Absolut

Die letzten zwei Regentage gaben mir Zeit um wieder einmal tief nachzudenken...

Wenn alles relativ ist, braucht es irgend einen Bezug, wozu es relativ ist. Was ist dieser Bezug? Wir wissen es nicht, haben aber ein Wort dafür: Absolut. Was meinen wir denn mit diesem Wort?

Absolut meint etwas immer Gleichbleibendes. Es bezeichnet "alles in allem", grenzenlos (nicht-Raum), ewig (nicht-Zeit), alles durchdringend, überall, beinhaltet oder umschliesst alle Gegensätze wie leer-voll, schwarz-weiss, hell-dunkel, laut-still, etc., etc...

Dann heisst das auch: Alles Relative befindet sich im Absoluten. Nicht abgetrennt oder als Teil davon. Man könnte auch sagen, das Absolute zeigt sich im Relativen. Zuende gedacht ist alles Relative eine Erscheinungsform des Absoluten. Essentiell nicht davon unterschiedlich. Es erscheint nur so...

Unsere fünf Sinne, die Möglichkeiten unserer Wahrnehmung bewegen sich im relativen, veränderlichen Feld. Unsere Körper, unser Geist ist Teil der relativen, sich stets verändernden Welt. Selbst "die Welt" ist relativ... Es erscheint, als ob die relative Welt auf der absoluten Konstante schwimmt und Wellen wirft.

Mit Worten lässt sich "das Absolute" gar nicht beschreiben. Sprache ist auch nur ein Teil dieses Absoluten und wie sollte das Teil das Ganze beschreiben können? Jede Beschreibung ist ja auch eine Verneinung des Gegensatzes und das Absolute umfasst eben Beides.

Interessant daran finde ich heute, dass ich darüber nicht zum ersten Mal nachdenke und dass ich schon früher dachte, es verstanden zu haben. Aber dem ist nicht so. Oder es ist nur teilweise so. Oder ich habe es nur oberflächlich verstanden und nähere mich nun etwas an. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dies das Ende jedes Individuums. Es gibt keine eigene Persönlichkeit wie wir denken. Es denkt auch keine Welle im Ozean, sie sei eine eigene, individuelle Welle. Es gibt gar nichts Getrenntes. Jede Erfahrung von Getrenntsein ist eine Illusion. Es gibt nur das Absolute, welches sich unendlich manifestiert. Und nicht mal das stimmt... es erscheint in der relativen Welt nur so...

Das Beruhigende an diesen Überlegungen ist, dass ich eben nicht dieser einzelne, kleine, isoliert lebende Mensch bin, sondern: dass ich genauso zur Vollständigkeit im Meer des Absoluten gehöre, wie eine Welle des Ozeans zum ganzen Meer.

Frühlingsdepression

Es ist jedes Jahr das Gleiche! Über den Winter schliesse ich das alte Jahr ab und bereite mich auf die neue Rikscha-Saison vor. Anfang März starte ich dann ausgeruht und gut motiviert. Das Wetter ist durchzogen und kühl... und das Interesse an Rikschfahrten nahe Null. Gestern habe ich in fünf Stunden 30 Franken verdient... ich könnte kotzen!

Es ist ja nun mal nicht so, dass ich das nur aus reinem Spass an der Sache mache. Ich betrachte das als Arbeit, als Dienstleistung, die mindestens soviel Geld abwerfen sollte, damit ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Wenn Geld wirklich keine Rolle spielen würde, würde ich wohl weniger Zeit dafür aufbringen. Es zeigt sich aber immer wieder, dass sich mit einem mehr an investierter Zeit nicht automatisch ein mehr an Geld/Einkommen erzielen lässt.

Ich muss da nun mal selbstkritisch sein. Ich unternehme zu wenig um das Geschäft anzukurbeln. Ich verhalte mich zurückhaltend/distanziert und hoffe einfach darauf, dass es schon irgendwie klappen wird. Ich bin zu passiv, zu introvertiert. Ich erwarte, dass die Menschen von sich aus Rikscha fahren wollen, ohne dass ich sie dazu überreden muss. Doch mit dieser Einstellung lässt sich nichts erreichen. Es dümpelt einfach so vor sich hin...

Diese Erkenntnisse sind ja alle nicht neu. Ich erlebe nun meinen siebten Rikscha-Frühlung und die siebte Frühlingsdepression. Trotzdem habe ich in all den Jahren nichts an meiner Strategie geändert. Will ich nicht, kann ich nicht, oder woran liegt es? Es lassen sich natürlich externe Faktoren und Gründe finden. Die findet man immer. Aber das grundlegende Problem liegt wohl schon in meiner Persönlichkeitsstruktur und der scheinbaren Unfähigkeit um über meinen Schatten zu springen und mich zu ändern.

Das zeigt sich auch sehr deutlich, wenn ich in diesem Blog zurückblättere und stöbere. Da lese ich immer wieder von loslassen, von fliessen lassen und von der Akzeptanz dessen, was ist. Sehr wenig "ich will" oder "ich mache", geschweige denn von "Plänen" oder "Zielen"... als sei ich ein passiver Zuschauer und nicht ein aktiv Handelnder... tja, da kann einem schon eine Frühligsdepression überkommen...

Die Macht der Worte

Ich verlinke hier einen Beitrag, den ich vor ziemlich genau 12 Jahren geschrieben habe. Nicht, dass mir dies damals zum ersten Mal aufgefallen wäre, es ist einfach der erste diesbezügliche Beitrag in diesem Blog. Einen interessanten Artikel zu der Bedeutung von Worten, Metaphern und der Sprache an sich findet sich hier, bei ZEIT ONLINE. Ich finde das noch immer ein sehr spannendes Feld... auch die im Artikel erwähnte Verbindung zwischen Muttersprache und Weltsicht... wirklich lesenswert.

