immer neue Bedürfnisse

Unser Geist ist unersättlich. Es ist nie genug, es drängt immer zum Nächsten. Egal wo wir stehen oder was schon erreicht ist. Es ist nie genug gut, wir finden immer noch Verbesserungspotential, denn das Bessere ist der Feind des Guten. So funktioniert unser Geist.

Ich erkenne es an mir selbst immer wieder. Eine Beispiel dazu ist dieser Blog. Er könnte etwas schöner, etwas technisch ausgefeilter, etwas moderner sein. Es gibt viele tolle Beispiele dafür. Ich müsste es nur anpacken... Oder mein Mountainbike. Kaum ist die neue Lackierung fertig und die grosse Anfangsfreude normalisiert sich, denke ich darüber nach, was man noch verbessern könnte. Jetzt werden die Gepäckträger von orange auf schwarz um-pulverbeschichtet. Und dann? Griffigere Reifen? Bessere Bremsen? Leichtere Räder?

Es geht immer weiter und ist nie gut genug. Jeder erlebt das in seinem Leben und seinen Interessensbereichen. Es ist einfach menschlich und positiv betrachtet ist es dieser innere Stachel, der uns zu neuen Entwicklungen und Verbesserungen antreibt. Es macht also durchaus Sinn, dass wir so funktionieren.

Es lohnt sich trotzdem, diese Muster zu hinterfragen. Oft steigern wir uns damit in Abhängigkeiten hinein, die wir eigentlich gar nicht wollen. Nur so als fiktives Beispiel: Das neue Bike, Auto oder das grössere Haus zieht schnell finanzielle Verpflichtungen nach sich, die dann auch bedient werden müssen. Oder: Dieses Muster hindert uns wirklich zufrieden zu sein, denn:

Zufriedenheit ist ein flüchtiges Gut...

Jede Bedürfnisbefriedigung scheint ein neues Bedürfnis zu erzeugen. Kaum haben wir etwas erreicht, zieht es uns weiter zum Nächsten, zum Besseren... eine neue Karotte, die wir zu erreichen versuchen. Und das hört nie auf. Deshalb wollen wir auch nie sterben, denn es gibt immer noch etwas zu tun und zu erreichen. Wir sind nie am Ziel.

Diesem Hamsterrad lässt sich nur auf eine Art entkommen und die ist zu erkennen, dass dies eine eingebaute Funktion ist. Es gehört zum Programm eines jeden menschlichen Lebens. Genauso wie zu atmen, Blut durch die Adern zu pumpen oder das Nervensystem aufrecht zu erhalten. Und genausowenig wie ich bewusst atme, bewusst Blut durch meine Adern pumpe oder bewusst mein Nervensystem aufrechterhalte, genausowenig erzeuge ich bewusst neue Bedürfnisse. Es geschieht einfach.

Der Vorteil gegenüber physischen Prozessen ist, dass ich diesen psychischen Impulsen nicht unbedingt folgen muss. Sobald ich erkenne, dass sie einfach geschehen, und nicht von mir selbst erzeugt werden, kann ich mich auch von Ihnen distanzieren. Es ist ganz einfach mein ruheloser Geist, der von Karotte zu Karotte hüpft um im Gespräch zu bleiben, um das (Hamster-)Rad am Laufen zu halten. Das bin nicht ich! Es sind nur vorbeiziehende Gedanken, mit denen ich mich nicht unbedingt identifizieren muss. Quasi Vorschläge, die ich annehmen oder verwerfen kann. Man muss noch nicht mal entscheiden ob annehmen oder ablehnen, oft hilft auch einfach abwarten. So wie ein neues Bedürfnis aufkommt, so verschwindet es wieder. Aber Achtung: Meist wird es nur durch ein anderes, neues Bedürfnis, abgelöst... Der menschliche Geist (unser Ego) ist raffiniert und kennt tausend Tricks um im Gespräch zu bleiben.

Rein gedanklich kann man nicht entkommen. Wenn ich ein Bedürfnis erkenne und ablehne, erzeuge ich nur ein neues Bedürfnis. Nämlich: Das Bedürfnis, das aufgetauchte Bedürfnis abzulehnen. So sitzt man in der Falle, einer Endlosschleife! Es hilft wirklich nur die Erkenntnis: Ich bin das nicht! Ich bin nicht meine Gedanken, ich bin nicht meine Bedürfnisse. Die einzige Möglichkeit dieser Falle zu entkommen ist die Erkenntnis, dass ICH gar nicht drin bin. Das Programm läuft... auch ohne mich...

Das entspannt ungemein.

