Tag 16 - flaches Münsterland


Der Regen war gestern. Den ganzen Tag. Heutemorgen war es trocken und es sollte auch den ganzen Tag über trocken bleiben. Mit Hochnebel und wolkenverhangen. Ein klassischer Wintertag mit Temperaturen knapp über Null Grad. Kein Wind. Soweit ein idealer Radtag. Es machte auch schon richtig Spass, am Morgen die frisch gewaschenen und wohlriechenden Kleider anzuziehen.

Zuerst besuchte ich zwei Film-Standorte. Zuerst das Antiquariat, welches als Ausgangspunkt der Krimiserie «Wilsberg» dient und danach das pathologische Institut in dem Herr Prof. Dr. Böerne im «Tatort Münster» ein und ausgeht. Dann folgten viele flache Velokilometer. Meist war der Fahrbelag asphaltiert, leicht holprig, aber gut und zügig zu fahren. Zwischendurch gab es Sahnestückchen mit feinstem Belag, doch über viele Kilometer führte die Strecke auch auf Naturstrassen und über unbefestigte Wege. Und einen Tag nach dem grossen Regen war es deshalb oft nass, tief, schlammig und schwer zu fahren. Man fährt in der Fläche und muss doch kämpfen.

Heute machte ich viele Bilder von Bäumen oder Baumgruppen. Die vielen Laubbäume hier sind im Moment völlig blattlos. Man sieht jeden Ast, bis in die feinsten Spitzen. Die Bäume erscheinen mir wie Hände die aus der Erde greifen um möglichst viel Sonne und Luft zu erhaschen. Wälder, wie ich sie von zuhause kenne, gibt es hier nicht. In flachem Land ist fast alles Nutzfläche. Als Windschutz werden Bäume und Sträucher entlang von Strassen gepflanzt oder grenzen Felder voneinander ab. Es hat schon viele Bäume, doch wenig zusammenhängende Waldfläche. Es gibt hier auch viele Eichenbäume, herrliche Gebilde, voller Kraft. Oder Birken, die freistehend sehr gross bauen. Dann erfreute ich mich aber natürlich auch an den herrschaftlichen Häusern und Burgen, die ich heute wieder zu sehen bekam. Da waren echte Kunstwerke dabei.

Es war ein gelungener Tag, auch wenn ich oft ziemlich orientierungslos dahinradelte. Der Himmel war überall gleichmässig grau und so wusste man kaum, in welche Richtung man fuhr. Und es war flach. Sehr flach, wobei es natürlich auch da Nuancen gibt, von flach-leicht berghoch über arschflach bis zu flach-leicht bergrunter. Man fährt den ganzen Tag in den selben drei Gängen, fast immer im gleichen Tret- und Pulsbereich. Es geht fast wie von selbst. Man ist mehr dabei, als dass man aktiv etwas täte.

Das Hotel hier ist eher «na ja». Es müffelt nach 70er Jahre und das Internet funktioniert nicht wirklich. Da muss ich nachher zur Pizzeria auf der anderen Strassenseite, die haben freies WLAN. Morgen treffe ich jemanden, den ich bisher nur Online kenne. Wir treffen uns am Nachmittag und er lädt mich dann über Nacht bei sich zuhause ein. Das ist sehr nett. Ich weiss nicht ob ich da Internet habe, doch eher nicht und wenn doch, so möchte ich morgen Abend lieber mit Menschen einen netten Abend verbringen, als wieder vor dem Computer zu sitzen. Es kann also gut sein, dass der nächste Blogeintrag erst in zwei Tagen kommt.

Ich hoffe, Euch gefallen die Bilder. Und noch der Link auf die heutigen Tourdaten (86km, 317Hm).

Tag 14 - nach Münster

Als ich die Radtaschen nach draussen brachte stellte ich fest, dass es ganz leicht regnet. Das hat mich nicht gerade motiviert, doch ich hatte eigentlich keine Wahl und sonst war ja auch nichts los. Die Frage war, soll ich gleich die Regenklamotten anziehen oder soll ich erst mal testen und hoffen, dass es gleich wieder aufhört? Als geborener Optimist wählte ich natürlich Variante zwei oder die Falsche. Denn nach etwa 10 Minuten wurde der Regen etwas stärker und es war klar, dass ich die Regentropfen die ich einfange nicht gleich verdampfe sondern dass ich nass werde. Ich steuerte also das nächste Buswartehäuschen am Strassenrand an und kramte Regenhose und -jacke hervor. Natürlich musste ich die Winterwanderschuhe in Grösse 47 ausziehen, damit ich in die Regenhose steigen konnte… lieber hätte ich es 5° Grad kälter gehabt und dafür leichten Schneefall. Jammern nützt nichts, also durch.

Ich fuhr heute einen Teil der «100 Schlösser Radroute Münsterland» und bis zum ersten Schloss in Nordheim war es etwas mehr als 20 Kilometer, also etwa 1 ½ Stunden. Ab und zu wollte mich mein GPS auf eine unbefestigte Strasse leiten, doch das habe ich mir jedesmal genau überlegt und auf der Karte nachgesehen, ob ich das umfahren kann. Aufgetaute und verregnete Forststrassen sind wahre Dreckschleudern, das musste ich nicht unbedingt auch noch haben.