Seit dem verlinkten Blogeintrag und heute hat sich mein Verhältnis zu Wort und Sprache insofern verändert, dass ich den Worten (seien sie gesprochen oder geschrieben) nicht mehr so viel Bedeutung und Wert beimesse wie früher. Ich verstehe Worte viel mehr als Etiketten, als Um- oder Beschreibungen von Etwas. Der Absender/Sprecher/Schreiber steht eigentlich immer in einem anderen Kontext/Umfeld als der Empfänger/Hörer/Leser und deshalb ist es ja per se sehr unwahrscheinlich, dass genau das verstanden wird, was ausgedrückt werden will. Aber das nur am Rande.

Ich habe mir also über die Jahre angewöhnt, dass ich alles nur noch als Beschreibung wahrnehme. Eine Beschreibung von Wirklichkeit/Wahrheit, die als solches gar nicht beschrieben werden kann, weil es dafür gar keine Worte gibt. Natürlich gibt es treffendere/wahrere Beschreibungen und unzutreffendere "Fake-News" oder eben Lügen. Es ist schon gut, über ein gewisses Mass an Urteilsfähigkeit zu verfügen um relativ schnell die Spreu vom Weizen oder eben die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden. Nur muss man halt auch enerkennen, dass es in Worten keine absolute Wahrheit gibt (denn wie gesagt: Sprache ist im besten Fall die treffende Beschreibung von Wahrheit, nie jedoch die Wahrheit an sich).

Spannend finde ich, dass sich durch diese Erkenntnis über die Jahre eine gewisse geistige Entspannung eingestellt hat. Die ergab sich daraus, dass ich selber zu wählen begann, worauf ich meinen Fokus lenke und welche Etiketten ich den Ereignissen/Dingen/Geschehnissen anhefte. Hmmm, wie kann ich das am besten erklären? Schwierig...

Als erstes verzichtete ich auch negative Worte und Bewertungen. Ich sah ein, dass mir diese nichts bringen. Es zieht mich mental eher runter und einfach nur "recht haben" hat keinen Wert an sich. Als nächstes versuchte ich auf spontane negative Reaktionen positive Gegen-Gedanken zu entwickeln. Als Beispiel: Ein Glas fällt runter und zersplittert auf dem Küchenboden. Erste Reaktion: "So ein Mist!" Gegengedanke: "Zum Glück habe ich mich nicht geschnitten". Irgendwann kam mir das etwas gekünstelt vor und ich merkte, dass überhaupt keine gedankliche Reaktion nötig war. Dinge geschehen einfach, egal was ich darüber denke. Auch negative Gedanken sind nur Gedanken. Erst meine Beurteilung macht sie negativ oder positiv. Heute akzeptiere ich diese Gedanken weil ich weiss, dass sie wieder verschwinden. Ich brauche sie nicht mit positiven Gedanken zu verdrängen. Sie verschwinden von selbst. Diese Erkenntnis ist entspannend...

Noch besser fand ich, als ich irgendwann realisierte, dass alle Bewertungen sich mit der Vergangenheit beschäftigen, die ich (egal was ich darüber denke) nicht mehr ändern kann. Es lohnt sich also überhaupt nicht, negativ über Vergangenes nachzudenken. Es beeinflusst höchstens noch die Zukunft in negativer Weise. Und als Nächstes: Zukunftspläne machen nur auf praktischer Ebene Sinn. Man kann nicht planen, wie man sich fühlen wird. Auch wenn man sich einen angestrebten Erfolg noch so rosig ausmalt, man weiss nicht, wie man sich dann wirklich fühlt. Und eine irgendwie gelagerte Erwartungshaltung bietet nur Möglichkeiten der Enttäuschung -> das habe ich mir aber anders vorgestellt! Kurz zusammengefasst: Nicht über Vergangenes nachgrübeln, situativ beurteilen und entscheiden und "nach bestem Wissen und Gewissen" planen und handeln. Und die Krönung: Trotz Planung und Berechnung ergebnisoffen bleiben und zumindest versuchen, keine Erwartungshaltung zu entwickeln.

Das alles trug zu meiner inneren Beruhigung bei. Und: Es lernte mich zu Vertrauen. Es geht nicht ohne ein Grundvertrauen in das Leben an sich. Vielleicht klingt das naiv doch ich gehe nicht davon aus, dass mich alle nur zu ihrem eigenen Vorteil bescheissen wollen. Genausowenig denke ich, dass die Natur oder die Umwelt uns feindlich gesinnt ist. Natürlich gibt es Umweltkatastrophen die einem treffen können und Menschen die einem schaden wollen aber vom Ansatz her ist einfach alles Potenzialität/Möglichkeit. Wertneutral. Weder gut noch schlecht. Ängstlichkeit und Übervorsichtigkeit sind schlechte Berater weil man dann immer auf der Hut (im Abwehrmodus) sein muss. Mit Grundvertrauen lässt sich alles entspannter angehen.

Jetzt bin ich aber ziemlich abgeschweift...

Also: Gedanken sind Worte. Diese Worte gewinnen mit gemachten Erfahrungen an Bedeutung und lösen in uns entsprechende Assoziationen und Bilder aus. Deshalb sind Worte auch mächtige Instrumente, mit denen wir beeinflusst werden. So lösen Worte wie z.B. "Personenfreizügigkeit" und "Überfremdung" ganz unterschiedliche Bilder in uns aus, auch wenn damit unter Umständen das Gleiche gemeint ist. Mächtige Menschen, Anführer und Politiker wissen das ganz genau und beeinflussen uns deshalb mit gezielt eingesetzten Worten um bei uns die gewünschte Reaktion auszulösen.