Vieles verliert am Wichtigkeit und Projektionen in eine bessere/schönere/zufriedenere Zukunft nehmen langsam ab. Man/Es hört auf, immer neue Bedingungen an Glück und Zufriedenheit zu stellen (Bedürfnisse zu erzeugen). Ich BIN schon HIER! Zufriedenheit ist jederzeit verfügbar. Jederzeit. JETZT. Ohne weitere Anforderungen... es besteht keine Notwendigkeit, etwas hinterher zu jagen. Ausser: Es macht Spass! ;-)

nimm's leicht

An einem der vergangenen Tage habe ich eher aus Langeweile denn aus Interesse in der rechten Seitenleiste auf die Kategorie "Philosophie" geklickt und mir einige ältere Beiträge durchgelesen. Interessant... Manchmal sieht man klarer als meistens. ;-)

Rückblickend stelle ich einfach fest, dass ich heute leichter lebe als früher. Wenn man das so sagen kann. Ich sorge mich weniger weil ich einsah, dass dies nur Sorgen macht. :-)

Ich habe nicht gefunden sondern erkannt, dass Suchen ein sinnloses Spiel ist (welches man nicht unbedingt zu spielen braucht). Wenn Friede/Harmonie/Glückseeligkeit ewig, allumfassend, überall und zu jeder Zeit verfügbar ist, wo und nach was soll man denn noch suchen? Man ist ja schon da...

Nicht-Identifikation ist zu einem Schlüsselbegriff geworden. Es gibt nicht mein Gesehenes, mein Gehörtes, mein Gefühltes, mein Gedachtes, mein Erlebtes. Das ist alles nur eine Geschichte, die sich mein Geist zusammenzimmert (und an diesen Körper heftet). In Wahrheit gibt es nur Aktivität, ganz ohne Anstrengung: sehen, hören, riechen, fühlen, tasten, erleben. Das alles geschieht ganz automatisch, ohne dass irgendein Ich etwas dafür tun müsste. Erst ein Ich fängt an zu interpretieren, zu bewerten und Prioriäten zu setzen. Ohne Ich ist alles viel entspannter, denn es ist einfach... wie es ist... ;-)

das Nächste

Unser Denken kreist sehr viel um "das Nächste" um die nächste Erfahrung die wir machen wollen. Egal was wir schon alles erlebt und erreicht haben, es scheint nie genug oder einfach gut zu sein. Schon streben wir wieder vorwärts zum Nächsten. Dabei versuchen wir negative Erfahrungen zu vermeiden und positive Erfahrungen zu wiederholen oder zu steigern. Es ist ein Dilemma, ein Hamsterrad... liegt aber wohl in der Natur des Menschen.

Die nächsten Ferien, der nächste berufliche Erfolg, das nächste Auto, der nächste Kunde, das nächste neue Kleidungsstück... immer vermuten wir das Glück im Nächsten. Wir sind nie ganz zufrieden, nie wirklich erfüllt. Auch deshalb wollen wir möglichst lange leben und nicht sterben, denn es fehlt immer noch Etwas. Wir sind zwar meist sehr nahe dran, aber doch noch nicht ganz am Ziel...

Wir unterliegen einem Missverständnis. Wir wollen Licht ohne Schatten, immer Ferien, nie Hunger, keine Krankheit, nur Freunde und keine Feinde. Obwohl uns klar ist, dass dies nicht möglich ist, streben wir stetig danach. Es hängt wohl auch damit zusammen, dass wir unsere Erfahrungen andauernd bewerten. Richtig und falsch, gut und schlecht, schön und hässlich, gesund und ungesund, etc. pp. "Das Problem" dabei ist, dass es bei genauer Betrachtung keine absolut wahre Bewertung gibt. Was wir heute richtig, wahr und schön finden, kann uns in zehn Jahren langweilen. Wir wissen das und schieben es doch immer bei Seite. Was wir jetzt haben oder erleben kann noch so gut sein, "das Nächste" wird noch besser! Ich muss mich nur noch mehr anstrengen, besser, schneller und cleverer sein.

Das ist alles ziemlich ermüdend...

Weil ich diese Erkenntis schon vor einigen Jahren machte, versuche ich seither Dinge, Ereignisse und Erlebnisse weniger zu bewerten. Natürlich tauchen trotzdem wertende Gedanken auf, doch diese nehme ich nicht mehr so ernst wie früher. Sowohl im Negativen, wie auch im Positiven. Dinge geschehen einfach. Das Leben passiert. Egal, was ich darüber denke.

Ein Effekt dieser Haltung ist, dass eine gewisse Entpersönlichung stattfindet. Dinge passieren nicht mir, sondern sie passieren einfach. Ich fühle mich viel seltener persönlich angegriffen und zu einer Reaktion genötigt als noch vor ein paar Jahren. Ich werde weniger von Ereignissen getrieben und brauche nur noch sehr wenig Zeit um meinen Standpunkt zu verteidigen. Sehr oft habe ich gar keinen Standpunkt mehr... ;-) oder nur noch einen spontanen, der nicht auf sehr viel Hintergrund und Gedanken beruht. Ist auch nicht nötig.

Ich verbringe seither mehr Zeit mit "genauer hinsehen", mit "sich auf Dinge und Geschehnisse einlassen". Ich bin "live dabei" und nehme Anteil. Und weil es im Erleben keine Pause gibt, denke ich weniger über Vergangenes nach (und bewerte weniger). Interessant dabei ist, dass eine gewisse Intimität und Erfurcht entsteht. Es ist immer wieder unglaublich, wie sich Dinge entwickeln, wie viel Harmonie in allem liegt. Wie sich eins zum anderen fügt und wie viel unsichtbare Ordnung allem zu Grunde liegt.

