guter Monat

Der diesjährige Mai war für mich als Rikschafahrer ein ausgesprochen erfolgreicher Monat. Dies verdanke ich in erster Linie dem sehr guten Wetter. Die zweite Monatshälfte war sehr sonnig und warm, was natürlich Buchungen nach sich zog. Das ist wichtig, denn tagsüber läuft das Geschäft mit Taxifahrten kaum. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich ja diesen Beitrag dazu geschrieben und daran hat sich auch nichts geändert.

Dies ist nun meine sechste Rikschasaison und somit weiss ich langsam wie es läuft. Insgesamt komme ich zu folgender Aussage: "Rikscha fahren ist kein gutes Geschäft, doch ein guter Lebensstil." Man muss in der Lage sein, all die Freiheiten die man geniesst als wertvoll zu betrachten und zu schätzen. Anders geht es nicht...

Velotaxi - eine Illusion?

Unser kleines Rikschaunternehmen findet nun mal draussen satt und deshalb ist es normal, dass wir vom Wetter abhängig sind. 2016 ist bisher das wohl schlechteste erste Halbjahr, welches ich bisher erlebte. Das Wetter zeigte sich sehr wechselhaft und bisher gab es noch keine länger anhaltende Schönwetterphase. Auch fast sämtliche Feiertage wie Ostern, Sechseläuten, 1. Mai oder Pfingsten waren regnerisch und kühl. Das lässt Kunden von Rundfahrten oder die Einlöser von Gutscheinen zögern und zuwarten.

Es erstaunt deshalb nicht, dass alle bisherigen Zahlen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Egal ob Einsatztage, Präsenzzeit in der Stadt, eingelöste Gutscheine, Anzahl Stadtrundfahrten, Hochzeiten, Geburtstagsfahrten oder auch Taxifahrten. Alles läuft dieses Jahr schlechter. Und bei saisonalen Angeboten ist absehbar, dass man die "Verluste" der ersten Saisonhälfte auch mit einer super zweiten Hälfte nicht mehr wettmachen kann. Denn soviel ist klar: Auch bei einem perfekten Sommer und Herbst kann ich nicht viel mehr fahren (bewältigen) als im letzten Jahr. Das heisst, das Potential um aufholen zu können ist sehr klein. So sind die Fakten derzeit.

Anlass für diesen Blogeintrag ist jedoch die grundsätzliche Idee "Velotaxi". Damit meine ich die Idee, Leute spontan für eine kurzen Taxifahrt von A nach B zu finden und damit einen echten Einkommensbeitrag zu erzielen. Das ist nämlich die Grundlage für zusätzliche Fahrer, die sich gerne als Rikschafahrer ein Einkommen generieren möchten. Solange ich selbst die Kapazität habe, fahre ich alle vorgebuchten Fahrten selbst ab, das heisst, zusätzliche Fahrer müssen sich auf Taxifahrten konzentrieren.

Seit 2012 versuchten sich 5 oder 6 Personen als Rikschafahrer, doch alle haben nach ein paar Tagen, oder maximal ein paar Wochen, wieder aufgegeben. Nur 2014 gab es einen jungen Deutschen, der 3 Monate (Juli-September) durchgehalten hat und nach seinen Angaben auch davon leben konnte. Alle anderen scheiterten realtiv rasch. Es scheint also, dass tagsüber schlicht kein Markt für ein Velotaxi vorhanden ist. Zu gut und günstig ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln und viele (kurze) Distanzen lassen sich einfach zu Fuss (oder mit dem eigenen Velo) zurücklegen. Hinzu kommen noch die mentalen Barrieren wie "der arme Fahrer", "ich möchte mich nicht exponieren" oder "das ist vermutlich zu teuer".