Das Schloss Nordheim war dann aber ein absoluter Stimmungsaufheller. Ein tolles, grosses Schloss mit doppeltem Wassergraben. In der Zufahrt ein grosser Weiher und ein Ziergarten und auf der Rückseite ausgedehnte Flächen und geometrisch angeordnete Dienstgebäude und Pferdestallungen. Das alles macht den Eindruck eines Jagdschlosses. Vorne empfängt man die Gäste und nach hinten raus geht man auf die Jagd. Sehr stilvoll. Im Ort Nordheim selbst fand ich auf Anhieb eine geöffnete Bäckerei und bestellte einen Milchkaffee und einen Berliner. Als ich aus der Bäckerei trete, regnet es nicht mehr. Sehr gut! Also noch einmal hinsetzen, Schuhe ausziehen, Regenhose ausziehen, Jacke ausziehen und alles in der entsprechenden Radtasche verstauen. Und weiter geht’s.

Nur wenige Kilometer später komme ich nach Lüdinghausen. Hier gibt es gleich zwei historische Bauten zu sehen. Zuerst eine Renaissanceburg und kaum einen Kilometer entfernt die Burg Vischering. Wassergräben scheinen hier gross in Mode gewesen zu sein, denn auch diese zwei Burgen sind von Wasser umgeben. Genauso wie die nächste Burg, etwa 10 Kilometer weiter, die Burg Kakesbeck (was für ein Name). Danach folgen lange flache Kilometer via die Ortschaft Senden bis zum Eingang von Münster, meinem Tagesziel.

Ich komme von südwestlicher Richtung und fahre einige Kilometer entlang des Aasees, der von grosszügigen Parkanlagen umgeben ist. Im Sommer ist das bestimmt ein toller Badesee. Am heutigen Sonntag tummeln sich hier Jogger, Spaziergänger, Hundehalter, Kinderwagenstosser und natürlich Radfahrer. Alles friedlich durcheinander. Auf der linken Seeseite gibt es ein kleines Freiluftmuseum mit etwa 20 historischen Gebäuden, die wie eine Art Klein-Ballenberg genutzt und gezeigt werden. Was mich aber für einen Besuch wirklich überzeugte war das Schild neben dem Eingang: «Sonntag ab 13:00 Uhr Kaffee und Kuchen». So fängt man mich. ;-)

Zur Belohnung zeigte sich nun gelegentlich sogar die Sonne zwischen den Wolken hindurch. Ideal für noch etwas Rad-Sightseeing in Münster und und ein paar schöne Fotos. Dann steuere ich das gebuchte Hotel an. Ich gönne mir hier für zwei Nächte Viersterneluxus mitten in der Innenstadt. Womit auch klar ist, dass morgen mein zweiter Ruhetag eingezogen wird. Ich habe langsam schwere Beine und auch mein Hintern kann einen Ruhetag vertragen. Ganz zu schweigen von meinem nun über 14 Tage eingesauten Bike. Das könnte auch etwas Zuwendung vertragen. Und Wäsche waschen sollte ich auch mal wieder. Mir wird morgen also bestimmt nicht langweilig. :-)

Hier noch die gespeicherte Strecke von heute (75km, 188Hm) und der Link zum ersten Foto des Tages.

Tag 13 - Industriekultur

Im Frühstücksraum des Hotels lief ein Fernseher und eher zufällig sah ich den Wetterbericht. Es soll heute bis 10°Grad warm werden. O.K., das heisst, ich muss mich nicht mehr ganz so warm anziehen, wie noch vor ein paar Tagen. Ich verzichtete also auf ein zweites Paar Socken und auch das Angora-T-Shirt packte ich in die Tasche.

Kurz nach neun Uhr machte ich mich auf den Weg. Der heutige Tag war insofern anspruchsvoll, als dass ich fast durchwegs in bebautem Gebiet unterwegs war und es hier so unglaublich viele Strassen gibt. Das heisst, ich muss immer wieder sehr genau auf das GPS schauen, damit ich mich nicht dauernd verfahre. Und von wegen: das Ruhrgebiet ist flach. Ich staunte wie viele kleine Hügel und kurze Rampen auf meinem Programm standen. Was ich aber wirklich klar sagen muss: Diese Industriekultur-Route ist wirklich empfehlenswert! Da wird einem echt viel geboten und es gibt sehr viel zu sehen.

Ich plante bis zur Zeche Zollverein zu fahren und nach Möglichkeit da eine Führung mitzumachen. Unterwegs kam mir aber dann in Essen-Vogelheim «Deutschlands grösstes Zweiradcenter» in den Weg. Da konnte ich unmöglich nur vorbeifahren, da muss ich doch einfach mal kurz hinein um einen Eindruck zu kriegen. Riesig! Über 6'000 Quadratmeter Fahrräder, Zubehör, Bekleidung und alles Erdenkliche, was man zum Fahrradfahren gebrauchen kann. Natürlich kam ich nicht umhin, mir etwas zu kaufen (siehe Fotos) ;-)

Das Areal der Zeche Zollverein ist riesig und vieles lässt sich per Rad erkunden. Ich sah mir einiges von aussen an, machte ein paar Fotos und kam schon fast zum Schluss dann beim Haupteingang, dem Museum und dem Informationscenter vorbei. Ich erkundigte mich nach einer Führung. Die nächste starte erst in einer Stunde und dauere etwas über zwei Stunden. Hmmm… Nein, soviel Zeit habe ich nicht. Es liegen noch etwa 60km vor mir. Etwas schade, doch was soll’s.