Mittlerweile unterscheide ich zwischen "praktischem Leben" und "Sinnsuche, Philosophie, Religion, Metaphysik, etc.". Für das praktische Leben ist der Geist und das logische Denken perfekt. Hier ist auch der Platz für gut und böse, richtig und falsch. Sobald es aber um die Essenz, den Sinn, das Warum, Woher und Wohin geht, da gebe ich mein kleines Hirn nun am Eingang ab... das können keine Gedanken und Worte beschreiben. Das kann ich nicht verstehen und nur schon zu sagen, dass ich es erfahre ist eine Übertreibung. Ich kann es nur sein... was immer das heissen mag.

Absolut

Die letzten zwei Regentage gaben mir Zeit um wieder einmal tief nachzudenken...

Wenn alles relativ ist, braucht es irgend einen Bezug, wozu es relativ ist. Was ist dieser Bezug? Wir wissen es nicht, haben aber ein Wort dafür: Absolut. Was meinen wir denn mit diesem Wort?

Absolut meint etwas immer Gleichbleibendes. Es bezeichnet "alles in allem", grenzenlos (nicht-Raum), ewig (nicht-Zeit), alles durchdringend, überall, beinhaltet oder umschliesst alle Gegensätze wie leer-voll, schwarz-weiss, hell-dunkel, laut-still, etc., etc...

Dann heisst das auch: Alles Relative befindet sich im Absoluten. Nicht abgetrennt oder als Teil davon. Man könnte auch sagen, das Absolute zeigt sich im Relativen. Zuende gedacht ist alles Relative eine Erscheinungsform des Absoluten. Essentiell nicht davon unterschiedlich. Es erscheint nur so...

Unsere fünf Sinne, die Möglichkeiten unserer Wahrnehmung bewegen sich im relativen, veränderlichen Feld. Unsere Körper, unser Geist ist Teil der relativen, sich stets verändernden Welt. Selbst "die Welt" ist relativ... Es erscheint, als ob die relative Welt auf der absoluten Konstante schwimmt und Wellen wirft.

Mit Worten lässt sich "das Absolute" gar nicht beschreiben. Sprache ist auch nur ein Teil dieses Absoluten und wie sollte das Teil das Ganze beschreiben können? Jede Beschreibung ist ja auch eine Verneinung des Gegensatzes und das Absolute umfasst eben Beides.

Interessant daran finde ich heute, dass ich darüber nicht zum ersten Mal nachdenke und dass ich schon früher dachte, es verstanden zu haben. Aber dem ist nicht so. Oder es ist nur teilweise so. Oder ich habe es nur oberflächlich verstanden und nähere mich nun etwas an. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dies das Ende jedes Individuums. Es gibt keine eigene Persönlichkeit wie wir denken. Es denkt auch keine Welle im Ozean, sie sei eine eigene, individuelle Welle. Es gibt gar nichts Getrenntes. Jede Erfahrung von Getrenntsein ist eine Illusion. Es gibt nur das Absolute, welches sich unendlich manifestiert. Und nicht mal das stimmt... es erscheint in der relativen Welt nur so...

Das Beruhigende an diesen Überlegungen ist, dass ich eben nicht dieser einzelne, kleine, isoliert lebende Mensch bin, sondern: dass ich genauso zur Vollständigkeit im Meer des Absoluten gehöre, wie eine Welle des Ozeans zum ganzen Meer.

Geld...

Am Schluss geht es immer nur ums Geld... ganz egal, wie viel man davon hat.

Geld ist DER zentrale Wert unserer Gesellschaft und der EINZIGE gemeinsame Nenner, den jeder Trottel versteht und der für ALLE gilt (Frau/Mann, jung/alt, weiss/schwarz, etc.). Die Geldmenge wird durch simple und eindeutige Zahlen dargestellt. Da gibt es nichts Schwammiges. Man kann sehr wohl zu wenig Geld haben, doch man hat nie zu viel, denn für Geld gilt: Genug ist nie genug! Geld ist der Steigbügel zu Anerkennung und Macht.

Wir werden schon als Geld-Sklaven geboren. Selbst wenn ich als Selbsternährer auf einer gratis geliehenen Alp leben würde, so schulde ich dem Staat (und der Krankenkasse) Geld. Keinen Zehnten meiner Ernte, kein Gemüse, kein Brennholz, keine Kunst, keine Philosophie, sondern Geld. Wir müssen uns immer verkaufen um unsere Freiheit zu erkaufen (was für ein Irrsinn). Ergo: rennen wir alle dem Geld hinterher. Ein einziger Tanz um das goldene Kalb.

So ist das nun mal. Da gibt es kein Entrinnen! Das eigentlich Perverse an der heutigen Zeit ist, dass es nicht mehr wirklich interessiert, wie jemand zu Geld kommt oder gekommen ist. Ausser offensichtlicher Diebstahl oder Raub ist eigentlich alles erlaubt. Andere übers Ohr hauen, Ausnutzen, Lügen und Betrügen ist ganz normal und spätestens nach dem globalen Justizversagen nach der Finanzkrise 2008 anscheinend auch gesetzlich legitimiert. Es gibt wohl keinen Milliardär auf dieser Welt, der seinen Reichtum ohne Ausbeutung von Natur ohne Menschen erwirtschaftet hat...

Frau Merkel würde sagen: "Es ist alternativlos..."