Es kann also nur helfen, wenn wir den Worten an sich nicht zu viel Glauben schenken und sie etwas aus Distanz (als Etiketten) betrachten. Es sind nur Worte. Beschreibungen einer Realität aber nicht Realität an sich.

wieder einmal: loslassen

So langsam neigen sich meine "Ferien" dem Ende entgegen. Es war ein interessanter Abschnitt. Ich verbrachte viel Zeit vor dem Computer und habe einiges gelernt. Das war ein schöner Zeitvertreib, denn irgendwie mass man sich, seinen Körper und seinen Geist, ja beschäftigen... Die erzielten Resultate (neue Bike Butler Homepage, Blog-Umzug und -Redesign, Aufbau des Joomla!-Spielplatzes, Reparatur und Wartung der Rikschas) sind in der relativen Welt wichtig und deshalb bin ich froh und dankbar, dass ich dies -für meine Verhältnisse- ansprechend gut hingekriegt habe.

Nun folgt jedoch wieder ein Moment des Loslassens. Des Einsehens, dass dies alles nur Teil des existentiellen Spiels war. Dass diesem Zeitverteib keine absolute Wichtigkeit innewohnte und dass es nur für mein kleines Ego von Bedeutung war. Und da "mein kleines Ego" nur eine fiktive Gedankenkonstruktion ist, ist auch dessen Bewertung "es war gut, sinnvoll, wichtig, richtig, etc. pp." ziemlich irrelevant. Also kann ich davon loslassen... ich kann es gut sein lassen... herschenken...

Das wirklich Wertvolle war, dass ich nichts musste. Ich fühlte mich nicht durch äussere Umstände zu diesen Handlungen gezwungen. Es war ein natürlicher Fluss aus dem Erkennen der Bedürfnisse und dem Erlernen und Einsetzen nötiger Werkzeuge um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Es hatte stets etwas Spielerisches in sich und war nie verbissener Ernst...

Die "wie weiter"-Frage des letzten Blogeintrags lasse ich also unbeantwortet. Ich lasse jetzt los und lasse es fliessen.. ohne willentlich getroffene Entscheidung. Es wird sich von selbst entscheiden. Ich kann es ganz entspannt auf mich zukommen lassen.

Wir müssen uns mehr freuen!

Ist heute nicht ein herrlicher Tag?

Ich habe alle Möglichkeiten, kann tun und lassen was ich will. Heute vor einem Jahr fuhr ich mit dem Velo etwa 80 Kilometer dem Rhein entlang, von Koblenz bis nach Bonn.

Heute sitze ich in Winterstiefeln und dicker Fleece-Jacke auf unserem Gartensitzplatz. Erlebtes Winterklima ist mein Reality-Check zu der Online-Welt, durch die ich mich die letzten Tagen und Wochen bewegte. Es ist windstill, etwa +8° Grad, die Sonne drückt milchig durch die wechselnde Bewölkung. Es ist eigentlich ganz angenehm, auch wenn schon nach 15 Minuten die Finger zu frieren beginnen. Aber so ist das nun mal. Ich kann mit Handschuhen keine Computertastatur bedienen.

Der Titel sagt doch schon alles, oder? WIR MÜSSEN UNS MEHR FREUEN! Das ist ein Imperativ!

Klingt gut! Doch wie und worüber kann man sich denn noch freuen?

"Wir müssen uns mehr freuen!" vollständig lesen

alles nur Konzepte

Es fällt mir immer schwerer, mich zu artikulieren und hier Beiträge zu schreiben von denen ich denke, dass sie einen gewissen "Wert" haben. Worte sind totgeschlagene Gedanken und Gedanken sind abstrakte Objekte, die durch unser Bewusstsein streifen. Nichts kann je so beschrieben werden wie es ist. Es sind alles nur immer Geschichten, Nacherzählungen, Beschreibungen oder eben: Konzepte...

Es geht gar nicht anders.

Deshalb gehen mir Reise-Beiträge recht einfach von der Hand. Ich beschreibe was ich erlebt habe, nacherzähle den Tag und versuche dadurch Aussenstehenden einen Eindruck zu vermitteln. Da folge ich dem Konzept des Reistagebuchs. Es ist in etwa so aufgebaut, dass der Lesende den zeitlichen Ablauf nachvollziehen kann und durch Beschreibung des Gesehenen seine Fantasie angeregt wird. Persönliche Empfindungen und Empfindlichkeiten nuancieren das Ganze und machen daraus mehr als nur eine Auflistung von Zeit und Raum.

Das tägliche, "normale" Leben ist insofern uninteressant, da sich Äusserlichkeiten über längere Zeiträume gleich bleiben und Inneres eben nur sehr schwer (oder überhaupt nicht) beschrieben werden kann. Hinzu kommt eine ganz natürliche Unsicherheit die immer dann entsteht, wenn man ausserhalb des gängigen Rahmens oder der allgemein gültigen Konzepte zu denken beginnt. Man bewegt sich dann auf unbekanntem Terrain und tappt irgendwie hilflos im Dunkeln. Hinzu kommen anerzogene Konditionierungen was sogenannt "normal" ist und was nicht.

Wie auch immer...

Ich akzeptiere, dass ich "immer zu spät" bin. Meine Gedanken, Worte und Sätze beschreiben immer nur etwas, sind aber selbst nie wahr oder real. Wahrheit, Realität, Leben, Energie, Existenz, Bewusstsein, -wie man es auch nennen will-, geschieht einfach. Ohne Sinn und ohne Erklärung. Alles was ich darüber denke oder eben schreibe sind also höchstens Erklärungsversuche.