Mein Geschäftspartner, Arjun, erarbeitet sein Einkommen fast ausschliesslich mit Taxifahrten. Sein Geschäft spielt sich aber nachts ab. Meist ist er Donnerstags, Freitags und Samstags von 23:00 Uhr bis 07:00 Uhr unterwegs. Nach seiner Aussage läuft das Geschäft meist erst ab 01:30 Uhr richtig, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Dienst einstellen und noch viel Party-Volk unterwegs ist. Fazit: Nachts (an Ausgehtagen) scheint ein Velotaxi zu funktionieren, tagsüber wohl eher nicht. Um zu diesen Zeiten zu arbeiten, muss man jedoch ein ganz bestimmter Typ Mensch sein und man darf keine Berührungsängste mit Betrunkenen und unter Drogen stehenden Menschen haben.

 

In den letzten Tagen/Wochen/Monaten reifte langsam wirklich die Erkenntnis, dass dies tagsüber nicht funktioniert. Ich verbrachte Stunden an stark frequentierten Lagen und lauerte (meist erfolglos) auf Taxi-Kunden. Nüchternes Resultat: Im Schnitt alle 1,5 Std. ein Fahrgast, durchschnittlicher Verdienst ca. Fr. 15, was dann also Fr. 10/Std. macht. Brotlos!

Natürlich könnte ich vieles besser machen. So spreche ich die Leute kaum an, biete keine Show und versuche auch nicht Leute zu einer Fahrt zu überreden. Extrovertiertere Persönlichkeiten könnten dadurch bestimmt mehr Erfolg erzielen, doch ob es so zu 3 oder 4 x mehr Gästen reichen würde? Brutto 30 bis 40 Fr./Std. sollte es ja schon sein. Schwierig...

Dieses Jahr bringe ich noch so zu Ende und hoffe, die Bilanz noch etwas aufzuhellen. Doch für nächstes Jahr muss ich mir Alternativen überlegen. Finanziell wird es sehr eng und da muss ich mir eine bessere Zukunftsperspektive erarbeiten. Die ganze Sache ist also kein Selbstläufer, der sich auf befriedigendem Niveau eingependelt hat sondern es ist eher so, dass in wettermässig guten Jahren ein befriedigendes Resultat erzielt werden kann, wenn dies aber ausbleibt -so wie dieses Jahr-, wird es kritisch.

Garagenplan

Heute besichtigte ich die ab 01.01.2014 neu gemietete Garage und habe alles ausgemessen. Zuhause habe ich dann die Skizze am Computer in einem Zeichnungsprogramm masstabgetreu umgesetzt, so dass ich mir über die Belegung und Nutzung ein paar Gedanken machen konnte.

Nicht nur der erste Eindruck war gut. Es zeigt sich, dass diese Garage zu einem Glücksgriff werden kann. Die insgesamt 43 Quadratmeter bieten noch viel Potential für den weiteren Ausbau von Bike Butler. Mit den derzeit insgesamt 5 Rikschas (4x Bike Butler + 1x Arjun privat) bleibt noch viel Platz frei. 8 Rikschas haben locker Platz, wenn man verschachtelt parken würde, gingen sogar bis zu 12 Rickschas rein.

Da genügend Platz vorhanden ist, kann ich tagsüber auch gut das Motorrad in der Garage abstellen. Für die Motorradkleider werde ich wieder einen Kleiderbügel aufhängen und insgeheim plane ich auch den Kauf eines Metallschranks, in dem ich Werkzeug, Ersatzteile und im Sommer die Decken einlagern kann. Das wäre sehr praktisch, doch zu Beginn starte ich mal ohne (ist mir noch zu teuer und in nächster Zeit stehen noch andere Investitionen auf dem Programm).

Interessant fand ich, dass man in dieser Garage selbst im 2. Untergeschoss perfekten Mobile-Empfang hat. Während ich da am ausmessen war klingelte nämlich das Handy und ich war ganz überrascht, dass ich eine gute Verbindung hatte. Im Display waren 3 von 4 Balken zu sehen. Ich denke das liegt daran, dass im gleichen Haus ein Polizeiposten ist und die Polizei auch diese Garage nutzt. Die haben wohl einen Verstärker eingebaut. Danke! Das ist praktisch.