Traurig ist, dass wir trotz x-tausend Jahren Marktwirtschaft wirklich keine Alternative finden können...

wieder einmal: loslassen

So langsam neigen sich meine "Ferien" dem Ende entgegen. Es war ein interessanter Abschnitt. Ich verbrachte viel Zeit vor dem Computer und habe einiges gelernt. Das war ein schöner Zeitvertreib, denn irgendwie mass man sich, seinen Körper und seinen Geist, ja beschäftigen... Die erzielten Resultate (neue Bike Butler Homepage, Blog-Umzug und -Redesign, Aufbau des Joomla!-Spielplatzes, Reparatur und Wartung der Rikschas) sind in der relativen Welt wichtig und deshalb bin ich froh und dankbar, dass ich dies -für meine Verhältnisse- ansprechend gut hingekriegt habe.

Nun folgt jedoch wieder ein Moment des Loslassens. Des Einsehens, dass dies alles nur Teil des existentiellen Spiels war. Dass diesem Zeitverteib keine absolute Wichtigkeit innewohnte und dass es nur für mein kleines Ego von Bedeutung war. Und da "mein kleines Ego" nur eine fiktive Gedankenkonstruktion ist, ist auch dessen Bewertung "es war gut, sinnvoll, wichtig, richtig, etc. pp." ziemlich irrelevant. Also kann ich davon loslassen... ich kann es gut sein lassen... herschenken...

Das wirklich Wertvolle war, dass ich nichts musste. Ich fühlte mich nicht durch äussere Umstände zu diesen Handlungen gezwungen. Es war ein natürlicher Fluss aus dem Erkennen der Bedürfnisse und dem Erlernen und Einsetzen nötiger Werkzeuge um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Es hatte stets etwas Spielerisches in sich und war nie verbissener Ernst...

Die "wie weiter"-Frage des letzten Blogeintrags lasse ich also unbeantwortet. Ich lasse jetzt los und lasse es fliessen.. ohne willentlich getroffene Entscheidung. Es wird sich von selbst entscheiden. Ich kann es ganz entspannt auf mich zukommen lassen.

Wir müssen uns mehr freuen!

Ist heute nicht ein herrlicher Tag?

Ich habe alle Möglichkeiten, kann tun und lassen was ich will. Heute vor einem Jahr fuhr ich mit dem Velo etwa 80 Kilometer dem Rhein entlang, von Koblenz bis nach Bonn.

Heute sitze ich in Winterstiefeln und dicker Fleece-Jacke auf unserem Gartensitzplatz. Erlebtes Winterklima ist mein Reality-Check zu der Online-Welt, durch die ich mich die letzten Tagen und Wochen bewegte. Es ist windstill, etwa +8° Grad, die Sonne drückt milchig durch die wechselnde Bewölkung. Es ist eigentlich ganz angenehm, auch wenn schon nach 15 Minuten die Finger zu frieren beginnen. Aber so ist das nun mal. Ich kann mit Handschuhen keine Computertastatur bedienen.

Der Titel sagt doch schon alles, oder? WIR MÜSSEN UNS MEHR FREUEN! Das ist ein Imperativ!

Der direkte und kürzeste Weg zu mehr Freude ist: Erkenne, verstehe und bejahe, dass NICHT Du (oder Dein Ich) den Lauf Deines Leben bestimmst! Das macht irgend jemand, oder irgend etwas anderes als Ich. Das liegt ausserhalb menschlicher Erkenntnisfähigkeit, ausserhalb Gedanken und Worte. Ich arme Sau kann und werde dieses Leben nur ganz genau so durchleben, wie es eben passiert. ;-)

Es bleibt aber mir selbst überlassen, wie ich auf etwas reagiere und das alles kommentiere. Denn das zurückgestufte Ich ist nun der unerbittliche Kommentator in der ersten Reihe. Der, der zu allem was passiert sofort eine Meinung hat, der aus Erfahrung weiss, was richtig und falsch, was gut und böse ist. Es sei ihm erlaubt... Aber es sei auch nochmals festgehalten: Ich bin nicht der Kreator, ich bestimme die Handlung nicht, sondern durchlebe sie achtsam und bei Lust und Laune hänge ich ein paar Etiketten in Form von Gedanken und Worten an (eigentlich immer). Mit zunehmender Lebenspraxis erkenne ich aber, dass es diese Etiketten gar nicht braucht.

Und, noch später, kann man über die gesamte Idee vom Körper-Geist-Ich nur noch lachen (oder milde lächeln) weil man irgendwann realisierte, dass es dieses Ich gar nicht gibt und es auch nie existiert hat. Es ist eine geistige Fiktion (Fata Morgana), die sich Menschen ganz automatisch, unfreiwillig und zwansläufig erschaffen. Die Motivation dazu liegt in der Idee, dass dieses dreidimensionale Wesen, in dem das Ich gefangen scheint, glaubt, mit diesem Ich -als erfahrenen Bootsführer- sicherer durch das unbekannte Meer des Lebens zu segeln. Um so, dem unausweichlichen Tod möglichst lange ein Schnippchen zu schlagen.

