OBike und so...

Seit etwas über einem Jahr gibt es in Zürich den OBike-Veloverleih aus Singapur. Der öffentliche Raum wurde geflutet mit 2'000 dieser hässlich gelben Fahrräder. Seit Beginn dieses Jahres gibt es ein Vergleichsangebot. Diesmal heissen Sie Lime-Bike und sind grün (aber genauso hässlich). Ich stehe dem Ganzen ziemlich ambivalent gegenüber. Einerseits finde ich es begrüssenswert wenn mehr Velo gefahren wird und zudem musste ich schmunzeln, mit welcher Kaltschnäuzigkeit dieser Veloverleih eingeführt wurde. Ohne Bewilligung, ohne Bikestationen, ohne Absprache mit Behörden oder Polizei. Einfach so. Dabei gibt es in Zürich schon seit Jahren den Plan, dass man ein Velo-Verleihsystem anbieten will, doch die Politik machte alles furchtbar kompliziert und so zog sich das Projekt über Jahre hin, ohne dass irgendetwas Nützliches geschah. Und PENG! Plötzlich waren diese OBikes da.

Als ich im letzten Jahr einmal mit einer Rikscha nach Winterthur zu einer Hochzeit fuhr, ist mir der OBike-Sammelpark das erste Mal aufgefallen und auf der heutigen Velorunde habe ich dann ein paar Fotos gemacht. Ich weiss nicht wie viele Fahrräder rund um den Schuppen gestapelt werden, doch es sind bestimmt mehr als 1'000 Stück. Viele davon rosten schon oder sind bereits beschädigt. Welche Ressourcenverschwendung!

Zuhause habe ich dann die Fotos auf den PC geladen und noch etwas gegoogelt. Dabei bin ich auf die nachfolgenden Bilder aus China gestossen. So sieht es dann also aus, wenn ein paar Millionen Menschen mit diesen Verleihbikes gesegnet werden...

Da kann man dann schon mal über Sinn und Unsinn dieser Veloverleihsysteme nachdenken. Oder darüber, worum es denn in Tat und Wahrheit wirklich geht? Lässt sich so mit einem Veloverleih wirklich Geld verdienen? Oder sind diese Firmen Händler von Kundendaten? Das Verleihsystem funktioniert ja vollelektronisch, über Internet und Mobile-App. Man muss sich registrieren und bezahlt via Mobile-Abo oder Kreditkarte. Man kommt also gar nicht umhin um Daten preis zu geben. Ich weiss ehrlich nicht, wie das wahre Geschäftsmodell dieser Firmen aussieht. Wenn man kurz recherchiert erfährt man auch, dass bis anhin gar kein Geld verdient wird, sondern einfach mal zig Millionen in den Geschäftsaufbau investiert werden, die dann irgendwann zurückfliessen sollen. Etwas dubios...

Nachdenklich stimmt mich dieser extreme Einsatz von Ressourcen aber schon. Wenn ein einzelnes dieser Velos bis zu seiner Verschrottung nur ein paar wenige Kilometer fährt, dann ist die ganze Ökobilanz zur Sau. In der Schweiz sollen dieses Jahr sogar neue Räder eingesetzt werden (die eine 3-Gang-Schaltung haben. Die aktuellen haben ja nur einen Gang). Was geschieht denn mit den oben gezeigten Fahrrädern? All die Energie, die für die Produktion, den Transport und die Verschrottung aufgewendet wird... unglaublich... mal ganz abgesehen vom Rohstoffverbrauch...

Hinzu kommt die optische Verschandelung von Stadtzentren. All die wild abgestellten und oftmals defekten Leihräder sind kein schöner Anblick. Hier wird der öffentliche Raum, den andere aufgebaut und bezahlt haben, ganz einfach für die eigenen Zwecke gebraucht (oder missbraucht). Ohne jegliche Rücksicht oder Verantwortungsbewusstsein.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie es diesbezüglich weitergeht. Vermutlich werde ich wieder einmal darüber bloggen.

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