Seniorenausflug

Mein Schwiegervater wird in diesem Frühling 90 jährig. Als kleines Geschenk offerierte ich ihm einen Rikscha-Ausflug durch die Zürcher Innenstadt. Er ist (klarerweise) nicht mehr gut zu Fuss und somit ist sein normaler Aktionsradius ziemlich eingeschränkt. Er konnte somit wieder einmal Teile der Stadt sehen, die nicht in seiner unmittelbaren Wohngegend liegen.

Interessant ist, dass Senioren zu Beginn oft zögerlich und zurückhaltend (um nicht zu sagen ablehnend) der Sache gegenüber stehen. Im Laufe der Fahrt tauen sie nach und nach auf und zum Schluss der Fahrt sind sie sehr zufrieden (um nicht zu sagen glücklich). Die Rikscha hat einfach ein gutes Tempo. Sie können sitzen und schauen. Es geht nicht so schnell, dass sie überfordert werden. Meine Routenwahl ist meist weg vom Strassenverkehr und so kommt auch keine Angst auf.

Er war ziemlich gesprächig, hat natürlich viel von "früher" erzählt und war ganz gerührt, als wir zufällig an dem Haus vorbeigefahren sind, wo er vor über 70 Jahren seine Berufsausbildung machte. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das war kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1946. Unglaublich...

Ganz generell mag ich solche Seniorenausflüge sehr. Das ist einfach eine dankbare Sache. Man kann die aufkommende Freude richtiggehend spüren. Das Problem an der Sache ist halt einfach, dass sich sehr viele alte Menschen eine solche Ausfahrt nicht leisten können. Klar, meinen Schwiegervater bin ich gratis gefahren. Doch rein geschäftlich müsste ich doch mindestens 60 Franken pro Stunde verdienen können. Bei zwei Stunden (wie heute) wären das dann 120 Franken. Das ist für viele doch sehr viel Geld... zu viel für einen Ausflug...

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