Auf meiner weiteren Fahrt bin ich dann noch an verschiedenen stillgelegten Zechen vorbeigekommen und jedes Mal verspürte ich den leicht morbiden Reiz des Vergangenen. Wie war das wohl damals? Schwarz-/Weiss-Bilder von verdreckten Gesichtern und abgekämpften Körpern. Das alles ist noch nicht sehr lange her. Man hat das Gefühl, man könne der Lärm noch hören und den Geruch in der Luft noch riechen. Ganz speziell.

Es war schon später Nachmittag, als ich zum Schleusenpark Waltrop kam. Ursprünglich gab es hier nur ein Schiffshebewerk mit dem Namen Henrichenburg (Bj 1894-1899). Später (1914) baute man direkt daneben eine Schachtschleuse. In den Jahren 1962 und 1989 baute man dann ebenfalls direkt daneben ein neues Schiffshebewerk und eine neue Schleuse. 1970 wurde das erste Hebewerk stillgelegt und 1989 dann auch die erste Schleuse. 1979 wurde das ganze Areal vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Industriekulturgut festgehalten und das Museum eröffnete 1992. Man sieht also vier Schleusen oder Hebewerke unmittelbar nebeneinander, mit einem technischen Hintergrund von über 100 Jahren. Auch das, sehr interessant.

Ich muss hier aber auch zugeben, dass mich vieles eigentlich nur oberflächlich interessiert. Ich habe das Schleusenmuseum nicht besucht und dass die Führung in der Zeche Zollverein nicht geklappt hat fand ich zwar schade aber nicht tragisch. Zwei Stunden wäre mir schon fast zu viel. So stark interessiert es mich dann auch nicht. Tja, vielleicht bin ich halt doch ziemlich oberflächlich…

Ich war froh, dass es bis zu meinem Hotel in Waltrop nur noch fünf Kilometer waren. Der Tag war doch ziemlich anstrengend. Ich bin fast 90 Kilometer Velo gefahren und dabei musste ich über 550 Höhenmeter überwinden. Das ist zwar nicht wirklich viel, doch nur so zum Vergleich: In den letzten drei Tagen fuhr ich zusammengezählt ähnlich viele Höhenmeter, aber verteilt auf über 200 Kilometer. Zusätzlich fand ich die Temperaturumstellung nicht ganz einfach. Mittags um zwei Uhr zeigte das GPS wirklich +10° Grad an und ich musste weitere Kleidungsstücke ausziehen um nicht nass zu schwitzen. Das braucht auch alles immer Zeit und Energie. Auf alle Fälle bin ich jetzt ziemlich müde und werde bald zu Bett gehen.

Morgen Sonntag fahre ich dann nach Münster, wo ich ein Hotel für zwei Nächte gebucht habe. Das heisst, am Montag werde ich meinen zweiten Ruhetag einlegen und darauf freue ich mich schon jetzt. Übrigens: Heute legte ich den 1’000sten Kilometer seit dem Start meiner Reise zurück.

Hier die gespeicherte Strecke von heute (87km, 550Hm) und der Link zum ersten Foto des Tages.

Tag 12 - ins Ruhrgebiet


Das eigentlich schöne Hotel hat mich ein bisschen enttäuscht. Im Zimmer war es kalt und der WLAN-Internetzugang hat nicht funktioniert. Das reichhaltige und sehr gute Frühstück hat es dann wieder etwas wett gemacht und so bin ich dann doch zufrieden in den Tag gestartet.

Vom Start weg profitierte ich von einem guten Rückenwind aus Südost, der mich förmlich vorwärtsschob. Für die 25 Kilometer bis nach Düsseldorf brauchte ich nur wenig mehr als eine Stunde. Ich hatte also genügend Zeit um einen ersten Milchkaffee zu trinken und mir das Treiben in der Stadt etwas anzusehen. Danach ging es weiter nach Duisburg, wo ich dann den Rhein verlassen und der Ruhr folgen werde. Gestern Abend habe ich mir den heutigen Streckenverlauf etwas im Detail angesehen und fragte mich, weshalb die Route von Düsseldorf nach Duisburg fast immer durch bebautes Gebiet und auch noch am Flughafen Düsseldorf vorbeiführt. Es würde doch schöner und mehr in Rheinnähe auch gehen, dachte ich.

Ich fahre also am Rhein entlang und als die gespeicherte Route dann wieder in städtisches Gebiet abzweigt, bleibe ich einfach auf dem Rheinradweg. Ich kann mich ja nicht verfahren, denn selbst ohne Beschilderung komme ich irgendwann an die Mündung der Ruhr in den Rhein und da muss ich dann spätestens abzweigen. Es läuft wie gesagt gut. Die Sonne scheint, es ist nicht mehr so kalt und der Wind bläst von hinten. Was will man mehr? Man will zum Beispiel, dass der Radweg nicht irgendwo abrupt im Niemandsland endet. Aber eben: das Leben ist kein Wunschkonzert. Vor einem grossen Industriegebiet ist plötzlich Schluss mit lustig. Ich halte an und versuche mich mit dem GPS zu orientieren. Ich bin kurz vor Duisburg und die gespeicherte Strecke verläuft ziemlich parallel, ein paar Kilometer entfernt in östlicher Richtung. Ich versuche mich also zurück auf die gespeicherte Strecke zu kämpfen. Gar nicht so einfach. Da gibt es Autobahnen und Schnellstrassen, die man nicht so einfach queren kann und so verfranse ich mich etwas. Egal, früher oder später finde ich auf den geplanten Pfad zurück. So lerne ich auch die Vororte von Duisburg etwas kennen… Kurz vor dem Hauptbahnhof habe ich es dann geschafft. Es ist also Zeit für einen weiteren Kaffeehalt, diesmal mit einem Berliner garniert.

