(51) Ein letzter Abstecher ans Meer

Bilder im Fotoalbum (Nr. 830 - 855)

Heute gab es bereits ab sieben Uhr ein gutes Frühstücksbuffet und so war ich schon kurz nach acht Uhr startklar. Geplant war mein letzter Abstecher an die Mittelmeerküste und danach die Fahrt nach "Massa Marittima". Je nach Zeit und Lust würde ich entweder da ein Hotel suchen oder noch etwas weiterfahren.

Die Fahrt an die Küste, nach "Castiglione della Pescaia" war einfach, sehr flach und vermutlich vom Rückenwind begünstigt, denn für die etwa 45 Kilometer brauchte ich kaum zwei Stunden. An der Küste war dann schon einiges los und wie geplant machte ich einen ersten Verpflegungshalt in einer schönen Bar, direkt am Strand. Hier spricht man deutsch, denn die Autos haben vorwiegend Nummernschilder aus Deutschland, Holland und der Schweiz.

Während des Kaffeetrinkens überprüfte ich meine Route am GPS und stellte fest, dass ich wieder einmal einen nur gepunkteten Weg der Küste entlang bis nach "Punta Ala" eingeplant hatte und da am Strand feinster Sand lag, liess ich diese Variante aus. Es hatte sowieso nur wenig Verkehr, so folgte ich lieber der breiten Hauptstrasse bis nach "Puntone", welches nur noch fünf Kilometer von der grösseren Ortschaft "Follonica" entfernt ist.

Von da ging es weiterhin flach ins Landesinnere, wo es ab "Gavorrano" dann langsam anzusteigen begann, bis ich "Massa Marittima" auf 350 Metern über Meer erreichte. Früh losfahren, wenige Pausen und wenige Höhenmeter bedeuten, dass man früh am Ziel ankommt. Es war gerade halb ein Uhr mittags, ideal um auf der Hauptpiazza eine Portion Spagetti zu essen. In Massa Marittima findet ab heute, bis und mit Sonntag, ein Freilicht-Opernfestival statt, weshalb die ganze Piazza bestuhlt war und gerade die Bühne aufgebaut wurde. Es hatte dementsprechend viele Leute und im Touristen-Informationsbüro wurde mir dann auch gesagt, dass alle Hotels ausgebucht seien. Es hiess also weiterfahren.

Zuerst ging es etwa 100 Höhenmeter runter, bevor die Strasse kontinuierlich anzusteigen begann. Die Hügel werden grösser und sind alle fast vollständig bewaldet. So bot die Fahrt zwar viel Schatten, doch auch nur wenig Aussicht. Auf etwa 650 Metern über Meer war dann ein erster Höhepunkt erreicht und ich freute mich schon auf eine schöne Abfahrt, was dann jedoch einer Täuschung entsprach. Die Strasse führte nämlich von Hügel zu Hügel, das heisst, es ging immer wieder etwas runter und dann wieder etwas hoch. Nicht viel, doch stetig und das zerrt dann schon etwas an den Muskeln, die mittlerweile ja auch nicht mehr ganz frisch waren. So machte ich mal mitten im Wald eine Pause und ass etwas halbflüssige Schokolade aus der Seitentasche um mich wieder aufzuzuckern. Das tut auch der Seele gut.

Bei "Larderello" traute ich dann kaum meinen Augen. Ich zählte acht grosse Kühltürme, die ziemlich nach Atomkraftwerken aussahen. Ich machte davon ein Foto und SMS´te es Marcello, der im Vorfeld meiner Tour gesagt hatte, dass Italien keine Atomkraftwerke betreibe. Er überprüfte die Sache im Internet und schrieb mir zurück, dass es sich hier um eines der grössten Wärmekraftwerke Europas handle und dass Italien nach dem Unglück in Tschernobyl in einer Volksabstimmung 1990 den Ausstieg aus der Atomenergie beschloss. Interessant.

Die 100 Kilometermarke lag schon einiges hinter mir und ich wollte mir in einem der folgenden Orte ein Hotel suchen. Der Ort "Pomarance" (lustiger Name), schien mir dazu geeignet. Bei einem Coca-Cola-Halt auf dem Hauptplatz sah ich, dass gleich auf der gegenüberliegenden Seite die Touristeninformation ihr Büro hat. Ausgezeichnet. Nachdem ich leergetrunken und bezahlt hatte, betrat ich das Büro und fragte nach einem Hotelzimmer. Zu Beginn sah es nicht gut aus. Es gibt nur zwei Hotels im Ort, wobei eines Anfang des Jahres geschlossen wurde. Nach einem Telefonanruf beim Übriggebliebenen stellte sich heraus, dass es ausgebucht war.

Zum Glück war die nette Frau ziemlich ehrgeizig und begann Agriturismo-Angebote in der nahen Umgebung abzutelefonieren. Beim dritten Anruf klappte es dann. Sie reservierte mir ein Zimmer im wirklich sehr schönen Haus "Bella Vista".Wie man es sich wünscht, wird das Haus von einer äusserst liebenswerten, vollschlanken Mamma betrieben, welche sich mir sehr nett vorstellte und mir ein wirklich schönes Zimmer inklusive Frühstück für 45 Euro anbot. Aus der Küche duftete es schon sehr gut und ich war froh, dass mich mich auch fragte, ob ich hier zu Abend essen wolle. "Ja, sehr gerne!"

Nun sitze ich auf der sonnigen Aussichtsterrasse, geniesse den Abend bei einem feinen Bierchen und freue mich auf das kommende Essen. Ein weiterer, sehr schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Das GPS sagt: 120 km., 5:50 Std., 1´310 Hm.

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