Überheblich! Mein Ich hat nicht entschieden, wann und wo ich geboren wurde. Ob als Frau oder Mann, weiss oder schwarz, arm oder reich. Alle wichtigen Entscheidung passierten einfach so, ohne ein Ich und ohne meine vorhergehende Zustimmung oder Ablehnung. Genau so wenig weiss Ich, wann meine letzte Stunde schlägt und ich meine letzte Reise antreten werde. Es liegt nicht in meiner Hand - Das ist die Grund-Erkenntnis. - und die ist sehr befreiend...

Darauf baut auf: Gedanken, Gefühle, Empfindungen und Sinneseindrücke sind einfach so da, Oder eben nicht da. Ich kann sie nur aktiv erleben, sie nicht erzeugen, nicht erzwingen und nicht erneut erleben. Wenn ich etwas bevorzuge, daran festhalte, mich damit identifiziere, dann erzeuge ich Widerstand. Weil ich ab jetzt Dieses besser finde, als alles Andere. Ich schränke ein und unterteile. - Ohne jede Not. Je häufiger ich das mache, desto mehr behindere ich den natürliche Fluss des Lebens und muss mich deshalb auch nicht wundern, wenn es immer wieder anders herauskommt, als geplant. (Der Mensch sagte: "Ich mache mir einen Plan..." Gott lachte herzlich!)

Und jetzt, endlich, komme ich auf den eigentlichen Punkt. Wenn alles genau so auf mich zukommt, wie es kommen soll, weil es eben gar nicht andres kommen kann, dann freue ich mich doch ganz einfach schon mal darüber, dass heute Morgen meine Augen wieder aufgegangen sind und ich einen neuen Tag auf dieser Zeitreise erleben darf.

Jeder Tag ist ein neues Leben. Ich kann meinen Geist auf die Dinge lenken, die mich erfreuen. Es gibt keine Pflicht um in der schmerzhaften Vergangenheit zu verweilen. Ich kann mit kindlicher Vorfreude die Zukunft liebevoll erwarten, sie Willkommen heissen, den Moment ganz kurz zärtlich umarmen, bevor er im nächsten Augenblick gleich zur Vergangenheit wird. Ich stehe in der Mitte. Verharre zwischen Zukunft und Vergangenheit, im ewigen Jetzt, ohne einen Zeitbegriff. Und ohne eine Ahnung davon, wer oder was Ich bin.

Uns siehe da: Es gibt so viel Erfreuliches heute: Das gestern gekaufte Baguette (hast Du die Bilder davon sehen?) schmeckte zum Frühstück ganz vorzüglich. Am frühen Morgen zeigte sich ein zartes Morgenrot. Die zwei Katzen im gleichen Haus sind wieder putzig. Im Briefkasten war keine Rechnung. Ich konnte mittags zwei Stunden draussen sitzen. Der Milchkaffe schmeckt jedes Mal vorzüglich. Schön, dass ich so viel Zeit habe um mich mit diesen EDV-Internet-Geschichten zu befassen. Schön, dass ich Zeit habe um diesen Blogeintrag zu schreiben.

Es ist (und war) also ein schöner Tag, mit sehr viel Erfreulichem!

Der Titel ist eigentlich falsch. Man muss sich nicht mehr freuen, ABER MAN KANN!

Sommerzeit

Ein leicht schlechtes Gewissen treibt mich an um wieder einmal einen Blogeintrag zu schreiben. Seit dem Letzten ist ja schon weit über ein Monat vergangen und es ist also wirklich an der Zeit, um das elektronische Gedächtnis zu füttern.

Im Vergleich zum Vorjahr profitieren wir von schon fast beängstigend schönem und heissem Sommerwetter. Schon im Juni gab es viele Tage mit über 30° Grad und auch im Juli ist es vorwiegend schön und heiss. Die Erderwärmung lässt grüssen...

Das tolle Wetter trägt natürlich zu einem guten Rikscha-Geschäft massgeblich bei. Schon deshalb darf ich mich nicht beklagen. Es läuft also recht gut und lässt mich somit das ziemlich schwache Vorjahr etwas vergessen. Die zunehmende Erfahrung relativiert zusätzlich... wie wahr... in jeder Hinsicht...

Seit drei oder vier Jahren beschäftigen mich im Innern vor allem die Themen Loslassen, Nicht-Identifikation, fliessen-lassen, Vertrauen, Wunschlosigkeit, Akzeptanz, Wert-Freiheit und Urteilslosigkeit. Man könnte auch sagen, ich versuche den Moment ganz und gar zu leben, ohne Vorstellungen aus der Vergangenheit und Erwartungen an die Zukunft, einfach da sein, einfach sein. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb hier oft nur sehr spärlich Beiträge erscheinen. Was soll ich anhalten und nacherzählen, wenn schon der nächste, der aktuelle Moment gelebt werden will, wenn man das Erlebte nicht bewerten und auch keine Projektion in die Zukunft anstellen will? Es ist ein Dilemma...

