April

Dieser Monat geht als der zweitwärmste April seit Anbeginn der Messungen in die Geschichte ein. Es war um fast 4° Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt und es fielen nur etwa 20% Prozent der üblichen Regenmenge. Hat man die globale Klimaerwärmung im Hinterkopf, stimmen einem diese Werte nachdenklich...

Aus Sicht des Rikschafahrers war dies jedoch der fast perfekte April. An 24 von 30 Tagen war ich mit der Rikscha unterwegs und konnte somit auch wirtschaftlich ein gutes Resultat erzielen. Dadurch lässt sich der kalte und regnerische März etwas korrigieren.

Frühlingstage

Schon seit zwei Wochen haben wir hier prächtiges Frühlingswetter. Schön, sonnig und auch schon bis zu 27° Grad warm. So bin ich derzeit natürlich viel auf der Rikscha unterwegs und die Zeit (und Lust) um Blogbeiträge zu schreiben war eher gering..

Die Saison ist mit einem kalten und regnerischen März ja eher schlecht gestartet und deshalb bin ich natürlich froh und dankbar, dass es nun aufwärts geht.

Das ist nun mein siebter Frühling als Rikschafahrer... Mittlerweile weiss ich, wie es läuft. Ich kenne den harzigen Start, die Motivationsprobleme wenn Gäste ausbleiben, die Schwierigkeiten um Werbepartner zu finden und den dauernden Kampf ums finanzielle Überleben. Dem anfänglichen Hoffen, dass es von Jahr zu Jahr besser wird folgte die Ernüchterung, dass es immer gleich schwierig bleibt. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter auch die körperliche Belastbarkeit nicht besser wird und ich mehr Erholung brauche. Irgendwie ist es das erste Mal in meinem Leben, wo ich wirklich klar spüre, dass ich alt werde...

Leider ist mein Geschäftspartner keine Hilfe. Er hangelt sich seit Jahren von Lebenskrise zu Lebenskrise und sein Beitrag an der Geschäftsentwicklung ist deshalb gleich Null. Alles bleibt immer an mir hängen und auf Dauer ist das natürlich auch nicht befriedigend. All dies führt dann natürlich dazu, dass ich mir überlege, wie es in Zukunft weiter gehen soll. Bis zu meiner Pensionierung stehen noch über 10 Berufsjahre an und ich weiss nicht (oder ich bezweifle), ob ich das noch so lange durchziehen kann.

Ich stehe nicht unter Druck. Der schönste und erfolgreichste Teil jeder Rikschasaison liegt jetzt vor mir, also muss ich nicht schnell entscheiden. Bis im Herbst möchte ich jedoch herausfinden, wie ich die nächsten Jahre sehe. Dann ist der Zeitpunkt gut um die Weichen zu stellen. Mal sehen, wohin die Reise führt...

Seniorenausflug

Mein Schwiegervater wird in diesem Frühling 90 jährig. Als kleines Geschenk offerierte ich ihm einen Rikscha-Ausflug durch die Zürcher Innenstadt. Er ist (klarerweise) nicht mehr gut zu Fuss und somit ist sein normaler Aktionsradius ziemlich eingeschränkt. Er konnte somit wieder einmal Teile der Stadt sehen, die nicht in seiner unmittelbaren Wohngegend liegen.

Interessant ist, dass Senioren zu Beginn oft zögerlich und zurückhaltend (um nicht zu sagen ablehnend) der Sache gegenüber stehen. Im Laufe der Fahrt tauen sie nach und nach auf und zum Schluss der Fahrt sind sie sehr zufrieden (um nicht zu sagen glücklich). Die Rikscha hat einfach ein gutes Tempo. Sie können sitzen und schauen. Es geht nicht so schnell, dass sie überfordert werden. Meine Routenwahl ist meist weg vom Strassenverkehr und so kommt auch keine Angst auf.

Er war ziemlich gesprächig, hat natürlich viel von "früher" erzählt und war ganz gerührt, als wir zufällig an dem Haus vorbeigefahren sind, wo er vor über 70 Jahren seine Berufsausbildung machte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das war kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1946. Unglaublich...

Ganz generell mag ich solche Seniorenausflüge sehr. Das ist einfach eine dankbare Sache. Man kann die aufkommende Freude richtiggehend spüren. Das Problem an der Sache ist halt einfach, dass sich sehr viele alte Menschen eine solche Ausfahrt nicht leisten können. Klar, meinen Schwiegervater bin ich gratis gefahren. Doch rein geschäftlich müsste ich doch mindestens 60 Franken pro Stunde verdienen können. Bei zwei Stunden (wie heute) wären das dann 120 Franken. Das ist für viele doch sehr viel Geld... zu viel für einen Ausflug...

Frühling

Das angenehm schöne und sonnige Wetter der letzten Woche hat unseren Vorgarten zum blühen gebracht. Die Osterglocken und Hyazinthen blühen prächtig.

Der Magnolienbaum beginnt gerade zu blühen...

und die ersten Tulpen öffnen sich.