Später kümmerte ich mich noch um eine ganz andere Geschichte, nämlich, um die bessere Nutzung des Stauraums unter der Rikscha-Sitzbank. Dieser Hohlraum ist aus Alublech gebaut und da ist die Chance riesig, dass während der Fahrt (vor allem beim Überfahren von Bordsteinkanten) etwas klappert oder gegen das Blech schlägt. Bisher hatte ich zwei Kunststoffkisten in der Sitzbank. Das war nicht schlecht, doch sie passten nicht wirklich, so dass sie öfters umherrutschten und anschlugen. Meine Idee ist nun, dass ich unten eine Schaumgummimatte verlege und möglichst passende Kisten kaufe. Dafür musste ich natürlich auch zuerst die genauem Masse an der Rikscha nehmen und danach eine Zeichnung machen. Morgen werde ich wohl ein paar Baumärkte abklappern und möglichst passende Behälter suchen.

Polit-Promis

Heute traf ich zufällig auf eine Schar Politiker, die sich für ein Gruppenbild zurecht machten. Es sind dabei all die Politiker, die gegen die 1:12 Initiative sind, über die am 22. November abgestimmt wird. Man könnte etwas böse auch sagen, dass es diejenigen sind, die immer noch an selbstregulierende Märkte glauben und neoliberales Gedankengut über das Gemeinwohl stellen... Ich will hier gar nicht lange darüber debatieren. Ich werde für 1:12 stimmen im Bewusstsein, dass sich selbst bei der Annahme der Initiative nicht viel ändern wird. Die Verteilgerechtigkeit wird kaum zunehmen, sondern die betroffenen Firmen werden sich eher unter einer Holdingstruktur in Teilfirmen aufgliedern, in denen dann dann das geforderte Lohnverhältnis von 1:12eingehalten werden kann. (Eine kleine Bemerkung am Rande: Auf Facebook habe ich das Foto auch gepostet. Da schrieb ich jedoch, dass es sich dabei um die Befürworter der Initiative handelt. Hi hi hi, mal sehen, ob das jemand merkt.)

Für mich war es wichtiger, dass es heute ein schöner und warmer Herbsttag war. Mittags um 2 Uhr war es etwa 17° Grad und ich konnte tatsächlich in kurzen Hosen fahren. Das hat natürlich Spass gemacht. Zudem hatte ich noch zwei gebuchte Rundfahrten und so war also alles tip top für einen Montag.

Morgen soll es noch etwas wärmer werden, bevor dann am Mittwoch eine Regenfront über die Schweiz ziehen wird. Schon ab Donnerstag soll es aber wieder besser werden und wieder gegen 18° Grad warm werden. Herrlich dieser Altweibersommer! Das hilft mir natürlich, die Saison positiv abzuschliessen. Am 2. November habe ich endlich Ferien und darauf freue ich mich natürlich riesig.

alles was schief gehen kann...

An Arjuns Rikscha gab es am linken Hinterrad immer stärkere Geräusche und deshalb wollten wir uns das letzte Woche mal ansehen. Das Rad wird von aussen mit einer Zentralschraube, die direkt in die Achse geschraubt ist festgehalten. Diese Schraube wollte sich aber einfach nicht lösen lassen und so begann das Unheil...

Es braucht schon etwas Gewalt, bis man eine Innensechskantschraube (Imbus) rund dreht, doch das schafften wir. Die Schraube wollte sich einfach nicht lösen lassen und auch Kriechöl half nicht weiter. Natürlich befürchtete ich, dass wir die Schraube rund drehen, doch was soll man machen? Irgendwann war es dann soweit und damit war klar, dass man den Schraubenkopf wegbohren muss, damit man das Rad abkriegt. Da das Wochenende vor der Tür stand und Arjun fahren wollte, liessen wir es also mal dabei bewenden und Arjun quitschte sich durch die Stadt...

Am Dienstag brachte ich dann den Akkuschrauber mit verschiedenen Bohrern sowie eine Feile mit in die Garage. Zuerst ein kleines Loch in der Schraubenmitte vorbohren. Gar nicht so einfach, bei einer Chromstahlschraube (Inox). Pling! Bohrer abgebrochen... Nächster Versuch... Dann ein grösserer Bohrer... und noch eine Nummer grösser und siehe da: Der Schraubenkopf fällt ab und das Rad lässt sich demontieren. So weit so gut, doch wie kriegt man nun den festsitzenden Schraubenstumpf aus der Achse?