Ich kann nicht anders. Es scheint der Weg zu sein, den ich zu gehen habe. Ob es mir nun gefällt oder nicht. Denn soviel ist klar: auch dieser Weg ist nicht einfach. Vor allem in unserer Leistungsgesellschaft in der Wachstum und Selbstoptimierung zu allgemein gültigen Standards erhoben wurden. Man muss sich doch stets Verbessern, Ziele setzen und anstreben und darf nie zufrieden sein. Über diese Allgemeinplätze bin zwar schon lange hinweg, doch auch im persönlichen Umgang mit mir nahestehenden Menschen ist meine Haltung nicht einfach zu handhaben. Wo will ich in den nächsten Ferien hin? Was wünsche ich mir zu Geburtstag oder Weihnachten? Was ist mir lieber, A oder B? Was will ich mit Bike Butler GmbH erreichen? Was denke ich über X oder Y? Alles Fragen, auf die ich nur noch schwer antworten kann.

So gesehen bin ich auch nicht mehr wirklich ein guter Gesprächspartner. Viel zu indifferent, ohne klare Meinung oder Haltung, der immer alles offen lässt. Es ist so vieles unwichtig geworden und so wenig hat wirklich Wert. Manchmal stört mich das selber, es entsteht dadurch ein interesseloser Eindruck, als ob mir alles am Arsch vorbei ginge. So ist es nicht. Es hat nur an Relevanz verloren. Der Augenblick, der persönliche Kontakt, das gemeinsame Erleben, der aktuelle Moment ist wichtig genug, er braucht nicht durch künstliche Themen aufgewertet zu werden. Ich weiss, das ist schwer nachvollziehbar.

Ich versuche es nun einmal etwas anders zu erklären (oder in einem ähnlichen Kontext, wie ich es hier im Blog schon früher machte, der -zumindest scheinbar- jedoch meiner Denk- und Funktionsweise entspricht).

Worte und Zahlen sind Synonyme. Sie beschreiben das Leben oder Dinge, ohne jedoch lebendig zu sein. Man könnte auch sagen, Worte sind eine künstliche Beschreibung dessen, was wirklich ist, was aber letztendlich unbeschreibbar bleibt. Es sind Annäherungen, aber nicht die Wirklichkeit selbst. Wenn ich z.B. einen Baum sehe, nehme ich einen interagierenden Organismus wahr, eine organische Struktur, die immer im Kontext zu seiner Umwelt steht (in der also der Baum ein Teil von mir ist, oder ich ein Teil des Baums, oder der Baum und ich sind eins). Wenn ich aber Baum, Wurzeln, Stamm, Äste, Blätter, etc. denke, sage oder schreibe, so breche ich diese organische Einheit auf und zerteile sie in fast unendlich viele Teilaspekte, die das Ganze verdrängen. Ich bin dann nicht mehr integrierter Bestandteil dieser Baum-Erfahrung, sondern mutiere zum Subjekt, der alles objektiviert, abtrennt und aufteilt. Jedes Wort bedeutet Abtrennung der Wirklichkeit, verlassen von Einheit und betreten von Vielheit. Nur schon "Baum" zu denken erzeugt Dualität und Trennung.

In meiner gefühlten Wirklichkeit gibt es gar keinen Baum und keinen Beat der einen Baum betrachtet, benennt und beschreibt. Es gibt nur eine einzige Energie/Substanz/Schwingung/Geist/Gottheit, die in unzähligen Formen erscheint und wieder verschwindet. Wie Wellen auf dem Ozean. Ausstülpungen von Geist, reines Spiel, ohne dass sich je etwas ändern würde. Das kann es auch gar nicht, weil ja auch Zeit nur ein gedankliches/menschliches Konstrukt ist. Diese Energie, die jetzt meinen Körper am Leben erhält war schon vor meiner Geburt da und wird auch nach meinem körperlichen Tod weiterbestehen. Was wegfällt ist die Persönlichkeit (die es in Wirklichkeit aber sowieso nicht gibt). Die Einheit träumt Vielheit, träumt Abgrenzung und unterschiedliche Erfahrung. Wenn wir morgens aufwachen betreten wir diesen dreidimensionalen Traum von Vielheit (und Identität) und im traumlosen Tiefschlaf kehren wir zur Einheit zurück. Einheit ohne Erfahrung, denn ohne ein Zweites kann nichts erfahren werden.

Diese Überlegungen führen nun zu oben erwähnter Akzepanz dessen, was ist. Alle Erscheinungen sind Aspekte der gleichen Grundenergie. Variationen, die in unserer menschlich/geistigen Welt von Bedeutung sind, in Wirklichkeit jedoch nicht existieren. Wenn alles eins ist, ist alles untrennbar verbunden, liegt in der Ungleichheit Gleichheit, in der Ungerechtigkeit Gerechtigkeit und im Bösen das Gute. Untrennbar. Jeder, der sich ungerecht behandelt fühlt wäre gerne Diktator und würde dadurch Andere ungerecht behandeln. Zwangsläufig. In jedem von uns steckt ein Hitler und ein Gahndi. alles in allem.

Und wie so oft. Zum Schluss ein paar Bemerkungen:

  • Ich bestreite nicht, dass diese dreidimensionale Welt wirklich ist.
  • Ich bestreite nicht, dass man das Gute wählen und das Schlechte meiden sollte.
  • Denken, Reden, Beschreiben, Argumentieren ist in dieser Welt wichtig (sollte jedoch einen möglichst grossen Praxisbezug beinhalten).
  • Alles wie immer: ohne Gewähr! ;-)

persönliche Kontrolle?

