Tag 2 - windchillig

Der Morgen begann etwas kurios. Ich war eigentlich recht früh dran und hätte vor neun Uhr losfahren können, doch als ich das Netbook runterfahren und einpacken wollte sagte dies: „Es werden 1 von 45 Updates installiert. Schalten Sie den PC nicht aus.“ Bei diesem Asbach-uralt-Gerät dauerte das dann locker 45 Minuten. Grummel… Immerhin hatte ich dadurch Zeit um mein eingefrorenes Rad etwas vom Eis zu befreien und dafür zu sorgen, dass die Schaltung wieder einwandfrei funktioniert. Trotzdem wäre ich gerne früher als erst um 09:30 Uhr losgefahren.

Nach Basel war es nur noch etwa zehn Kilometer. Locker, flach, ideal zum Einrollen und warm werden. Das Wetter zeigte sich heute von der prächtigen Seite. Ein paar Wolken, doch vorwiegend sonnig und mit blauem Himmel… einfach kalt, aber schön. Durch Basel gondelte ich etwas gemütlich und machte ein paar Fotos. Auf einen Kaffeehalt verzichtete ich, weil ich nur knapp 10 SFr. bei mir habe und sonst nur Euros. Aber kaum nach der Grenze erspähte ich dann auch gleich eine Bäckerei mit Tisch und Stühlen in der Sonne. Perfekt! Ein Milchkaffe und eine Haselnussschnecke gab‘s für unter fünf Euro, auch o.k.

Gestern haderte ich etwas mit den Handschuhen. Mit den dünnen begann ich zu frieren und in den Snowboardhandschuhen begann ich rasch zu schwitzen. Also stoppte ich in Lörrach kurz bei einem Radgeschäft und kaufte mir so etwas dazwischen. Dachte ich jedenfalls. Während des Tages zeigte sich dann aber, dass ich auch in diesen Fingerhandschuhen recht bald schwitze. Das Problem dabei ist, dass man dann die Handschuhe nur noch schwer ausziehen kann, weil das Futter an den Fingern klebt. Noch ekliger ist es aber danach wieder die kalt-nassen Handschuhe anzuziehen. Teilweise geht das fast nicht, weil das Futter auch sofort wieder an den Fingern klebt und man fast nicht mehr reinkommt. Das macht kurze Fotostopps zum Ärgernis. Schwierig ist auch, die Handschuhe über Nacht wieder trocken zu kriegen (weil ja die Feuchtigkeit innen ist). Da habe ich also trotz 50 Euro Ausgaben noch nicht die perfekte Lösung gefunden.

Im Vorfeld haben mir deutsche Internetforum-Teilnehmer davon abgeraten alles dem Rhein entlang zu fahren, weil dies vor allem zwischen Basel und Karlsruhe doch ziemlich öd und langweilig sei. Da kamen einige gute und brauchbare Vorschläge und so plante ich die Strecke entlang der Westflanke des Schwarzwalds, durch das Marktgräfler Wein- und Obstanbaugebiet. Statt flach sollte es also hügelig werden. Und: Wahrhaftig! Schon kurz nach Lörrach stieg es zwar nur kurz aber doch recht knackig an und von da weg war es dann bis nach Freiburg nix mehr mit flach und gemütlich…

Und nun kommen wir zum Hauptthema des Tages. Windchill. Den ganzen Tag wehte ein ziemlich kräftiger Nordwind (Bise) und da ich in Richtung Norden fuhr, blies mir der Wind meist frontal entgegen. Bei Aussentemperaturen um -3° Grad ergibt das rasch gefühlte -7 oder 8° Grad. Doch das störte mich weniger, wie die Bremswirkung. Mit soviel Taschen am Rad bietet man ganz schön Angriffsfläche und bei diesem permanente Gegenwind merkt man das ganz gewaltig. So werden auch recht harmlose Anstiege zu Rampen und das kleine Kettenblatt kam deshalb heute recht häufig zum Einsatz. Es war nicht nur kalt, sondern auch richtig anstrengend! Dazu kommen natürlich auch noch Schneeverwehungen, die man einerseits auf der Strasse antrifft oder die einem den Schnee wie feiner, kalter Puder ins Gesicht bläst. Es gibt wahrlich Schöneres. Alles in allem habe ich den heutigen Tag etwas unterschätzt. Bis ich vor dem Hotel anhielt, summierten sich doch 95 Kilometer und etwas über 1‘000 Höhenmeter. Und nicht 1‘000 Höhenmeter in einem Stück sondern etwa 20x 50 Höhenmeter – hüglig halt. Immerhin konnte ich bis auf etwa 20 Kilometer meist auf trockenen Strassen fahren. Doch diese 20 Kilometer setzten sich auch in immer wiederkehrende, meist vereiste und festgefahrenen Stellen zusammen. Teils sehr, sehr rutschig, da war viel Vorsicht geboten. Trotzdem: Es war ein Bilderbuch-Wintertag! Den ganzen Tag sonnig und in einer durchaus interessanten Umgebung.

Noch eine lustige Geschichte zum Schluss: Heute morgen wollte ich –wie gestern geschrieben- zusätzlich zu den langen Unterhosen noch Knielinge anziehen. Als ich diese dann hervorkramte zeigte sich, dass ich statt Knielinge Armlinge eingepackt habe. ;-). Was soll’s. Meine Frau sagt ja, dass ich Spinnenbeine habe und da sollten doch auch Armlinge über die Beine passen, oder nicht? Gesagt, getan. Es fühlte sich zwar an wie Kompressionsstrümpfe, doch es ging. So bin ich dann den ganzen Tag gefahren. Trotzdem werde ich das morgen nicht mehr tun, denn mit der Zeit begannen die Armlinge in den Kniekehlen zu scheuern (sind halt anatomisch nicht für die Beine/Knie geformt). Morgen fahre ich also wieder ohne und sollte ich kalte Knie kriegen, mache ich wieder einen Halt bei einem Fahrradgeschäft. (Vielleicht kaufe ich mir dann auch noch ein weiteres Paar Handschuhe). ;-)

Hier noch der aufgezeichnete Track der heutigen Strecke. Das Fotoalbum habe ich auch nachgeführt.

Kommentare

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Spoony am :

Lieber Beat Was für ein tolles Abenteuer. Hab den Anfang verpasst, werde nun aber täglich mitlesen und mitfiebern. Häb der Sorg! Zu den Handschuhen: Ich trage im Winter gerne feine Merinohandschuhe unter den eigentlichen Handschuhen. Könnte evtl dein Problem etwas verringern. In diesem Sinne - Viel Glück und tolle Erlebnisse! ...und hoffentlich findest Du Zeit und Kraft um täglich so interessant zu schreiben. Spoony
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