zehn Jahren langweilen. Wir wissen das und schieben es doch immer bei Seite. Was wir jetzt haben oder erleben kann noch so gut sein, "das Nächste" wird noch besser! Ich muss mich nur noch mehr anstrengen, besser, schneller und cleverer sein.

Das ist alles ziemlich ermüdend...

Weil ich diese Erkenntis schon vor einigen Jahren machte, versuche ich seither Dinge, Ereignisse und Erlebnisse weniger zu bewerten. Natürlich tauchen trotzdem wertende Gedanken auf, doch diese nehme ich nicht mehr so ernst wie früher. Sowohl im Negativen, wie auch im Positiven. Dinge geschehen einfach. Das Leben passiert. Egal, was ich darüber denke.

Ein Effekt dieser Haltung ist, dass eine gewisse Entpersönlichung stattfindet. Dinge passieren nicht mir, sondern sie passieren einfach. Ich fühle mich viel seltener persönlich angegriffen und zu einer Reaktion genötigt als noch vor ein paar Jahren. Ich werde weniger von Ereignissen getrieben und brauche nur noch sehr wenig Zeit um meinen Standpunkt zu verteidigen. Sehr oft habe ich gar keinen Standpunkt mehr... ;-) oder nur noch einen spontanen, der nicht auf sehr viel Hintergrund und Gedanken beruht. Ist auch nicht nötig.

Ich verbringe seither mehr Zeit mit "genauer hinsehen", mit "sich auf Dinge und Geschehnisse einlassen". Ich bin "live dabei" und nehme Anteil. Und weil es im Erleben keine Pause gibt, denke ich weniger über Vergangenes nach (und bewerte weniger). Interessant dabei ist, dass eine gewisse Intimität und Erfurcht entsteht. Es ist immer wieder unglaublich, wie sich Dinge entwickeln, wie viel Harmonie in allem liegt. Wie sich eins zum anderen fügt und wie viel unsichtbare Ordnung allem zu Grunde liegt.

Mittlerweile unterscheide ich zwischen "praktischem Leben" und "Sinnsuche, Philosophie, Religion, Metaphysik, etc.". Für das praktische Leben ist der Geist und das logische Denken perfekt. Hier ist auch der Platz für gut und böse, richtig und falsch. Sobald es aber um die Essenz, den Sinn, das Warum, Woher und Wohin geht, da gebe ich mein kleines Hirn nun am Eingang ab... das können keine Gedanken und Worte beschreiben. Das kann ich nicht verstehen und nur schon zu sagen, dass ich es erfahre ist eine Übertreibung. Ich kann es nur sein... was immer das heissen mag.

anstehende Veränderungen

Mein Geschäftspartner kämpft seit ein paar Jahren mit persönlichen Problemen und sein Engagement hat sich dieses Jahr Nahe Null bewegt. Es war ein schleichender Prozess, den ich irgendwie nicht beeinflussen oder aufhalten konnte. Angebotene Hilfe hat er ausgeschlagen und irgendwann dachte ich: "gib ihm einfach Zeit. Das kommt dann schon wieder." Doch dem ist nicht so (leider). Schon im Frühsommer sagte ich ihm, dass ich bis September/Oktober ein klares Statement von ihm erwarte, wie er sich die Zukunft vorstellt. Einerseits warte ich noch darauf, andererseits glaube ich gar nicht mehr daran, dass er überhaupt eine Entscheidung trifft.

Bis Ende September sieht die Situation so aus, dass ich über 80% des Firmenumsatzes generierte und er die restlichen knapp 20% Prozent. Das heisst dann auch, dass ich 80% Prozent der Firmenkosten trage. Auf Dauer bin ich nicht gewillt, das so weiterzuführen. Entweder er ist Partner und engagiert sich dementsprechend oder ich ziehe das Ding alleine durch. Alleine hätte ich Möglichkeiten um Kosten einzusparen und so bliebe mir effektiv mehr Geld als heute. Und dieses "mehr" kann durchaus der Unterschied von "sehr wenig" zu "genügend" sein.

Natürlich bin ich enttäuscht. Er war es, der mich dazu motivierte um die Einzelfirma in eine GmbH umzuwandeln, damit er sich daran beteiligen kann. Ich wusste, dass dies einen höheren administrativen Aufwand und letztendlich mehr Kosten zu Folge hat, doch ich glaubte auch, dass wir zu zweit mehr erreichen können, als alleine. Tja, so kann man sich täuschen. Ausser Spesen nichts gewesen.