Liebe Einheimische, bitte nicht böse sein, doch Duisburg ist eine ziemlich hässliche Stadt. Sehr viel gesichtsloser Betonbau und auch nicht wirklich gepflegt das Ganze. Die Radwege sind die schlechtesten, die ich bisher erlebt habe. Unsägliche Flickenteppiche mit vielen Schlaglöchern. Dauernd queren Einfahrten und die Bordsteine bei Auf- und Abfahrten sind unangenehm hoch. Vielleicht hat das auch System, denn so kann man nicht zügig fahren und muss dauernd auf der Hut sein. Das Schönste an der Stadt fand ich den Brunnen am zentralen Platz. Darin steht eine Figur mit dem Namen «Life Saver». Diese wurde als Gemeinschaftswerk von Niki de Saint Phalle und ihrem Ehemann Jean Tinguely gebaut. Leider ist derzeit kein Wasser im Brunnen und man kann sich die Bewegung und das spritzende Wasser deshalb nur schwer vorstellen.

Kurz danach komme ich zur Ruhr und gleich neben einer Brücke steht das “Landesarchiv NRW”. Ein völlig fensterloser, kantiger Bau. Verbunden mit einem welligen Anbau, der den Kontrast eckig-rund zusätzlich verstärkt. Finde ich gelungen. Nur etwa ein Kilometer weiter kommt danne eine erste Schleuse in der gerade ein Tankfrachter auf das höhere Niveau der Ruhr angehoben wird. Interessant. Danach folgen ein paar Kilometer über Land und schon bald komme ich nach Oberhausen, meinem Tagesziel.

Heute habe ich nicht sehr viele Fotos gemacht, ich bin vorwiegend einfach vor mich hin gefahren. Ich dachte dabei oft an die Zeit zurück, als ich ein halbes Jahr in Essen gearbeitet habe (1996). Jedes zweite Wochenende bin ich mit dem Flugzeug von Düsseldorf nach Zürich geflogen und jedes zweite Wochenende blieb ich im Ruhrgebiet. Ich erkundete dann jeweils etwas die Gegend und vermisste damals Hügel oder Anhöhen, von welchen man runterblicken und etwas die Aussicht geniessen kann. Das gibt es hier einfach nicht. Es ist ziemlich flach, mit ziemlich viel Industrie und ziemlich grauen Häusern…

Heute bin ich auch an vielen grossen Industrieanlagen vorbei gekommen. Am Eindrücklichsten fand ich eine Stahlhütte von Thyssen Krupp. Ein riesiges Gelände mit sehr grossen Hallen. Daneben direkt ein AKW. Die Gewinnung und das Einschmelzen von Eisen braucht unglaublich viel Energie und wenn ich mir vorstelle, wie es hier im vor-AKW-Zeitalter ausgesehen und gerochen hat, dann bin ich froh, das nicht erleben zu müssen. Ich erinnere mich an Geschichten die beschrieben, wie im Winter der Rauch der Kohleöfen das halbe Ruhrgebiet in Nebel/Smog getaucht hat. Ich folge nun dem Emscher Radweg, der mich an einige dieser historischen Bergwerk- und Industriestätten führt. Morgen steht z.B. die ehemalige Zeche “Zollverein” auf dem Programm und da freue ich mich auch drauf.

Die aufgezeichnete Strecke von gestern reiche ich hier noch nach (72km, 184Hm). Hier dann die Daten der heutigen Tour (80km, 204Hm). Heute war übrigens der erste Tag mit einer Durchschnittstemperatur von über 0° Grad (exakt 2,6° Grad). Es wird also langsam wärmer. Zum ersten Foto des heutigen Tages bitte hier klicken.

Tag 11 - Kölle alaaf

Die Lage meines Appartementzimmers zur Strasse hin liess mich nur bis etwa 7 Uhr schlafen. Ab dann herrschte zunehmender Berufsverkehr und ich konnte also aufstehen. Macht nichts, denn Frühstück ist ja nicht dabei. Gestern Abend entdeckte ich eine Bäckerei nur knapp 100 Meter vom Appartement entfernt und dahin ging ich nun um zu Frühstücken. Dabei staunte ich wiedereinmal ab der günstigen Preise in Deutschland. Ein kleines City-Frühstück (Milchkaffee, Gipfeli und Semmeli, mit Butter und Konfitüre) für 4.90 Euro. Das hat gepasst.

Kurz vor 9 Uhr sass ich dann auf dem Rad und freute mich, dass sich heute wieder die Sonne zeigt. Vor über 20 Jahren war ich schon einmal in Köln und hatte es in guter Erinnerung. Die knapp 40 Kilometer da hin gingen locker vom Hocker und schon um 11:30 Uhr näherte ich mich dem Stadtzentrum.

Ich wusste, dass es in Köln auch Rikschas gibt und mein Plan war, eine Stadtrundfahrt per Rikscha zu unternehmen. Zielstrebig fuhr ich vor den Dom, der ja direkt neben dem Bahnhof liegt. Ich dachte mir, wenn ich eine Rikscha antreffen sollte, dann wohl hier. Doch Pustekuchen, nichts zu sehen. Die scheinen auch Winterpause zu machen.