In letzter Zeit befreie ich mich von Vorstellungen, von Erwartungen, von Ideen, von geistigen Konzepten und betrete dadurch unbekanntes Land. Nach langem Suchen konnte ich kein "ich" finden. Das was ich dachte was ich bin, das gibt es gar nicht. Ich habe es nur gedacht. Zusammengebastelt aus Vorstellungen/Ideen/Erinnerungen/Erfahrungen und in Bezug gesetzt zu meiner Mitwelt und zu Anderen. Aber dieses "ich" entpuppt sich als ein reines Gedanken-Konzept. Um menschlich zu funktionieren braucht es das nicht - also weg damit!

Ein freier Wille? Wenn ich mich ganz ehrlich frage, wie viele wichtige Entscheidungen ich willentlich fällte und wie oft äussere oder innere Umstände eine Entscheidung trafen (ohne meine Meinung), dann sieht es ziemlich düster aus für den freien Willen. Natürlich rechtfertigt mein Geist (im Nachhinein) unzählige Entscheidungen und suggeriert mir damit, dass ich mich ganz bewusst und frei für oder gegen etwas entschieden habe, doch ehrlicherweise muss ich gestehen: ich bin immer zu spät! Es wurde schon entschieden, bevor dieses imaginäre "ich" alles abgewägt hat und eine Entscheidung getroffen hat. "ich" rechtfertigt sich nur noch, weil es sich ja für so wichtig hält... Das heisst nun absolut nicht, dass man sich keine Gedanken machen sollte und dass man sich nicht für praktische Dinge entscheiden kann oder soll. Es heisst nur, dass man sich bei sogenannt wichtigen Entscheidungen besser auf seinen Bauch verlässt (oder sein Herz) als auf seinen Verstand.

Raum und Zeit? Wie schon geschrieben... existieren nur relativ, in unserer Sinneswelt, die nur in Dualität erfahren werden kann. In Wirklichkeit gibt es beides nicht. Weder noch! Es sind beides menschliche Konzepte, die von der Wissenschaft nicht bewiesen werden können...

Und so stehe ich nun also mit leeren Händen da. Alles woran ich geglaubt habe, erscheint als Illusion. Mir wurden Dinge beigebracht, die absolut nicht stimmen... und ich habe sie geglaubt... nichts ist so, wie es scheint... es ist auch kein grosser Trost, dass (fast) alle an diese Konzepte glauben. Sie bleiben falsch...

Es sind also alle stützenden Ideen/Konzepte weggefallen. Es bleibt nur noch die Gewissheit, dass ich bin. Ich habe keine Ahnung was ich bin sondern nur, dass ich bin.

Natürlich ringe ich nach neuen Konzepten und Gewissheiten. Mein Geist kann nicht anders, er versucht ständig zu konzeptionieren, zu rationalisieren und zu verstehen. Aber hier läuft er gegen eine unsichtbare Wand, denn das ist unverstehbar und unerklärbar! Jedes Konzept würde auch nur wieder aus Gedanken und Worten bestehen und wäre deshalb auch wieder tot und falsch. "Ich bin" ist vor allen Gedanken, vor der Sprache, das Einzige, was ist.

Es ist (zumindest gegenwärtig) nicht sehr angenehm ohne Standpunkt/Zentrum/Fundament zu leben. Es ist so Vieles weggefallen, dass ich schon fast Phantomschmerzen verspüre. Doch: Wer spürt den Schmerz, wenn da kein "ich" ist? Fragen über Fragen... Und trotz dieser Unsicherheit fühle ich mich nicht verloren. Ich bin nicht allein sondern eher ALL-EIN. Überall ist dieses Leben, diese Energie, dieses Bewusstsein. Überall ist Existenz. Eben genau dieses "Etwas", welches sich nicht beschreiben lässt.

Und wie im letzten Beitrag kurz beschrieben, so brauchen fundamentale Veränderungen halt auch Zeit, bis man sie leben kann. Immer wieder falle ich in alte Muster und Konzepte zurück. Doch ich erkenne das immer öfter und das ist doch schon auch ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändert...

die Sache mit der Zeit

Letzte Woche war es vielfach regnerisch und ich hatte viel Zeit um nachzudenken und Blogeinträge zu schreiben. Diese Woche nun war es vorwiegend schön, sonnig und frühlingshaft. Ich verbrachte also viel Zeit auf der Rikscha und in der Stadt. Etwa die Hälfte dieser Zeit bin ich unterwegs. Dabei brauche ich meine Aufmerksamkeit um mich sicher durch die Stadt zu bewegen und mit Fahrgästen zu kommunizieren. (ich bin also beschäftigt und der Geist oder die Gedanken treten in den Hintergrund). Die andere Hälfte lauere ich an gut frequentierten Stellen auf spontane Kundschaft. Dabei habe ich viel Zeit um Gedanken, Ideen und Konzepten nachzuhängen. Oder in der Erinnerung zu schwelgen. Oder Zukunfstpläne zu schmieden, oder was auch immer...(am besten einfach zu sein).

Fasziniert war ich von den Ideen des vorletzten Eintrags "ich bin immer zu spät". Wie erlebe ich Zeit, oder den Moment? Bis wann liegt etwas in der Zukunft und ab wann ist es Vergangenheit? Was ist daran überhaupt wahr oder real?