Ich hoffte, dass vor dem Gewinde genügend Schraube übrig sei, damit ich die Schraube anfeilen könnte um dann mit einem Gabelschlüssel versuchen kann, sie rauszudrehen. Doch die Hoffnung war von kurzer Dauer, denn da war kaum ein Millimeter Schraube sichtbar. Also was nun? Die Schraube anbohren und mit einem Ausdrehwerkzeug den Stumpf herausdrehen. Gute Idee, doch ein solches Werkzeug habe ich nicht und Christoph, vom Bikeshop Flamme Rouge, ist erst ab Mittwoch im Shop. Also bohre ich die Schraube mal an und warte...

Heute machte ich mich dann auf den Weg zu Christoph und leihte mir das Werkzeug aus. In der Garage setzte ich den Ausdreher an und schraubte ihn mit Linksgewinde in die Schraube. Dann wurde es hart. Klar. Die Schraube steckt fest, so einfach geht das nicht... Etwas mehr Kraft... Pling! Der Ausdreher bricht aussen bündig ab... Nein! So ein Mist! Gehärteter Stahl, in der Mitte einer Inox-Schraube...

Ich steckte das Rad auf und fuhr mit der Rikscha zu Christoph. Wir beäugten das Ganze. Ausbohren geht nicht, da der Bohrer nicht in den Ausdreher bohren kann, weil beides gleich harter Stahl ist. Irgendwie müssen wir also zuerst den Ausdreher aus dem Schraubenstumpf kriegen, bevor wir dann die Schraube ausbohren können. Mit kleinen Meisseln und Hammer versuchen wir den Ausdreher herauszuschlagen, was aber ohne Erfolg bleibt. Zuwenig Angriffsfläche. Hmmm... Mit einem sehr kleinen Bohrer an der Aussenseite des Ausdrehers kleine Löcher in die Schraube bohren, damit man etwas Luft kriegt um den Stumpf des Ausdrehers rauszukriegen. Könnte klappen...

Ich fahre also zu einem Metallwarenhändler und kaufe vorsichtshalber gleich 3 Bohrer a 1,5mm denn ich weiss ja, wie schnell die abbrechen. Und tatsächlich, schon bei der ersten Bohrung bricht der erste Bohrer... Nur nicht fluchen... Vorsichtig und konzentriert weiterarbeiten... Beim Bohren des dritten Lochs bricht dann auch der dritte Bohrer, doch nun gelingt es uns endlich, den Stumpf des Audrehers rauszugrübeln. Immerhin. Nun vorsichtig die Schraube Schritt für Schritt aufbohren und das Gewinde in der Achse möglichst wenig beschädigen. Das sagt sich so einfach... Natürlich ist die Bohrmitte nicht genau in der Mitte der Schraube und so kann man bald auf einer Seite das Gewinde sehen und auf der anderen Seite noch gar nichts ausser die angebohrte Schraube, die im Loch steckt... Es vergeht wohl noch fast eine Stunde bis wir soweit sind, dass wir den M8-Gewindeschneider ansetzen können um das Gewinde in der Radachse nachzuschneiden. Es sieht nicht schön aus, doch es sollte funktionieren, respektive halten...

Alles in allem habe ich in diese Zangengeburt gegen fünf Stunden Arbeit investiert. Weil das Gewinde nun etwas lose ist (resp. leichtes Übermass hat), schmierten wir Loctite (Schraubensicherungsungflüssigkeit) auf die neue Schraube, bevor wir das Rad festschraubten. Wobei: Nur nicht zu fest anziehen, sonst kriegen wir die Schraube später nicht mehr auf, was ja der Anfang allen Übels war. Immerhin: Auf der Rückfahrt konnte ich mich davon überzeugen, dass die Geräusche weg sind, somit ist das Ziel erreicht...

längster Tag mit der Rikscha

Dieses Wochenende findet in Zürich das "Züri-Fäscht" statt und deshalb war klar, dass ich nach dem normalen Arbeitstag mit vorgebuchten Rundfahrten noch lange in der Stadt sein werde um Festbesucher mit Taxi-Fahrten vom Festgelände wegzubringen.