Ich kreuzte zu Fuss und zu Rad dann die Altstadt etwas auf, doch irgendwie war ich etwas enttäuscht. Alles ist so austauschbar geworden. Überall H&M, New Yorker, Mc Donalds, Subway, und all den globalen Mist. Man muss schon etwas in die Seitengassen hineingehen um ein klein wenig lokales Flair zu finden. A propos «Kölle alaaf»: Für den Karneval bin ich knapp einen Monat zu früh hier. Dieser startet am 23. Februar.Rikschfahren war also nicht und die Stadtbesichtigung hat mich auch nicht wirklich warm gemacht. Dann kann ich ja auch weiterfahren.

Zuerst geht es noch schön entlang des Rheins, doch ein riesiges Industriegebiet muss man umfahren Es sind die Ford-Automobilwerke. Wirklich riesig. Die Strassenbahn hat dafür drei Haltestellen. Süd, Mitte und Nord. In all den Hallen und Gebäuden werden viele Ford-Autos für den europäischen Markt gebaut, was mich an unseren Ford-Cortina erinnert. Mit uns meine ich hier meine Eltern. Es ist das erste Auto, an welches ich mich bewusst erinnere. Soweit ich weiss, war dies der erste Neuwagen meiner Eltern und Vater war ziemlich stolz darauf. Zumindest zu Beginn. Denn irgendwie machte dieses Auto oft Ärger und musste in die Garage. Ich erinnere mich noch an die dunkelrote Farbe, an die schönen runden Rücklichter und an die leicht angedeuteten Heckflossen. Das hatte etwas Extravagantes.

Kurz nach den Fordwerken passiere ich eine Brücke über den Rhein in Richtung Leverkusen. Nun ist es nicht mehr weit bis nach Hitdorf, wo ich ein Hotelzimmer gebucht habe. Das Zimmer ist hübsch, das Bad toll, doch der Internet-Anschluss funktioniert nicht. Mist! Die werde ich auf booking.com schlecht bewerten ;-) . Nein, im Ernst, das ist mir schon sehr wichtig. Nicht nur wegen der bloggerei, sondern vor allem wegen den Skype-Telefonaten mit meiner Frau. Bei guter Internetverbindung können wir kostenlos und per Bildübertragung plaudern und uns über unseren Tag unterhalten. Es besteht dabei keine Eile. Machmal zeige ich ihr meine Unterkunft und manchmal holt sie die Katzen vor den Bildschirm, damit ich sie auch wieder einmal sehe. Das wird mir heute Abend fehlen. Als kleines Trostpflaster habe ich mir ein Bild von Cosma, einer unserer Katzen, als Hintergrundbild aufs Handy geladen. Deshalb das letzte Bild des Tages.

Damit ich dennoch die neusten Bilder und diesen Beitrag veröffentlichen konnte suchte ich mir eine Pizzeria mit öffentlichem WLAN. Das GPS habe ich aber im Hotel gelassen, deshalb gibt es heute keine Streckendaten. Hier aber nun der Link zum ersten Bild des Tages. Viel Spass und bis morgen (dann aus dem Ruhrgebiet).

Tag 10 - chilling me softly

Ich konnte es heute gemütlich nehmen. Lediglich knapp 70 Kilometer bis Bonn lagen vor mir. Ideal um etwas zu träumen, Gedanken nachzuhängen oder wie man neudeutsch sagt: etwas chillen. Wie öfters in solchen Situationen höre ich Musik. Nicht per Kopfhörer, sondern einfach so in meinem Kopf. Wer weiss woher die Erinnerungen dazu herkommen und wieso sich nun genau diesee Musik gedanklich festsetzt, es passiert einfach. Auf meiner heutigen Fahrt begleitete mich "killing me softly", ein recht altes Lied, welches Anfang der 70er, gesungen von Roberta Flack, bei uns berühmt wurde. Ich persönlich mag aber die moderne Version von The Fugees noch fast mehr. Ich meine diesen Song:

Ich rollte also ganz gemütlich durch den Tag. Hielt nach Lust und Laune an und machte ein paar Fotos oder sah bei Teepausen den Schiffen auf dem Rhein zu. Easy… unterstützt durch milde -1,1° Grad (hey: der wärmste Tag bisher) und einem leichten Rückenwind. Der Flow kommt auf, nimmt mich mit und schwingt in mir… chilling me softly… ich bin…

Die Zeit vergeht im Flug und schon mittags um zwei Uhr komme ich zu dem Vorort von Bonn, wo ich ein Appartement gebucht habe. Ich fühle mich gut und habe ja noch genügend Zeit um mir Bonn etwas anzusehen. Morgen will ich mir Köln ansehen und wenn ich heute Bonn besichtige, kann ich morgen direkt zufahren bis Köln. Eine gute Idee.

Ich mag halbwegs moderne Musik kennen, in Sachen Klassik bin ich aber eine Banause. So wusste ich z.B. nicht, dass Ludwig van Beethoven in Bonn geboren wurde. Das wurde mir aber bald klar, als ich die Hinweisschilder zu seinem Geburtshaus gesehen habe und auf dem zentralen Münster-Marktplatz die übergrosse Beethoven-Satue zu Gesicht bekam. Sehr gut, jetzt weiss ich das. Ich machte dann noch einen Abstecher zum Schloss Poppelsdorf und dem dahinter liegenden Botanischen Garten. Ich traf auf ein «Kaffeerad» (siehe Bilder) und musste natürlich da einen Latte Macchiato trinken und mit dem Betreiber etwas quatschen.