Man muss sich unter Kontrolle haben. Man versucht Situationen zu kontrollieren und ganz allgemein versteht man darunter etwas Positives. Dass man möglichst alle vorhandenen Daten/Erfahrungen zu Rate zieht, abwägt und danach sogenannt fundierte Entscheidungen trifft. So wurde es mir beigebracht, so habe ich es akzeptiert und verinnerlicht. Überspitzt formiliert: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser".

Mittlerweile glaube ich nicht mehr an dieses Konzept.

Natürlich schadet es nicht, zuerst nachzudenken und dann zu handeln. Es ist auch sicher richtig, vorhandene Erfahrungen zu berücksichtigen und deshalb gewisse Fehler nicht zu wiederholen, doch ob sich durch dieses praktische Vorgehen irgendetwas kontrollieren lässt, das glaube ich nicht mehr. Nein, Kontrollausübung im Sinne von Steuerung der Zukunft halte ich mittlerweile sogar für falsch. Falsch deshalb, weil man die möglichen Ergebnisse einschränkt und das Resultat bereits im Voraus bewertet.

Kontrolle ist auch völlig unnatürlich. Ich brauche meine Atmung, meinen Herzschlag, meine Verdauung oder meinen Blutkreislauf nicht zu kontrollieren, damit alles richtig funktioniert. Im Gegenteil. Sobald ich darauf eine gewisse Kontrolle ausübe, beeinträchtige ich die optimale Funktion. Kontrolle ist immer eine Einmischung in den natürlichen Lauf der Dinge. Man steht sich und seiner optimalen Funktion dadurch nur selbst im Weg. Deshalb sage ich heute: "Kontrolle ist praktisch, doch Vertrauen ist besser."

Darauf zu vertrauen, dass man "einfach so" die richtigen Entscheidungen trifft, ist viel entspannter und interessanter als der dauernde Versuch, alles unter Kontrolle zu haben. Dadurch lässt sich viel Zeit und Gedankenmüll einsparen. Man gewinnt Raum/Zeit um die Gegebenheit aktiv zu erleben, ohne auf ein konkretisiertes Ziel hin fixiert zu sein. Man bleibt frei und unvoreingenommen für jede Art des Ergebnisses, weil man nicht schon im Voraus bewertet hat, welches Ergebnis "gut" und welches "schlecht" ist. Krönen kann man das Ganze noch mit der Überzeugung, dass jedes Ergebnis, egal wie es auch ausfallen wird, "gut" und "richtig" ist.

(Das erinnert mich an einen Mitarbeiter in meinem ehemaligen Job in der IT-Branche. Egal was passierte oder welche Management-Entscheidungen auch gefällt wurden, sein Standardspruch war "es kommt schon gut"... Damals erlebte ich das als Gleichgültigheit. Heute erkenne ich darin eine gewisse Weisheit).

Wie auch immer. Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass man sich selbst meist im Weg steht. Wir fühlen uns am besten, wenn wir uns nicht fühlen und nicht über uns nachdenken. Wenn wir einfach nur "sind". Im Fluss des Lebens... ohne immer alles mit geistigen Etiketten zu bekleben... Die Idee, Kontrolle zu haben oder das Leben kontrollieren zu können erscheint mir zunehmend absurd, überheblich und schädlich.

Dazu ein leider tragisches Beispiel: Seit ein paar Jahren nehmen in Europa extremistische Terroranschläge zu. Jedesmal ist die Reaktion die gleiche: Es brauche mehr Kontrolle, mehr Überwachung, mehr Polizei und strengere Gesetze. Alles logische Ideen, die aber überhaupt nicht funktionieren. Wir bauen immer dichtere Grenzen, höhere Mauern und berauben uns damit unserer eigenen Freiheit. Und das alles nur, weil wir uns getrennt fühlen. Wir und die Anderen. Wir sind besser als die Anderen. Uns kann man etwas wegnehmen, deshalb kommen sie zu uns.... es ist so traurig. Kontrolle bedeutet Verlust von Offenheit, Vertrauen, Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, den Verlust des Lebens als freud- und liebevollen Tanz der Energien.

alles nur Konzepte

Es fällt mir immer schwerer, mich zu artikulieren und hier Beiträge zu schreiben von denen ich denke, dass sie einen gewissen "Wert" haben. Worte sind totgeschlagene Gedanken und Gedanken sind abstrakte Objekte, die durch unser Bewusstsein streifen. Nichts kann je so beschrieben werden wie es ist. Es sind alles nur immer Geschichten, Nacherzählungen, Beschreibungen oder eben: Konzepte...

Es geht gar nicht anders.

Deshalb gehen mir Reise-Beiträge recht einfach von der Hand. Ich beschreibe was ich erlebt habe, nacherzähle den Tag und versuche dadurch Aussenstehenden einen Eindruck zu vermitteln. Da folge ich dem Konzept des Reistagebuchs. Es ist in etwa so aufgebaut, dass der Lesende den zeitlichen Ablauf nachvollziehen kann und durch Beschreibung des Gesehenen seine Fantasie angeregt wird. Persönliche Empfindungen und Empfindlichkeiten nuancieren das Ganze und machen daraus mehr als nur eine Auflistung von Zeit und Raum.