Wenn nun die ruhigere Rikscha-Zeit anbricht, kann ich mir vertieft Gedanken darüber machen, wie es weitergehen soll. Will ich nach sieben (mageren) Jahren als Rikschafahrer überhaupt weitermachen? Wenn ja, wie genau? Wenn nein, welche beruflichen Optionen habe ich denn überhaupt noch? Es öffnet sich also wieder einmal ein weites Feld...

Auch wenn ich mir diese Situation nicht gewünscht habe, so mag ich dieses "weite Feld" von Möglichkeiten. Es wird Zeit, wieder mal etwas kreativer über die Zukunft nachzudenken als "weiter wie bisher"... Das finde ich spannend.

Frei-Tag

Ich weiss gar nicht, wie lange es her ist, dass ich einfach wieder einmal einen wirklich freien Tag zu meiner eigenen Verfügung hatte. Von April bis September war ich jeden Monat mindestens 24 Tage mit der Rikscha unterwegs. Da blieben meist nur noch die Sonntage und die verbringe ich nach wie vor gerne mit meiner Frau...

Eigentlich wollte ich an meinem gestrigen Geburtstag einen Ruhetag einlegen, doch dann kam noch eine Buchung herein und somit war's dann wohl doch nichts mit dem Frei-Tag. Ich kann es mir nicht leisten, Buchungen ohne triftigen Grund abzusagen und "ein geplanter Ruhetag" oder "Geburtstag" ist dann doch nicht triftig genug.

Heute nun war es soweit. Am Morgen vereinbarte ich einen Termin zum Haare schneiden. Ganz gemütlich spazierte ich da hin und auch wieder zurück. Dann aktualisierte ich die Geschäftsbuchhaltung und erledigte noch etwas Bürokram. Später setzte ich mich dann mit einem Kaffee und einem Buch auf den Gartensitzplatz... schön...

Die letzten Monate waren ja blogmässig ziemlich leer... Natürlich hätte es ab und zu etwas zu erzählen gegeben. Streetparade, Gartenfest, Hamburg-Weekend, das sind ein paar Stichworte die mir spontan einfallen. Doch ich stelle (leider) fest, dass ich des Nacherzählens etwas müde geworden bin. Das ist ähnlich wie mit dem Fotografieren, auch das bin ich müde geworden. Es ist mir nicht mehr so wichtig...

Und natürlich ist das alles auch saisonal bedingt. Im Sommer sitze ich halt eher wenig vor dem Computer oder wenn, dann rein beruflich. Da mag ich dann nicht mehr wirklich Zeit in den Blog investieren. In der kälteren Jahreszeit habe ich mehr Zeit und Musse dafür, da bin ich eher zu Hause und drinnen am PC. Nach diesen anstrengenden Sommermonaten freue ich mich nun richtig auf diese Zeit und gerade der heutige Tag zeigte mir, dass ich das auch wirklich brauche.

heiss...

Dieses Jahr erinnert stark an den Hitzesommer 2003. Es ist staubtrocken und heiss. Und das schon seit Wochen oder gar Monaten...

Natürlich kann man jetzt über Klimawandel reden, doch das nützt nichts. Die Klimawandel-Ablehner habe ihre Meinung schon längst gebildet und werden nicht davon abrücken. Sachlichkeit ist nicht angesagt. Es ist eher eine Glaubensfrage. Dazu kommt, dass man mit klimaschädigendem und unverantwortungsvollem Handeln halt immer noch mehr Geld verdienen kann als mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Ganz persönlich habe ich es gerne sonnig und warm. Bis 30° Grad finde ich ganz o.k. und das macht mir auch nicht viel aus. Über 30° Grad fange ich aber als Rikschafahrer schon zu leiden an. Die Sadt heizt sich in solchen Perioden richtig auf. Der Asphalt reflektiert die Hitze und die Ozonwerte steigen. Es gibt kein entrinnen. Natürlich suche ich in Pausen den Schatten und trinke viel. Trotzdem belasten solche Hitzeperioden den Körper einfach zusätzlich.