Meine aktuelle Erkenntnis: Im direkten Erleben gibt es überhaupt keine Zeit, es ist immer jetzt (Gegenwart). Man könnte auch sagen, dass es aus Sicht des Geistes, des Verstands, nur eine Vergangenheit und eine Zukunft gibt, die sich in der Gegenwart treffen. Also eine Projektion auf einer imaginären Zeitachse von hinten (Vergangenheit) nach vorne (Zukunft). Das, was aber wirklich unmittelbar IST, bleibt für unser Hirn unvorstellbar und unbeschreiblich. Man könnte fast sagen, es ist zu schnell oder zu intensiv... wenn ich bemerke, dass die Zukunft in die Gegenwart eintritt, ist sie bereits Vergangenheit... ;-)

Ein weiteres Phänomen ist, dass im Augenblick des direkten Erlebens (also in der Gegenwart, dem jetzt) kein "ich" und keine Gedanken vorhanden sind. "Es" passiert einfach. Und es passiert in einer derartigen Intensität, dass man es gar nicht verstehen kann - deshalb denkt man dann darüber nach, vereinfacht, vergleicht und macht es verstehbar. Unser Geist macht eine Geschichte daraus, die innerhalb seiner Konzepte halbwegs Sinn macht, damit er das Erlebte einordnen kann. Diese Geschichte ist aber weder Realität (weil Vergangenheit) noch wahr (weil vereinfacht). Sie ist im besten Fall historisch korrekt und gut beschrieben.

Zeit kann also nicht erlebt werden und deshalb kann man durchaus behaupten, dass es Zeit an sich gar nicht gibt... keine Vergangenheit... keine Zukunft... nur JETZT...

Somit werden Ratschläge wie "lebe von Moment zu Moment" zu reinen Platitüden (geistige Selbstbefriedigung). Erstens gibt es keine real existierenden zeitlichen Momente und zweitens kann man gar nicht anders als "jetzt" leben. Den nächsten Moment kann ich nicht vorweg nehmen und der letzte Moment ist bereits Geschichte. Ganz egal, wie eng die Momente beieinander liegen. Auf der anderen Ende der Skala bezeichnet Ewigkeit also nicht eine unvorstellbar lange Dauer, sondern JETZT. Immerwährendes JETZT. (Was auch eine falsche Bezeichnung ist, denn real gibt es nur jetzt).

Es ist faszinierend... Der menschliche Geist kann gar nicht anders als in zeitlichen Abläufen zu denken. Eine linear ablaufende Zeitachse ist ein perfektes Sortier- und Ablagesystem. Extrem mächtig. Darauf basierend leiten wir auch Kausalität (Ursache und Wirkung) ab.

 

Wie so oft in meinem Blogbeiträgen muss ich zum Schluss etwas relativieren. Ich beschreibe hier meine persönlichen Erfahrungen und die Schlüsse die ich daraus ziehe. Diese haben keinen Anspruch auf Richtigkeit. Auch das sind nur "Geschichten". Ich behaupte in diesem Beitrag keineswegs, dass es die Vergangenheit nicht gab oder dass man von der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schliessen könne. Ich sage nur, dass ich selbst -bei genauer Betrachtung- keine Zeit ERLEBEN kann. Wenn ich nun versuche, diese Erkenntnis ernst zu nehmen, so heisst das, das alles immer neu und unbeschrieben ist. Dass meine Erwartungen, Hoffnungen, Ideen, Projektionen und Konzepte die "Wahrheit" verhüllen und abwerten. Sie verwandeln Neues in Gebrauchtes.

Auch wichtig erscheint mir folgender Gedanke: Es gilt nicht "entweder oder" sondern "sowohl als auch". In Bezug auf das Thema Zeit meine ich damit, dass ich nicht wählen muss zwischen Realität (es gibt keine Zeit) und Fiktion (es gibt Zeit) sondern dass es beides gibt. Nicht nur das. Sie bedingen sich geradezu. Sie sind die zwei Seiten einer Münze und letzten Endes sogar EINS. Absolut gesehen gibt es Zeit nicht. Relativ gesehen bewegen wir uns durch die Zeit. Es ist "sowohl als auch", je nach der Perspektive, die wir einnehmen.

Und ja, ich weiss. Ich wiederhole mich. Ich wiederhole, wass ich gelesen und gehört habe. Ich versuche aus Theorie Praxis zu machen und Gelesenes oder Gehörtes mit eigener Erfahrung zu unterfüttern. Ich will nicht glauben, sondern erfahren, verstehen. Gewisse Erfahrungen oder Erkenntnisse sind aber so unglaublich, dass man sie zu wiederholen versucht um sie erneut zu prüfen. Hinzu kommt, dass man jahrelang gepflegte Ideen, Konzepte und (Denk-)Gewohnheiten nicht so einfach über Bord werfen kann. Dazu braucht es halt Wiederholung oder Training...

Ich bin immer zu spät...

Der Titel ist nicht im allgemeinen Sinn zu verstehen. Bei Verabredungen im realen Leben bin ich eigentlich immer zu früh und nur ganz selten zu spät (bezogen auf Uhrzeit). Der Satz bezieht sich auf die letzten zwei Beiträge, auf Gedanken und Worte.

Irgendwo habe ich von einem Experiment gelesen, das geht in etwa so: Suchen Sie sich eine Zahl zwischen 1 und 10 aus und beobachten Sie, was passiert. Das Ergebnis: Irgendwoher kam die Entscheidung z.B. 4 und darauf folgt der Gedanke "Vier". Das heisst, niemand dachte sich bewusst eine Zahl aus, sondern der Gedanke beschreibt die Entscheidung, kommt also nachher. Mit irgendwelchen Sensoren liess sich sogar bestimmen, wie viele Hunderstel- oder Zentelsekunden nach der Entscheidung der Gedanke folgte. Interessant...

Sprechen oder schreiben hat dann immer noch grössere Verzögerungen, weil es nachgelagert ist. Zuerst denke ich was ich sagen oder schreiben will und dann setze ich die entsprechenden Muskeln in Bewegung. Doch auch diese Handlungen geschehen vorwiegend unbewusst. Zu Glück. Es wäre viel zu kompliziert, wenn ich mir immer überlegen müsste, wie ich die Atmung, die Zunge und Lippen steuern muss, damit meine Stimmbänder die entsprechende Schwingung von sich geben, damit die entsprechenden Worte zu hören sind.