Auf dem Rückweg zum Appartement fuhr ich noch an der sogenannten Museumsmeile vorbei. Das Haus der Geschichte, das Kunst Museum und die Bundeskunsthalle liegen ganz nahe beisammen. Imposante und grosse Bauten, an denen ich aber nur vorbei fuhr. Im Appartement angekommen freute ich mich auf eine heisse Dusche und ging danach in den nahen Aldi einkaufen. Appartement heisst ja: keine Verpflegung. Um doch noch etwas Warmes in den Magen zu kriegen, besuchte ich gleich auf der anderen Strassenseite das BBFC (Best Bonner Fried Chicken) – lustiger Name. Das war ein sehr genussreicher Tag. Es hat sich gelohnt die Strecke etwas zu kürzen und so langsam finde ich einen guten Rhythmus.

Hier noch die aufgezeichnete Strecke des heutigen Tages (82,7km, 196Hm). Die neusten Fotos sind auch schon im Fotoalbum.<- gemerkt? Ich habe direkt auf das erste Bild des heutigen Tages gelinkt. Finde ich eine gute Idee und werde es weiterhin so machen.

Tag 9 - Weltkulturerbe

Zeitig startete ich den heutigen Tag weil ich wusste, dass gut 100km bis zu meinem nächsten Hotel, in Koblenz, vor mir liegen. Es war der erste Tag seit ich unterwegs bin, an dem ich nie die Sonne sah. Es war den ganzen Tag hochnebelverhangen und trüb. Das war vor allem für Fotos etwas schade, fuhr ich doch heute durch ein UNESCO Natur- und Weltkulturerbe. Ich habe trotzdem viele Fotos gemacht. Wenn man sich das an einem sonnigen Herbsttag vorstellt, wenn all die Rebberge grün und die Wälder braun-rot schimmern, dann denkt man schon, dass es eine bessere Reisezeit gibt, als Ende Januar. Immerhin sorgte die Hochnebeldecke für den bisher wärmsten Tag, denn es war im Schnitt nur -1,9° Grad kalt.

Die Fahrt von Mainz bis nach Bingen ist unspektakulär und führt meist hinter einem Damm/Deich, so dass man vor allem Landwirtschaftsgebiet betrachten kann. Hier wird viel Obst an Niederstammbäumen angebaut. Öfters sehe ich grössere Gruppen oder ganze Schwärme von Gänsen über die Felder watscheln. Die sind ziemlich scheu und wollen sich nicht unbedingt fotografieren lassen. Bis ich knipsbereit bin, sind die Gänse meist schon weit weg. In Bingen ist dann Zeit für einen ersten Kaffeestopp mit Feingebäck.

Von da weg, bis zu meinem Tagesziel in Koblenz, fahre ich nun durch das UNESCO Welterbe «Oberes Mittelrheintal». Eine sehr malerische Umgebung. Der Rhein fliesst meist in einem Taleinschnitt, zu beiden Seiten sind Rebberge angelegt und Burgen und Schlösser säumen den Weg. Ein weiterer Höhepunkt ist dann natürlich noch die Loreley, ein hoher Fels, der vom Rhein umflossen wird und um den berühmte Geschichten geschrieben wurden (Brentano, Heine). Die kleinen Ortschaften sind meist recht hübsch und langgezogen, weil das Tal so eng ist. Viele schöne Fassaden sind zu sehen. Erwähnen will ich auch noch, dass auf der linken Rheinseite ein fast durchgängig separat geführter Radweg zur Verfügung steht. Man kann also genüsslich radeln und die Umgebung betrachten, ohne sich vor anderem Strassenverkehrsteilnehmern in acht nehmen zu müssen. Ein echter Luxus!

Im schönen Ort Boppart habe ich mein Rad dann noch einmal durch die Fussgängerzone geschoben und mir eine schöne Bäckerei ausgesucht. Mittlerweile hatte ich über 80km auf dem Tacho und war dementsprechend auch schon etwas müde. Da konnte ich eine Zucker-Infusion gut gebrauchen. ;-) Die letzten Kilometer bis nach Koblenz bin ich dann ganz gemütlich geradelt. Es wurde schon etwas düster als ich vor das Hotel National, meine Unterkunft, fuhr. Heute war also nichts mit Sightseeing in Koblenz. Vielleicht morgen. 99,1 Kilometer, meine bisher längste Tagesetappe hat mich doch ziemlich geschlaucht. Ich habe mir deshalb vorgenommen, dass ich die kommenden Tage etwas kürzere Distanzen wähle, auch deshalb, damit ich mehr Zeit habe um etwas zu verweilen und mir schöne Orte auch anzusehen. Ich habe ja Urlaub und bin nicht auf der Flucht…

Hier der Link zur gefahrenen Strecke (99km, 169Hm). Im Fotoalbum gibt es einige neue Bilder.

Tag 8 - zu den Mainzelmännchen

Etwas verdutzt stand ich heute Morgen vor dem dunklen Frühstücksraum. Die Reception war auch nicht besetzt und so blieb mir nichts anderes übrig, als die dort angezeigte Telefonnummer anzurufen. Die Auskunft war: «Nein, heute gibt es kein Frühstück». Meine Antwort: «Ich habe dies gestern aber bezahlt und will nun entweder Frühstück oder mein Geld zurück.» Ja, Geld zurück geht, jedoch sei die Reception erst ab 08:30 Uhr besetzt. O.K. Kein Problem. Im Umkreis von 100 Metern habe ich gestern Abend mindestens 3 Back-Shops gesehen, wo ich frühstücken kann. Gesagt getan. Ich habe mir den Magen vollgeschlagen und auch meine Thermoskanne mit Tee gefüllt. Dazu noch ein Sandwich für unterwegs. Macht gesamthaft 9 Euro. Am Empfang erhielt ich dann die im Voraus bezahlten 10 Euro zurück. Auch gut.