Urban Bike Festival

Gestern waren wir mit zwei Rikschas am City-Ride des Urban Bike Festivals engagiert. Das war nun schon das dritte oder vierte Jahr, an dem wir Fotografen und Videofilmer an der Massen-Stadtfahrt begleiteten. Das Wetter war (wie immer) prächtig!

Natürlich habe ich während der Fahrt nicht wirklich viel Zeit um Fotos zu schiessen. Am Ziel habe ich jedoch noch etwas Fahrräder angeguckt und bewunderte unter anderem die sehr schönen Holz-Rahmen, die nun wieder gebaut werden. Über Sinn und Zweck will ich gar nicht lange diskutieren. Die Verarbeitungsqualität ist einfach beeindruckend. Es ist auch irgendwie eine Homage an die Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren. Die ersten Lauf- und Fahrräder waren ja ebenfalls aus Holz gefertigt. Hier zwei schöne Exemplare von Holz isch heimelig!:

einfach ist schwierig

Ich mag dieses schlichte und auf das Nötigste reduzierte Bog-Design sehr. Aber... ich habe irgendwie auch Mühe damit. Schon öfters dachte ich darüber nach, wie ich es aufpeppen kann. Vielleicht mit einer Grafik in der Kopfzeile. Oder mit einer horizontalen Linie zwischen den einzelnen Beiträgen. Oder mit verschiedenen Schriften für Titel und Beitragstext. Oder...

Das ist ein interessantes Phänomen. Man wünscht sich das Einfache. Doch kaum ist etwas einfach und minimalistisch, dann neigt man dazu, die Sache wieder zu verkomplizieren. Der freie Raum verunsichert und dadurch entsteht eine innere Spannung. Dann denkt man, dass man etwas hinzuzufügen braucht. Man will zwar Freiheit doch kaum ist sie da, wünscht man sich wieder Struktur. Wirklich interessant...

OBike und so...

Seit etwas über einem Jahr gibt es in Zürich den OBike-Veloverleih aus Singapur. Der öffentliche Raum wurde geflutet mit 2'000 dieser hässlich gelben Fahrräder. Seit Beginn dieses Jahres gibt es ein Vergleichsangebot. Diesmal heissen Sie Lime-Bike und sind grün (aber genauso hässlich). Ich stehe dem Ganzen ziemlich ambivalent gegenüber. Einerseits finde ich es begrüssenswert wenn mehr Velo gefahren wird und zudem musste ich schmunzeln, mit welcher Kaltschnäuzigkeit dieser Veloverleih eingeführt wurde. Ohne Bewilligung, ohne Bikestationen, ohne Absprache mit Behörden oder Polizei. Einfach so. Dabei gibt es in Zürich schon seit Jahren den Plan, dass man ein Velo-Verleihsystem anbieten will, doch die Politik machte alles furchtbar kompliziert und so zog sich das Projekt über Jahre hin, ohne dass irgendetwas Nützliches geschah. Und PENG! Plötzlich waren diese OBikes da.

Als ich im letzten Jahr einmal mit einer Rikscha nach Winterthur zu einer Hochzeit fuhr, ist mir der OBike-Sammelpark das erste Mal aufgefallen und auf der heutigen Velorunde habe ich dann ein paar Fotos gemacht. Ich weiss nicht wie viele Fahrräder rund um den Schuppen gestapelt werden, doch es sind bestimmt mehr als 1'000 Stück. Viele davon rosten schon oder sind bereits beschädigt. Welche Ressourcenverschwendung!

Zuhause habe ich dann die Fotos auf den PC geladen und noch etwas gegoogelt. Dabei bin ich auf die nachfolgenden Bilder aus China gestossen. So sieht es dann also aus, wenn ein paar Millionen Menschen mit diesen Verleihbikes gesegnet werden...

Da kann man dann schon mal über Sinn und Unsinn dieser Veloverleihsysteme nachdenken. Oder darüber, worum es denn in Tat und Wahrheit wirklich geht? Lässt sich so mit einem Veloverleih wirklich Geld verdienen? Oder sind diese Firmen Händler von Kundendaten? Das Verleihsystem funktioniert ja vollelektronisch, über Internet und Mobile-App. Man muss sich registrieren und bezahlt via Mobile-Abo oder Kreditkarte. Man kommt also gar nicht umhin um Daten preis zu geben. Ich weiss ehrlich nicht, wie das wahre Geschäftsmodell dieser Firmen aussieht. Wenn man kurz recherchiert erfährt man auch, dass bis anhin gar kein Geld verdient wird, sondern einfach mal zig Millionen in den Geschäftsaufbau investiert werden, die dann irgendwann zurückfliessen sollen. Etwas dubios...

Nachdenklich stimmt mich dieser extreme Einsatz von Ressourcen aber schon. Wenn ein einzelnes dieser Velos bis zu seiner Verschrottung nur ein paar wenige Kilometer fährt, dann ist die ganze Ökobilanz zur Sau. In der Schweiz sollen dieses Jahr sogar neue Räder eingesetzt werden (die eine 3-Gang-Schaltung haben. Die aktuellen haben ja nur einen Gang). Was geschieht denn mit den oben gezeigten Fahrrädern? All die Energie, die für die Produktion, den Transport und die Verschrottung aufgewendet wird... unglaublich... mal ganz abgesehen vom Rohstoffverbrauch...