Worauf ich hinaus will: Gedanken und Worte hinken dem Leben immer hinterher. Sie vereinfachen und beschreiben immer etwas, was schon vorbei ist und was in Tat und Wahrheit gar nicht beschrieben werden kann. Das Leben ist viel zu kompliziert, chaotisch, nicht linear und unvorhersehbar. "Es" geschieht einfach... Gegenwart ist so gesehen undefinierbar, unbeschreiblich und gedanklich nicht erfassbar. Was Gedanken beschreiben ist bereits Vergangenheit und erst noch eine stark vereinfachte Vergangenheit. Und wenn wir über Zukünftiges nachdenken, so greifen wir auf diese Vergangenheit zurück, wenden das Konzept von Ursache und Wirkung an und konstruieren uns daraus ein zukünftiges Ergebnis (oder eine neue Version der Vergangenheit). Witzigerweise nehmen wir das alles sehr ernst und sind tief überzeugt davon, dass dem auch so sei.

Das alles klappt nur dank unserer Konditionierung. Wir glauben an "fundierte Entscheidungen" und daran, dass man nur genügend zu wissen brauche um die "richtigen" Entscheidungen zu treffen. Wir extrapolieren immer die Vergangenheit (oder das was wir wissen/kennen) und schliessen daraus auf die Zukunft... und verlieren dadurch die Gegenwart... (und wundern uns dann auch noch, dass sich so vieles in unserem Leben scheinbar wiederholt)...

Ein schönes Beispiel dazu aus der gegenwärtigen Internetwelt: Während meiner Winterradreise durch Deutschland buchte ich meine Hotels jeweils über booking.com. Nach etwa zwei Wochen hat der eingesetzte Algorithmus so viele Daten gesammelt, dass ich jeweils automatisch Vorschläge über nächstmögliche Hotels erhielt, die etwa im gleichen Abstand zum letzten Hotel lagen. Zusätzlich wurden mir auf anderen Seiten (Spiegel, Tagesanzeiger, Facebook, etc.) entsprechende Werbeanzeigen eingeblendet. Der Computer wusste also, dass ich etwa 80 Kilometer pro Tag reise, dass ich jeweils ein Einzelzimmer buche und dass ich dabei zwischen X und Y Euro ausgebe. Davon ausgehend errechnete er meine Zukunft und machte mir entsprechende Vorschläge. Selbst heute, fast drei Wochen nach meiner letzten Buchung, erhalte ich E-Mails mit "ihr nächstes Reiseziel". Doch die sind ja nicht doof. Sie erkennen, dass mein Internetzugang nun an meinem Heimatort erfolgt und machen mir deshalb Vorschläge für eine nächste, mögliche Reise nach dem Motto: "Menschen die ein ähnliches Verhalten wie Sie an den Tag gelegt haben, mögen auch noch diese Ziele, diese Produkte, etc."

Aber hey! So funktioniert das Leben nicht! So funktionieren Maschinen.

Das bringt uns auf die Idee oder das Konzept der Blase. Wir vermuten, dass wir abgetrennte Wesen mit einer eigenen Identität sind. Wir sind zwar ziemlich ähnlich wie die anderen acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten, doch wir sind nicht gleich und schon gar nicht EINS. Denn ich sehe nur was ich sehe, erkenne nur was ich erkenne, fühle nur meinen Schmerz, weiss nur was ich weiss, etc. usw. Irgendwo im meinem Körper -vermutlich im Herzen (bei Idealisten) oder zwischen den Ohren (bei Materialisten)- befindet sich das Zentrum meines Universums und darum herum entwickelt sich meine Blase des Lebens.

In diese Blase ziehe ich alles, was ich erfahren, erleben und wissen kann. Ich versuche damit meine Datenbasis und mein Bewusstsein zu erweitern um zu immer besseren Entscheidungen und Ergebnissen zu kommen. Wir denken: "Je mehr, desto besser!" Es entwickelt sich daraus ein stetiges "mehr". Mehr Gesundheit, mehr Freunde, mehr Geld, mehr PS, mehr m2, mehr Ferien, mehr Gelassenheit, mehr im Moment leben, mehr Mitgefühl, mehr Achtsamkeit, mehr Göttlichkeit, mehr... was auch immer! Wo auch immer wir gerade stehen im Leben, es reicht nicht! Wir wollen mehr oder etwas anderes. Wir sind auch super gut im Vergleichen und Bewerten. Wir finden immer jemanden, der Besser oder Schlechter ist, wir finden immer einen Punkt in unserem Leben, den wir noch optimieren können. Wir haben nie genügend Daten...

Diese Muster erkennen wir Alle. Ganz egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, welcher Herkunft oder Prägung. Wir sind so konditioniert (was nur eine Feststellung und keine Wertung sein soll). So wird es uns von klein auf beigebracht.

Und genauso wie booking.com davon ausgeht, dass ich immer weiterreisen werde, gehen wir davon aus, dass wir immer weiterleben werden. Wir wissen, dass wir eines Tages sterben werden, doch wir verleugnen und ignorieren es. Es ist paradox. Ich glaube, eine Midlifecrysis ist der Moment im Leben an dem man sich eingesteht, dass es eben nicht immer aufwärts und vorwärts geht, dass das Leben keine Linearität besitzt, sondern eine Kurve beschreibt, die nach dem Höhepunkt dem Nullpunkt entgegenschwingt. Meist verschieben sich dann ein paar Wertvorstellungen, was aber nichts anderes heisst, als dass wir unsere Blase in anderen Bereichen zu vergrössern versuchen.

