(50) Vom Latium in die Toskana

Bilder im Fotoalbum (Nr. 809 - 829)

Nachdem gestern Abend noch ein heftiges Gewitter niederging, war heute Morgen wieder strahlend blauer Himmel und auch die Temperatur lag schon kurz um halb neun Uhr auf über 25° Grad. Ich hatte viel vor, denn wenn ich wie geplant bis nach "Grosseto" kommen will, wird es deutlich über 100 Kilometer geben.

Zuerst fuhr ich über einen Hügel nach "Pitigliano", einer wunderbar schönen alten Stadt, die auf einem grossen Tuffsteinfels erbaut wurde. Als ich vor zwei Jahren mit Karin da war, war es über 35° Grad heiss. Als ich heute Morgen um zehn Uhr da eintraf, zeigte ein Schild vor einer Apotheke 27° Grad, was doch viel angenehmer ist. Um diese Uhrzeit hatte es auch noch sehr wenige Touristen und ich genoss in aller Ruhe etwas Süssgebäck und einen Cappuccino vor einer schönen Caffetteria.

Auf dem nächsten Hügel, nur etwa sieben Kilometer weiter folgt schon der nächste Märchenort, nämlich "Sovana". Ein kleiner Weiler, von höchstens fünfzig Häusern, ebenfalls von den Etruskern erbaut und ganz liebevoll restauriert.

Schon von Bolsena weg zeigen immer wieder Wegweiser die Richtung nach "Saturnia" an, wo eine natürliche Thermalquelle 37° Grad warmes, leicht schwefelhaltiges Wasser an die Oberfläche spült, welches über eine Reihe von Badewannen (Sinterbecken) etwa 20 Meter weit nach unten führt. Man kann da kostenlos baden, was natürlich von Vielen auch genutzt wird. Das habe ich mir natürlich von Nahe angesehen und dabei auch den ultimativen Schönheitstipp entdeckt. Kurz nach den Sinterbecken fliesst das Wasser wie ein normaler Bach weiter und an dessen Ufer lagert sich ziemlich schwarzer Schlamm ab. Diesen Schlamm reibt man sich am ganzen Körper ein, sitzt auf einen Stein in der Sonne und lässt den Schlamm trocknen. Danach setzt man sich in eine der Badewannen und wäscht sich das natürliche Peeling wieder ab. Und wie gesagt, alles gratis. Wo gibt es denn noch sowas?

Kurz nach diesem Naturschauspiel traf ich am Strassenrand zwei junge Schweizerinnen, die mit dem Velo auf dem Weg nach Siena waren. Die Eine versuchte mühsam ihren reparierten Vorderreifen mit einer billigen Plastikpumpe wieder zu füllen. Ich half ihr mit meiner guten Pumpe aus und so kamen wir kurz ins Gespräch. Sie wollten mir kaum glauben, dass ich in den 50 Tagen meiner Reise erst drei Tage mit Regen erlebte, denn sie erzählten, dass sie in den zweieinhalb Wochen seit ihrem Start mehr Regentage als trockene Tage erlebt hätten. Ups! Da hatte ich doch deutlich mehr Glück. Beim Verabschieden wünschte ich ihnen natürlich vor allem gutes Wetter (und wenig Pannen).

Meine Route nach "Grosseto" war, wie es in der Toskana halt üblich ist, ziemlich hügelig. Es geht immer mal wieder 100 oder 200 Höhenmeter rauf und runter und im Laufe des Nachmittags wurde es auch deutlich über 30° Grad warm. Ich musste meine Kräfte also gut einteilen um nicht völlig platt anzukommen. In "Scansano", auf etwa 500 Metern über Meer, machte ich nochmals einen Verpflegungshalt.

Ein Schild zeigte an, dass es noch 28 Kilometer bis "Grosseto" ist und weil ich wusste dass der Ort nur wenig über Meer liegt, machte ich mir keine grossen Sorgen. Es ging dann auch tatsächlich 18 Kilometer lang vorwiegend bergab, bis mein Höhenmeter nur noch 30 m.ü.m. anzeigte. Die letzten 10 Kilometer waren dann zwar so wie ich sie nicht mag, nämlich endlos lange Geraden in flachem Gelände, mit dauerndem Wind, doch ich liess mir die gute Laune nicht mehr verderben und schaltete halt runter, bis die Belastung wieder in den grünen Bereich kam.

In "Grosseto" hatte ich etwas Mühe das Stadtzentrum zu finden, denn die "Centro"-Schilder führen einem beharrlich um das Zentrum herum. Als ich dann aber eine grössere Fussgängerzone sah wusste ich, dass ich nahe dran war. Um nicht lange suchen zu müssen betrat ich eine Bar, kaufte mir eine Cola und fragte nach einem Hotel. In der Altstadt gäbe es nur deren zwei, wobei das Dreisternhotel "Maremma" wohl das Günstigere sei. Ich verstand auch die Wegbeschreibung und nur zehn Minuten später hielt ich auch schon einen Zimmerschlüssel in der Hand. Übernachtung mit Frühstück, 50 Euro, das passt.

Da ich schon kurz nach fünf Uhr mein Zimmer bezogen hatte und geduscht war, nutzte ich die noch schönen Abendstunden für einen Bummel durch die hübsche Altstadt. Hier unten in der Stadt war es nun 35° Grad und so war ich doch froh, dass mein Hotelzimmer nicht nur WLAN und Internet bietet, sondern auch eine Klimaanlage. Das war ein sehr schöner und erlebnisreicher Tag. Das GPS sagt: 126 km., 6:09 Std., 1´560 Hm.

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