Heute Morgen war es neblig, oder hochneblig, oder beides. Schwierig zu sagen. Ein grauer, kalter Wintermorgen, wie wir ihn auch zu Hause nur zu gut kennen. Das GPS zeigte frostige -12° Grad. Also gut einpacken, nicht lange nachdenken und losfahren. Den Buff vom Hals bis über die Nase hochziehen hilft auch… Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich nach Ludwigshafen das Siedlungsgebiet hinter mir liess und danach folgte viele einsame Kilometer entlang des Rheins. Im Gegensatz zu gestern sah ich heute jedoch weitaus häufiger auch das Wasser und war doch erstaunt, wie viele Transportschiffe hoch und runter fahren. Kurz vor Worms machte ich auf einer Parkbank einen ersten Teehalt und verspeiste das Sandwich. Mittlerweile drückte doch langsam die Sonne durch den Hochnebel und es war «nur» noch -8° kalt. Das reicht aber trotzdem um beim Brötchenessen an die Finger zu frieren.

Der Radweg führt entlang des Rheins und streift Worms nur am Rande. Und am Rande gibt es nun mal keine wärmende Bäckereien. Ich fahre also zu und geniesse die Stille und das kontemplative «vor-sich-hin-kurbeln». So um die Mittagszeit hatte ich langsam Hunger, doch noch immer war ausser Natur nicht viel zu sehen. Was soll’s. Ich habe noch einen Snickers-Riegel in der Gepäcktasche und heisser Tee ist auch noch genug vorhanden. Bei der nächsten Parkbank mit Aussicht auf den Rhein mache ich also die nächste Pause. Ich packe das Snickers aus und beisse auf Granit. Das Ding ist beinhart gefroren. Man kann es kaum abbeissen, es bricht ab… ;-)

Kurz vor Nierstein erspähe ich dann an der nahen Hautstrasse eine Tankstelle mit Shop. Zwar nicht so perfekt wie eine Bäckerei, doch annähernd. Auch warm, auch mit Kaffee und auch mit Gebäck. Also nichts wie hin. Meine mittlerweile klammen Zehen wissen das sehr zu schätzen. Nierstein liegt in/an einem grösseren Riesling-Anbaugebiet und an den nahen Hängen ist alles mit Rebstöcken bebaut. Schön anzusehen. Es folgen noch schöne und einfache Kilometer entlang des Rheinufers, bis ich dann um etwa 15 Uhr Mainz erreiche. Hier habe ich ein Hotel gebucht und vor dem einchecken habe ich genug Zeit um noch etwas Sightseeing zu machen.

Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, kam aus Mainz und deshalb gibt es hier nicht nur eine Gedenkstatue und ein Gedenkhaus, sondern auch noch ein grosses und wohl recht berühmtes Gutenberg-Museum. Ausserdem war auch Mainz (wie schon gestern Speyer) einst eine Dom-Stadt und rund um diesen Dom gibt es eine schön erhaltene Altstadt mit vielen historischen Gebäuden. Interessant fand ich aber auch, dass es nicht nur Altes gibt, sondern dass auch moderne Neubauten mit viel Sachverstand ein- oder angefügt wurden. Auch hier gilt das Prädikat: Sehens- und Empfehlenswert!

Meine Hotelwahl fiel auf das Hotel Havana, direkt zwischen Altstadt und Rhein. Ideal gelegen. Von aussen macht es etwas einen veralteten Eindruck, doch die Zimmer sind modern renoviert und eingerichtet. Das Bad ist sogar ziemlich luxuriös, mit grosser Regenwasser-Dusche und extra Wärmeradiator für die Badetücher. Das mag ich vor allem deshalb, weil ich meine zivilen Kleider aus den eiskalten Taschen hier zuerst aufwärmen kann. Es ist nicht schön, nach einer heissen Dusche eiskalte Hosen oder T-Shirts anziehen zu müssen (das lernte ich schon am ersten Tag).

Mein Abendessen nahm ich in einem ganz speziellen Lokal, gleich um die Ecke, ein. Das Restaurant ist in einem ehemaligen Krankenhaus aus dem 17. Jahrhundert untergebracht. Zuerst dachte ich, es sei eine alte Kirche, doch die Hinweistafel am Eingang belehrte mich eines Besseren. Ursprünglich hiess es «Krankenhaus zum heiligen Geist» und deshalb heisst das Restaurant heute «HEILIGGEIST». Eine wirklich aussergewöhnliche Lokation. Wohl deshalb auch etwas trendy und teuer. Doch den Preis war’s wert, denn meine Gemüselasagne hat vorzüglich geschmeckt. Das gibt Kraft für morgen…

Hier noch der Track des Tages (82km, 183Hm). Übrigens: Gemäss GPS-Gerät war heute der kälteste Tag meiner Reise mit einer Durchschnittstemperatur von -6,4° Grad.

Das Fotoalbum ist auch aktualisiert. PS: Wer es noch nicht gemerkt haben sollte: Auf der Titelseite des Fotoalbums ist ganz oben rechts ein Symbol, ähnlich eines Sterns zu sehen. Wenn man darauf klickt, werden einem alle neuen Fotos angezeigt. Wenn man nun auf das erste Bild klickt, geht es gleich beim aktuellen Tag los und man muss nicht nach unten scrollen, bis man das erste neue Bild entdeckt.