Weil die ganze Welt um uns herum genau gleich tickt, kommen wir nicht auf die Idee, dass an diesem Lebenskonstrukt, an dieser Haltung und Vorgehensweise ganz fundamental etwas falsch sein könnte. Wer den Kopf nicht in den Sand steckt kommt irgendwann auf die ganz prinzipiellen Fragen wie: Was ist Materie? Was ist Raum? Was ist Zeit? Wer oder was bin ich wirklich?

Und was ist das Interessante an diesen Fragen? -> es gibt keine schlüssigen, wissenschaftlich bewiesenen Antworten. Materie besteht zu 99,x% aus Nichts. Raum ist grenzenlos und undefinierbar. Zeit existiert nur als gedankliches Konstrukt. Und zu guter Letzt: Ein ICH gibt es nicht. Unauffindbar!

Ist das nicht unglaublich? Alles was wir glaubten erweist sich als unhaltbar! Fake-News! Gedanken und Worte beschreiben immer nur das, was NICHT ist, denn das was IST, lässt sich nicht beschreiben. Es ist uns immer einen Schritt voraus. Jeder Gedanke darüber kommt zu spät und hat deshalb den Kern verpasst.

Um auf das Blasen-Modell zurückzukommen. Solange wir uns als Individuum verstehen, als getrenntes, eigenes Wesen, mit eigenem Zentrum, mit der Idee von "ICH - und alles Andere", so lange fühlen wir uns unvollständig und sind auf der Suche nach Vervollkommenheit.

Gibt es denn dazu eine Alternative? Ein Gegenkonzept? -> Nein. Es ist hoffnungslos.

Wenn das "ICH" wegfällt, bleibt nur noch Leben, SEIN.

Es ist völlig hoffnungslos, denn Vollkommenheit, Einheit braucht keine Hoffung. Es gibt keine Alternative dazu. Es ist voll/leer, gut/schlecht, real/unreal, weiss/schwarz, hell/dunkel, positiv/negativ, lebendig/tot -> es ist eben nur EINS, ohne ein Zweites. Es ist sowohl als auch. Das Zentrum von Gegensätzen. Undenkbar, unbeschreiblich.

Die Blase ist Teil dieses EINEN. Wieviel auch in diese Blase gezogen wird, wie gross sie auch immer werden mag, sie ist immer nur Teil des Ganzen, denn das Ganze ist unendlich, ist alles in Allem. Die Blase, das Zentrum der Blase, eine Persönlichkeit/Identität wird also immer unvollständig bleiben weil es sich (scheinbar) abgrenzt. Es bedeutet aber auch: Jeder Mensch, jedes Individuum ist Teil des Ganzen. Ob er/sie es nun erkennt oder nicht ist dabei völlig egal. Ob man nun an seiner Ich-heit festhält oder nicht ist auch völlig egal. Das Leben ist alles was IST. Immer, an jedem Ort und zu jeder Zeit, vollständig. Schwingende Energie...

Will man aber Vollkommenheit erreichen, muss ICH sterben. Die Identifikation mit einem ICH muss wegfallen. Es gibt kein ICH, das denkt und fühlt und bewertet und wünscht und hofft. Nichts persönliches. Kein ICH, kein DU - niemand. Keine Materie, kein Raum, keine Zeit, keine Ursache, keine Wirkung - nur Lebendigkeit. Nur spielende, lebendige Energie, immer jetzt, nie gleich.

Das klingt jetzt alles ziemlich abgedreht, weil eben Worte nicht in der Lage sind Unbeschreibbares zu beschreiben. Das alles hat nichts mit Selbstmord, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit im allgemeinen Verständnis zu tun. Ich werde mich nicht umbringen ;-) Das Leben geht ja weiter, ich werde auch weiterhin jeden Morgen aufstehen, mich waschen, essen und arbeiten. Daran ändert sich -soweit man das abschätzen kann- gar nichts. Ich werde auch weiterhin nachdenken, abwägen und Verstandesentscheidungen treffen, denn das ist Teil dieses Erdenlebens, dieser Geschichte. Man muss nicht vorsätzlich Dummheiten begehen. :-)

Es fühlt sich also ziemlich undramatisch an, wie das Ausziehen eines alten Mantels, der einem nicht mehr passt.

Hamsterrad - Ich bin

Ich denke von mir irgendwie, dass ich sein Suchender bin, der nach Erfüllung, Erleuchtung, Verschmelzung, Vereinigung sucht. Bei genauerem Betrachten sieht es auch wie ein dauerndes Vergessen-wollen seiner Selbst aus, einer Auflösung des "Ich"-Konzepts. Dies vor allem deshalb, weil man sich Selbst immer als getrennt von anderem und von anderen erfährt. Als Grundproblem erkenne ich, dass sobald ich "Ich" denke/sage, trenne ich mich ab von allem anderen. Ich und alles Andere.

Über die Jahre verflüchtigten sich zunehmend die Gedanken der Ich-Identifikation mit meinem Körper, meinem Geist, meine Emotionen, Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen. Zeitweise. Wenn ich im vorletzten Beitrag vom dauernden Versuch mit "dem Flow" zu gehen spreche, dann ist auch dies ein Ausdruck für das Vergessen meiner selbst, für den Versuch der totalen Akzeptanz dessen, was ist, ohne den Versuch etwas ändern zu wollen. Aber dennoch erlebe ich mich höchstens als Teil von Etwas, also immer noch getrennt.

Das alles ist ein geistiges Hamsterrad... und die Achse dieses Rads heisst "Ich". Darum dreht sich alles...

Das verrückte an der Sache ist, dass es bei genauem Betrachten und bei vertiefter Selbsterkenntnis dieses "Ich" gar nicht gibt. Es hat keine echte Realität sondern schafft sich seine eigene Traumwelt, die immer irgendwie anders sein sollte als das, was wirklich ist. Und das treibt mich dann vorwärts und hält meine Suche in Gang. Damit meine ich Ideen wie: "das müsste etwas anders sein", "das gibt es noch zu erreichen", "das muss ich noch loslassen", "diesbezüglich muss ich mich noch verbessern", "das muss ich noch tun oder nicht tun", "da kommt noch was".