Derzeit ist Sommerferien-Hochsaison und es hat merklich weniger Leute in der Stadt als noch vor ein paar Wochen. Man kriegt das Gefühl, dass die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in den Ferien ist. Die Stadt ist fast leer (von Einheimischen). Natürlich hat es viele Touristen, doch es wird immer schwieriger, die in eine Rikscha zu kriegen. Gruppenreisende bringen Ihre eigenen Reiseführer mit und Individualtouristen starren auf ihr Smartphone und lotsen sich mit Google-Maps durch die Stadt... Parallelgesellschaften...

unbeschreiblich

Mein Vater und ich hatten immer ein gutes Verhältnis zueinander. Niemand kennt einen besser als die eigene Mutter und der eigene Vater, denn mit niemandem hatte man eine längere Verbindung. Durch den plötzlichen Tod des Vaters stellen sich nun natürlich grundsätzliche Fragen zu Sinn, Glauben und vor allem, wie man mit einem solchen Ereignis umgeht.

Als er da tot auf dem Waldweg lag, habe ich ihn lange betrachtet. Ich wusste, es wird wohl das letzte Mal sein, dass ich seinen Körper vor mir sehe. Ab jetzt folgt nur noch Erinnerung. Er sah unverändert aus. Seine halbgeschlossenen Augen glänzten und die Haut war noch weich und warm. Aber es war klar, da ist kein Leben mehr drin. Das ist nicht mehr vollständig mein Vater sondern nur noch sein toter Körper. Ich fragte mich: Wo ist sein Wesen hin? Ist überhaupt irgendetwas irgendwo hin?

Der Umgang mit Verlust und Trauer ist sehr persönlich. Ich möchte hier auch nicht allzu viele Worte darüber verlieren, denn ich respektiere die Gefühle meiner Mutter, meiner Schwester und alle ihm Nahestehenden. Jede und jeder hat das Recht auf seine eigene Art zu trauern. Da gibt es kein richtig oder falsch. Ich versuche höchstens zu beschreiben, was der Tod meines Vaters in mir ausgelöst hat.

Nach dem ersten Schock fühlte ich mich irgendwie leer, verlassen und verletzlich. Seine schützende Hand ist weggefallen. Dann folgte ein Gefühl der Dankbarkeit. Dafür, was wir alles zusammen erleben durften. Dafür, dass sein Leben ein schnelles (und ich denke schmerzloses) Ende gefunden hat. Es traf ihn wie ein Blitz. Ein kurzes Zucken, dann gingen die Lichter aus. Gerade er, der in den letzten Jahren mit zunehmenden Leiden zu kämpfen hatte und der grosse Angst davor hatte, seine Mobilität zu verlieren. Das ist ihm erspart geblieben. Auch dafür bin ich dankbar.

Dann folgte die Zeit, in der man seine Beerdigung planen musste. Ich habe mich da zurückgehalten. Es muss für meine Mutter stimmen, denn sie trifft dieser Verlust am stärksten. Anfangs stand zur Diskussion, dass meine Schwester und ich einen Teil zur Abdankungsrede beitragen. Das habe ich mir lange überlegt und dann abgesagt. Erstens glaube ich nicht, dass ich das kann und zweitens bezweifle ich, dass ich die richtigen Worte finden würde.

Es ist unbeschreibbar! So ist das menschliche Leben. Alle Worte treffen daneben.

Der Tod meines Vaters wirft mich aber schon auf die "grossen" Fragen das Lebens. Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Gibt es einen Sinn des Lebens? Woran glaube ich? Bietet Religion eine Antwort?

In den letzten Jahren veränderten sich meine Ansichten diesbezüglich weg von den herkömmlichen, christlichen Konzepten, mehr hin zu einer dogma-freien Erfahrungstheorie. Und diese Theorie steht nun ziemlich auf dem Prüfstand... Natürlich schmunzle ich leicht wenn ich das schreibe... einer der Kernpunkte meiner Erkenntnis ist ja gerade, dass sich das Absolute, das wahre Leben, gar nicht beschreiben lässt. Dass es vor jeder Vorstellungskraft und vor der Bildung von Sprache liegt... es ist ein unbeschreibbares Mysterium...

Vater

Heute, kurz nach Mittag, ist mein Vater ganz überraschend gestorben. Auf einem Sonntagsspaziergang mit meiner Mutter brach er zusammen und konnte nicht mehr wiederbelebt werden. Er wurde knapp 81 jährig. - Ruhe in Frieden.

Noch sind die Geschehnisse so frisch, dass ich sie gar nicht richtig einordnen kann. Mein Vater war so vieles... Ein fröhlicher und herzensguter Mensch. Ein Vorbild und der Anker in unserer Familie. Wir werden ihn sehr vermissen...