Das tägliche, "normale" Leben ist insofern uninteressant, da sich Äusserlichkeiten über längere Zeiträume gleich bleiben und Inneres eben nur sehr schwer (oder überhaupt nicht) beschrieben werden kann. Hinzu kommt eine ganz natürliche Unsicherheit die immer dann entsteht, wenn man ausserhalb des gängigen Rahmens oder der allgemein gültigen Konzepte zu denken beginnt. Man bewegt sich dann auf unbekanntem Terrain und tappt irgendwie hilflos im Dunkeln. Hinzu kommen anerzogene Konditionierungen was sogenannt "normal" ist und was nicht.

Wie auch immer...

Ich akzeptiere, dass ich "immer zu spät" bin. Meine Gedanken, Worte und Sätze beschreiben immer nur etwas, sind aber selbst nie wahr oder real. Wahrheit, Realität, Leben, Energie, Existenz, Bewusstsein, -wie man es auch nennen will-, geschieht einfach. Ohne Sinn und ohne Erklärung. Alles was ich darüber denke oder eben schreibe sind also höchstens Erklärungsversuche.

In letzter Zeit befreie ich mich von Vorstellungen, von Erwartungen, von Ideen, von geistigen Konzepten und betrete dadurch unbekanntes Land. Nach langem Suchen konnte ich kein "ich" finden. Das was ich dachte was ich bin, das gibt es gar nicht. Ich habe es nur gedacht. Zusammengebastelt aus Vorstellungen/Ideen/Erinnerungen/Erfahrungen und in Bezug gesetzt zu meiner Mitwelt und zu Anderen. Aber dieses "ich" entpuppt sich als ein reines Gedanken-Konzept. Um menschlich zu funktionieren braucht es das nicht - also weg damit!

Ein freier Wille? Wenn ich mich ganz ehrlich frage, wie viele wichtige Entscheidungen ich willentlich fällte und wie oft äussere oder innere Umstände eine Entscheidung trafen (ohne meine Meinung), dann sieht es ziemlich düster aus für den freien Willen. Natürlich rechtfertigt mein Geist (im Nachhinein) unzählige Entscheidungen und suggeriert mir damit, dass ich mich ganz bewusst und frei für oder gegen etwas entschieden habe, doch ehrlicherweise muss ich gestehen: ich bin immer zu spät! Es wurde schon entschieden, bevor dieses imaginäre "ich" alles abgewägt hat und eine Entscheidung getroffen hat. "ich" rechtfertigt sich nur noch, weil es sich ja für so wichtig hält... Das heisst nun absolut nicht, dass man sich keine Gedanken machen sollte und dass man sich nicht für praktische Dinge entscheiden kann oder soll. Es heisst nur, dass man sich bei sogenannt wichtigen Entscheidungen besser auf seinen Bauch verlässt (oder sein Herz) als auf seinen Verstand.

Raum und Zeit? Wie schon geschrieben... existieren nur relativ, in unserer Sinneswelt, die nur in Dualität erfahren werden kann. In Wirklichkeit gibt es beides nicht. Weder noch! Es sind beides menschliche Konzepte, die von der Wissenschaft nicht bewiesen werden können...

Und so stehe ich nun also mit leeren Händen da. Alles woran ich geglaubt habe, erscheint als Illusion. Mir wurden Dinge beigebracht, die absolut nicht stimmen... und ich habe sie geglaubt... nichts ist so, wie es scheint... es ist auch kein grosser Trost, dass (fast) alle an diese Konzepte glauben. Sie bleiben falsch...

Es sind also alle stützenden Ideen/Konzepte weggefallen. Es bleibt nur noch die Gewissheit, dass ich bin. Ich habe keine Ahnung was ich bin sondern nur, dass ich bin.

Natürlich ringe ich nach neuen Konzepten und Gewissheiten. Mein Geist kann nicht anders, er versucht ständig zu konzeptionieren, zu rationalisieren und zu verstehen. Aber hier läuft er gegen eine unsichtbare Wand, denn das ist unverstehbar und unerklärbar! Jedes Konzept würde auch nur wieder aus Gedanken und Worten bestehen und wäre deshalb auch wieder tot und falsch. "Ich bin" ist vor allen Gedanken, vor der Sprache, das Einzige, was ist.

Es ist (zumindest gegenwärtig) nicht sehr angenehm ohne Standpunkt/Zentrum/Fundament zu leben. Es ist so Vieles weggefallen, dass ich schon fast Phantomschmerzen verspüre. Doch: Wer spürt den Schmerz, wenn da kein "ich" ist? Fragen über Fragen... Und trotz dieser Unsicherheit fühle ich mich nicht verloren. Ich bin nicht allein sondern eher ALL-EIN. Überall ist dieses Leben, diese Energie, dieses Bewusstsein. Überall ist Existenz. Eben genau dieses "Etwas", welches sich nicht beschreiben lässt.

Und wie im letzten Beitrag kurz beschrieben, so brauchen fundamentale Veränderungen halt auch Zeit, bis man sie leben kann. Immer wieder falle ich in alte Muster und Konzepte zurück. Doch ich erkenne das immer öfter und das ist doch schon auch ein Zeichen dafür, dass sich etwas ändert...