Man kann auch sagen, das "Ich" ist relativ. Bezogen auf diesen Körper, auf dieses Leben in Dualität, in einer sich in dauernder Veränderung befindlichen Welt. Genau deshalb sucht es einen Fixpunkt der Ruhe verspricht. Relativität braucht einen Fixpunkt zu dem es halt eben relativ ist. Es wird diesen aber nie finden. Wo es auch hinschaut, wo es auch sucht, es wird diesen Fixpunkt nicht finden, da der Fixpunkt nicht Teil dieser "Ich-bin"-Welt ist. Es scheint eher umgekehrt zu sein. Erst ein "Ich-bin" kreiert diese, sich dauernd verändernde Welt. Erst das "Ich" kreiert Zeit und Raum. Erst dieses "Ich" kreiert diese Trennung zwischen "Ich und Nicht-Ich". Erst das "Ich" kreiert diesen Traum des "eigenen", abgetrennten Lebens.

So gesehen ist es also hoffnungslos. "Ich" komme nie aus diesem Hamsterrad heraus. Solange ich mich mit dieser Welt, diesem Leben, diesem Körper, diesen Gedanken und eben dieser "Ich-Geschichte" identifiziere, solange geht die Suche weiter. Nichts was ich finden werde wird mich je befriedigen, weil es in diesem Ich-Lebenstraum keinen Fixpunkt gibt.

Das ist alles Illusion, Lebenstraum...

Die Realität IST ganz einfach so wie sie ist. Sie ist vollkommen, ungetrennt, es gibt kein Bewusstsein hierzu, es ist niemand da, es gibt kein gut und schlecht, es macht keinen Sinn, es ist für niemand, es ist frei und es ist satt und wild... es IST einfach so... -> für ein "Ich" unbegreiflich, unverständlich und unerreichbar...

5 Jahre Bike Butler

Aktuell feiere ich gerade das 5 jährige Jubiläum als Bike Butler (ganz im Stillen). Ich blätterte in diesem Blog auf März 2012 zurück und las mir die damaligen Beiträge nocheinmal durch. Ich muss zugeben, es hat sich -so rein äusserlich- nicht viel verändert in der Zwischenzeit. Noch immer ist es schwer an Kunden zu kommen und noch immer habe ich viel leere Zeit tagsüber.

Geändert hat sich, dass ich 5 Jahre älter wurde und natürlich nun über 5 Jahre Erfahrung verfüge. In diesem Geschäft wird immer sehr viel vom Wetter und vom Zufall abhängig sein. Das muss man akzeptieren und damit umgehen können. Das heisst, es braucht Geduld, Gelassenheit und Vertrauen. Und natürlich die Fähigkeit, mit wenig zufrieden zu sein. Es ist kein gutes Geschäft sondern ein Lebensstil, der gerade so zum materiellen Überleben reicht.

Man darf diese Aussagen nicht falsch verstehen. Es soll kein Jammern oder Beschweren sein. Die Vorzüge dieses unsicheren Lebens sind gross, aber nur schwierig zu beschreiben. Es ist ein grosses, offenes Feld voller Freiheiten und Möglichkeiten. Nur sehr wenige Grenzen oder Regeln sind gesetzt. Es ist so vieles mir selbst überlassen, wie vermutlich noch nie zuvor in meinem Leben.

Nun ist es natürlich Typ-abhängig, wie man damit umgeht. Ich bin nicht der Eroberer, der dieser Stadt seinen Stempel aufdrücken und seinen Erfolg erzwingen will. Ich bin eher der stille, der integrative und harmonische Typ, der nach Gleichklang, Vereinigung und Verschmelzung sucht. "Go with the Flow" ist sozusagen zu meinem Lebensmotto geworden. Die Stimmung und Schwingung in dieser Stadt aufzunehmen und mitzuschwingen, das versuche ich immer wieder. Dazu braucht es Hingabe und ein Stück Selbstvergessenheit. Demut. Sensibilität. Und eben dieses Grundvertrauen, dass alles richtig ist, so wie es ist. Dass ich nichts anzufügen oder zu ändern brauche...

Ich bin zu einem Teil dieser schönen Stadt geworden und versuche dem natürlichen Lauf der Dinge (die keine Dinge sind) zu folgen. Es startet langsam im März, nimmt Fahrt auf im Frühling, kulminiert im Sommer, geniesst im Herbst, und freut sich auf die Weihnachtszeit. Dann folgen zwei Monate der Ruhe und danach beginnt es erneut. Ähnlich wie im Vorjahr, jedoch immer nur ähnlich und nie gleich. Es ist kein Müssen sondern ein natürliches Fliessen, ein stetes Loslassen, ein Mitspielen und Mitfeiern... und ist nicht das das Wichtigste überhaupt? Dass man dieses Leben feiert? Dass man sich nicht gesondert und getrennt fühlt sondern als Teil des Ganzen, welches genau so wichtig ist wie jedes andere Teil? Dabei ist der Audruck "wichtig oder unwichtig" nur eine menschliche Beschreibung/Bewertung, die real gar nicht existiert... innen und aussen nähern sich an, gehen fliessend ineinander über und werden irgendwann deckungsgleich oder EINS...

Ja, das alles ist ein grossartiges Lern- oder/und Spielfeld. Es geht darum, Widerstände (Ansichten, Meinungen, Konzepte, Glauben, etc.) abzubauen, Schleier zu lüften, klarer zu sehen und zu erkennen: Das ist das Leben! Das bin ich! Unglaublich - Wundervoll!... also lass uns weiterspielen "Go with the Flow"...