Natürlich ist es ein unglaubliches Gewusel, wenn sich 250'000 Menschen im Kernbereich und am Seebecken aufhalten und da muss man schon ziemlich aufpassen, dass man niemanden touchiert oder sonstwie in gefährliche Situationen gerät. Und auch klar, je später die Nacht, desto mehr Glasscherben gibt es auf den Strassen und das Risiko für einen Plattfuss steigt stetig.

Ich postierte mich in der Nähe des Paradeplatzes und musste jeweils nicht lange warten, bis ich Gäste fand. Es hilft natürlich, wenn keine Trams fahren... sehr gut. So muss es sein!

Morgens um vier Uhr war ich dann ziemlich erschöpft und die zunehmend betrunkeneren Fahrgäste mochte ich auch nicht mehr länger ertragen. Ich war nun an die 17 Stunden in der Stadt und der Tacho zeigte über 100 Kilometer. So weit bin ich mit der Rikscha an einem einzigen Tag noch gar nie gefahren. Das ist der absolute Rekord und wird der wird wohl sehr lange Bestand haben...

Rikscha Session

Im Frühling wurde ich von 78s Bessere Musik angefragt, ob ich mit ihnen zusammenarbeiten würde um ein paar Videos mit lokalen Musikern zu drehen. Die Idee war, dass die Musiker in einer Rikscha sitzen und live einen Song spielen und dass aus der zweiten Rikscha gefilmt wird.

Anfänglich war ich nicht so begeistert, denn erstens sollten wir dies gratis machen, zweites war das Projekt in den Sommermonaten von Juni bis August angesagt, da wo wir auch sonst stark gebucht sind und drittens war der Zeitaufwand von 1-2 Stunden pro Session mit jeweils zwei Rikschas ja auch nicht ohne. Trotzdem reizte mich die Sache. Ich sah es als eine günstige Werbemöglichkeit an. Videos welche über YouTube verbreitet werden kommen meist gut an und jede zusätzliche Visibilität unserer Rikschas ist von Vorteil.

Heute war nun die dritte dieserr Rikscha-Sessions. Die Zusammenarbeit klappt gut und unkompliziert und man lernt dabei auch interessante Menschen kennen. Nach und nach werden die Videos nun publiziert. Hier ist ein Link zum YouTube-Kanal.

Gasträume

Letztes Jahr gab es in der Stadt die Kustausstellung "art and the city" und auch dieses Jahr gibt es wieder Kunst im öffentlichen Raum zu sehen. An 13 verschiedenen Orten wurde Künstler ein "Raum" zur Verfügung gestellt, den sie für Ihre Kunst benutzen konnten/durften. So sind zum Beispiel am Rennweg 31 bunte Flaggen zu sehen, oder die obigen Bronzefiguren stehen am Uto-Quai, gleich beim Bellevue.

Das nebenstehende Objekt mit den bunten Festerscheiben steht am Paradeplatz. Der Künstler hat mit einem grossen Hammer selbst auf die Sicherheitsglasscheiben eingeschlagen und wollte damit ein Zeichen gegen Vandalismus setzen. Irgendwie eine nette Idee, doch viele (junge) Menschen fühlen sich nun auch motiviert um etwas künstlerisch tätig zu sein und schlagen weitere Löcher in die Scheiben, bis sie dann letztendlich ganz kaputt aus dem Rahmen fallen. Deshalb mussten einzelne Gläser bereits getauscht werden und in Anbetracht von "Züri-Fäscht" und "Streetparade" wird es wohl noch manchen Scheibenwechsel geben, bis die Ausstellung dann Mitte September endet.

Ich finde Kunst im öffentlichen Raum immer wieder faszinierend und inspirierend. Für mich zeugt es irgendwie von gesteigertem Bewusstsein, wenn der öffentliche Raum nicht nur funktional und wirtschaftlich genutzt wird. Kunstwerke -so kontovers sie auch sein mögen- verleihen der Umgebung ein Plus an Bedeutung. Es ist ja nicht nur das Kunswerk selbst, sondern das Wechselspiel von Umgebung und Kunstwerk, was unsere Sinne anspricht. Und ganz nebenbei sind diese Objekte auch immer gut für meine Rikschatouren, denn da kann man den Passagieren etwas zeigen und erzählen.

trotzdem...