Hinzu kommt die optische Verschandelung von Stadtzentren. All die wild abgestellten und oftmals defekten Leihräder sind kein schöner Anblick. Hier wird der öffentliche Raum, den andere aufgebaut und bezahlt haben, ganz einfach für die eigenen Zwecke gebraucht (oder missbraucht). Ohne jegliche Rücksicht oder Verantwortungsbewusstsein.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie es diesbezüglich weitergeht. Vermutlich werde ich wieder einmal darüber bloggen.

Grobmotoriker

Mit dem Training des Zehnfingersystems werden meine bescheidenen motorischen Fähigkeiten schonungslos aufgedeckt. Obwohl grundsätzlich ein Bewegungsmensch, bin ich ziemlich grob gestrickt. Meine früheren Yoga-Aktivitäten zeigten, dass ich sehr ungelenk und wenig elastisch bin. Vor etwa 20 Jahren versuchten meine Frau und ich Klavier zu spielen und besuchten zu diesem Zweck etwa ein Jahr lang Klavierstunden. Auch da hatte ich schon das Problem, dass es mir grosse Mühe bereitet, einzelne Finger, unabhänging von den danebenliegenden Fingern, zu bewegen.

Daumen und Zeigfinger sind nicht das Problem. Die braucht man ja immer um etwas zu greifen und zu halten. Mittelfinger geht auch noch so einigermassen. Ganz schlimm ist die gezielte Bewegung des Ringfingers. Da zieht es oft den Mitterfinger mit, oder der kleine Finger zuckt. Es scheint, als sei ich nervlich nicht richtig verdrahtet oder zumindest eingerostet. Es braucht Anstrengung und Zeit, bis die Verbindung von Hirn zu Finger wieder flüssiger läuft. Da hilft wohl nur Übung.

mehr Finger auf die Tastatur!

Ich kann es nicht. Ich konnte es nie. Ich habe es nie gelernt. Das Zehnfingersystem.

Das habe ich schon immer an meiner Frau bewundert. Sie kann am PC sitzen und so schnell schreiben, wie ich höchstens denken kann. Ihre Finger fliegen flink über die Tastatur und ihr Blick bleibt ruhig auf dem Bildschirm. Das ist Maschinenschreiben in Perfektion!

Ganz anders bei mir. Ich tippe mit drei, vier, vielleicht einmal mit 5 Fingern. Dabei blicke ich meist auf die Tastatur um die gesuchten Tasten zu finden und zu treffen. Natürlich funktioniert das auch und überraschenderweise gar nicht mal so langsam. Ich habe mir mein eigenes System nun ja auch schon über 20 Jahre lang antrainiert. Es ist aber schlicht und ergreifend ineffizient. Auch das abwechseld auf die Tastatur oder den Monitor schauen ist doof.

Da ich wegen des schlechten Wetter ja derzeit oft zuhause bin und in Zukunft vermehrt etwas schreiben will, kann ich die Zeit auch nutzen um mich mal an das Zehnfingersystem zu wagen. Kurz gegoogelt und dann gleich für einen kostenlosen Onlinekurs registriert (diesbezüglich ist das Internet einfach super!).

Ich gebe es ganz offen zu: Über die ersten Fingerübungen bin ich noch nicht hinausgekommen. Es fällt mir schon schwer, die Finger auf die richtigen Tasten zu legen ohne gleich zu verkrampfen (vielleicht wäre dafür eine externe Standardtastatur besser als die etwas kleinere und flachere Laptop-Tastatur). Es wird vermutlich nicht ganz einfach werden um ein über Jahre antrainiertes Fehlverhalten zu korrigieren. Dazu werde ich wohl einige Zeit und vor allem viel Übung investieren müssen. Vorgeschlagen wird ein- bis zweimal täglich je 15-30 Minuten. Das sollte machbar sein.

Als Schlussbemerkung vielleicht noch: Ich habe Jahrzehnte in Büros und vor Computern verbracht und dabei festgestellt, dass die grosse Mehrheit meiner Berufskollegen genauso mit einem eigenen Wenigfingersystem arbeiteten. Nur ein paar Wenige konnten blind schreiben. Irgendwie erstaunlich. Und auch wieder nicht, denn eigentlich kamen alle aus technischen Berufen, ohne kaufmässische Grundausbildung. Und ein korrektes Zehnfingesystem erlernen wohl die meisten Menschen da.

O.K. Ich nehme mir vor, dass ich bis Ende Jahr in der Lage bin, mit geschlossenen Augen einen Blogeintrag zu schreiben. Bin gespannt, ob ich das schaffe!

nochmal Winter

Seit gestern Sonntag erleben wir hier noch einmal einen Wintereinbruch mit Kälte und ein paar Schneeflocken.

So wird das nicht viel mit einem erfolgreichen Rikschasaisonstart. Tja. C'est la vie! Werde die nächsten Tage wohl eher zuhause bleiben und noch etwas Grammatik und Schreibtechnik üben.