Tag 7 - Nach Mannheim

Da 90km auf dem Programm standen sah ich zu, dass ich zeitig los kam und so startete ich in viele warme Kleidung eingepackt kurz vor 9 Uhr. Das Thermometer zeigte frische -10°Grad. Das war -nebst Sonntag- wohl auch ein Grund, weshalb die Strassen von Karlsruhe leer waren und nur ein paar wenige Leute gingen mit dem Hund Gassi. Sonst, wie ausgestorben.

Bald überquerte ich den Rhein und kam auf den europäischen Radwanderweg. Von da weg bin ich bis ans Tagesziel in Mannheim fast ausschliesslich auf gesonderten Radwegen, ohne jeden Autoverkehr, gefahren. Schön. So lässt sich locker radeln. Hinzu kam natürlich auch, dass es fast völlig flach vorwärts ging und ich so ganz gleichmässig kurbeln und atmen konnte. A propos atmen: Ich hatte mir für heute vorgenommen, dass ich ausschliesslich durch die Nase atmen will. So wird die kalte Luft etwas angewärmt und so stelle ich auch sicher, dass ich locker und im grünen Bereich fahre, ohne mich zu verausgaben. Das klappte eigentlich recht gut. Das einzige kleine Problem dabei ist, dass ich mir fast alle 3 Minuten die Nase schneuzen muss. Ich glaube die kalte Luft kondensiert an den Nasenhaaren und so tropft es rasch und der Rotz hindert auch am weiteratmen. Die ausgeliehene Lenkertasche ist dafür eine grosse Hilfe. Der Magnetverschluss lässt sich einhändig leicht öffen um das Nastuch herauszunehmen, es kurz zu benutzen und dann wieder zu verstauen. Eine gute Sache.

Obwohl ich eigentlich immer entlang des Rheins gefahren bin, habe ich das Wasser selbst nur sehr wenig gesehen. Der Radweg verläuft meist hinter einem Hochwasserschutzwall und dieser versperrt die Sicht. Tja, ist halt so. Dafür kann man uneingeschränkt Landschaft geniessen und gedankenverloren vor sich her fahren, was ich ja auch ganz gut mag.

Ein Highlight des heutigen Tages war dann die Stadt Speyer. Schon beim Ortseingang staunte ich nicht schlecht, als ich schon von weitem eine in der Höhe aufgebaute Boing 747 (Jumbo) der Lufthansa sah. Wie cool ist dass denn? Als ich näher kam sah ich noch andere Flugzeuge und beim genauen Betrachten stellte ich fest, dass es sich hierbei um das Technikmuseum handelt. Sehr spannend. Ähnlich wie das Vekehrshaus in Luzern, doch vermutlich noch etwas grösser. Danach kam ich in die Altstadt, die wirklich viel zu bieten hat. Natürlich viele schöne, historische Bauten und Kirchen, ganz im Speziellen jedoch der Dom. Ein Weltkulturerbe und wirklich sehr schön anzusehen.

Es folgten wieder schöne Radwege und kurz vor Mannheim führte die Strecke dann wieder direkt entlang des Rheins und schon bald kam ich an eine kleine Fähre, mit der ich gemäss Routenplan übersetzen sollte. Die Fähre fuhr mir direkt vor der Nase weg und so musste ich etwa 15 Minuten warten, bis sie wieder zurück war. In der Zwischenzeit konnte ich ein riesiges Steinkohlekraftwerk, direkt auf der anderen Rheinseite bewundern. Riesig. Solche Dimmensionen habe ich noch gar nie gesehen. Monsterkräne entladen die Steinkohle der Rheinschiffe und riesige Föderbänder transportieren das Brenngut weiter. Das Hauptgebäude ist geschätzte 100 Meter hoch, die Kamine vermutlich doppelt so hoch. Enorm. Nach dem Übersetzen mit der Fähre (kostet 1 Euro) kam ich an einer Infotafel vorbei, die die Vorzüge dieses Riesenkraftwerks beschrieb. Lachen musste ich beim Wort «umweltschonend». Ach ja? Ich dachte, dass der Kohleabbau und die Verbrennung derselben riesige Mengen von Co2 freisetzen. Was soll dabei denn nun umweltschonend sein? Egal, schmunzeln und weiterfahren.

Es dauerte nur noch wenige Minuten, bis ich in den Innenstadtbereich von Mannheim komme. Von weitem schon erkenne ich das Wahrzeichen, den Wasserturm von Mannheim. Dieser steht Ost-Eingang zur Altstadt, die ähnlich wie viele amerikanische Städte, mit quadratischem Strassen- und Häusermuster aufgebaut ist. Nur ist dies im Vergleich zu Amerika schon viel älter. Für Interessierte gibt es hier einen Link zu Wikipedia und die Quadratestadt. Ich war schon nahe beim Hotel, im Quadrat U1, als ich mich entschloss noch einen Verpflegungshalt bei einer Wurstbude einzulegen. So hatte ich dann im Hotel genügend Zeit um zu duschen, die Fotos hochzuladen und zu bloggen. Später gehe ich schon noch etwas «Richtiges» essen und plane dann meine Weiterfahrt für morgen. Wieder ein schöner Tag nähert sich dem Ende.

Hier noch der Link zur heutigen Strecke (90km, 196 Hm). Aktuelle Bilder sind im Fotoalbum.