Morgens war das Wetter wirklich prächtig und die Schmerzen meiner Muskelentzündung sind fast völlig verschwunden. Was soll man mit einem solch schönen Sonntag anfangen? Weil der Wetterbericht für die kommenden Tage (schon) wieder Regen ankündigte, entschied ich mich dazu, nochmals nach Zürich zu fahren um einige Stunden mit der Velorikscha meine Dienste anzubieten.

Leider nahm dann aber die Bewölkung stetig zu, was dann gleich auf die Motivation von möglichen Kunden drückt. Das fand ich nicht tragisch. Ich wollte einfach Präsenz zeigen und eher etwas auf Kunden warten als leer herumfahren.

Lustig fand ich zwei Japaner, die mit gezücktem Fotoapparat auf mich zu kamen und fragten ob ich wisse, wo das Foto geschossen wurde, welches sie mir im Display zeigten. "Schwierig zu sagen... wieso?". Sie hätten da in der Nähe ihr Mietauto parkiert und suchen dieses nun schon seit über einer Stunde, aber ohne Erfolg. Ich schaute mir das Foto noch einmal genau an. Ich hatte eine Idee und die zwei stiegen ein. Und siehe da, an der Fraumünsterstrasse fanden wir dann ihr Mietauto. Da waren Sie sehr erleichtert.

Gegen halb fünf Uhr am Nachmittag fielen dann erste Regentropfen und weil ich mich nicht überlasten wollte, fuhr ich gleich zurück zur Garage und brach meine Sonntagsübung ab. Nachher stellte ich zwar fest, dass es nicht wirklich zu regnen begann und ich nach einer kurzen Pause wieder hätte weiterfahren können. Doch irgendwie schallten mir die Worte des Arztes noch im Ohr, der mir drei, vier Tage Ruhe und Erholung verordnet hatte. Also besser nicht übertreiben.

Geduld

Das Wetter will einfach nicht wirklich besser werden. Noch immer ist eher April- als Maiwetter. Am Montag war es noch knapp 18° Grad, heute kaum mehr 15 und morgen soll es dann regnen bei noch etwa 10° Grad. Wahrlich, für ein sonniges Rikschavergnügen braucht es noch immer Geduld...

Um meine Eigenwerbung etwas zu verbessern liess ich den Touristen-Tourenplan auf einen 85x55cm grossen Aufkleber drucken, den ich auf das Polster der Rückenlehne aufbrachte (Tagesbild). Zudem fuhr ich heute wieder einige Hotels an um Flyer zu verteilen. Ich bemühe mich wirklich, um das Geschäft anzukurbeln. Das Wetter kann ich aber nicht beeinflussen...

Zeitweise zweifle ich schon etwas... Es gibt nichts geschenkt... Bisher verkauft sich weder die Werbefläche wirklich gut, noch gibt es viele Leute, die in Zürich spontan Rikscha fahren wollen und auch die Resonanz auf die mittlerweile über 1'000 verteile Flyer ist sehr bescheiden. Da könnte man schon ins Grübeln geraten.

Auch wenn es mir nicht immer leicht fällt, so will ich mir dieses Grübeln aber etwas verbieten. Nachdenken was ich besser machen kann ist o.k., doch frustriert zu sein liegt nicht drin. Es ist einfach noch nicht an der Zeit um irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Ein harziger Start ist noch kein Misserfolg. Ich brauche Geduld. Mindestens bis Ende September will ich mir und meinem Rikscha-Projekt Zeit geben. Erst nach einem vollständigen Sommer kann ich die Sache erst wirklich beurteilen. Anfang Oktober sind zwei Wochen Ferien geplant und dann -am Strand- werde ich etwas Distanz kriegen und dann erlaube ich mir auch Schlüsse zu ziehen. Bis dahin muss ich positiv bleiben und mich in Geduld üben.