(13) via Lucca nach Montecatini Terme

In der Nacht bin ich aufgewacht und hatte leichte Zahnschmerzen. Das ist meistens ein Zeichen dafür, dass ich wortwörtlich auf dem Zahnfleisch laufe. Die letzten Tage zehrten an meiner Konstitution und es brauchte nun etwas weniger Anstrengung, dafür mehr Kohlenhydrate, Eiweiss, Vitamine und Mineralstoffe. Einzahlungen auf mein Gesundheitskonto und nicht nur dauernde Belastungen.

Wie wenn der Hotelier das mitgekriegt hätte, gab es heute das beste italienische Frühstück meiner bisherigen Reise. Richtiges, dunkles Brot, Butter, Hero-Konfitüre, Orangensaft, dazu Früchte (oh Wunder) und zwei Cappuccini. Das war ein idealer Start in den Tag.

Es war also von Beginn weg klar, dass ich heute nicht in die Berge zurück fahre, sondern eine Flachetappe fahren werde. Nach Lucca waren es knapp 50 Kilometer und diese führten entlang des Flusses Sarcchio fast ausschliesslich bergab. Von etwa 250m.ü.m runter bis etwa 20m.ü.m. Dabei geriet ich mitten in ein Velorennen von der Art, wie ich Anfang April in Cervia ebenfalls an einem teilnahm. Die Spitzengruppe hatte ein beachtliches Tempo drauf und nach und nach kamen immer langsamere Gruppen. Kurz vor dem Besenwagen war dann eine grössere Gruppe kaum schneller als ich und ich hängte mich mitsamt meinem Gepäck an. Das war lustig. Vor mir alles leichte Karbonrennräder mit Fahrern, die wie Profis gekleidet waren und zuhinterst ich, mit 20 Kilo Gepäck als Radtourist. Zugegeben, bergrunter merkt man fast nichts vom Gepäck, denn wenn es mal rollt, dann rollt es. Kurz vor Lucca bogen die Fahrer an einem Krisel ab, wo die Spur nach Lucca gerade aus ging, da verabschiedete ich mich. Danke für etwa 15 Kilometer Windschatten.

In Lucca machte ich auf dem alten Stadtwall zuerst eine Rundfahrt um den historischen Kern, bevor ich mich ins Touristengetümmel stürzte. Interessant fand ich, dass ich mich nach zehn Jahren noch an fast jeden Platz und an jedes Lokal erinnerte, wo ich mit Karin war. In der Innenstadt war es etwa 33° Grad und irgendwie hatte ich gar keine Lust um schon ein Hotel zu suchen. Ich entschied mich, eine Portion Pasta mit Salat zu essen und nachmittags noch etwas weiterzufahren. Dazu schaute ich kurz auf die Karte.

Ostwärts ist gut, das heisst, solange mein Schatten links von mir ist, bin ich richtig. Das klappte ausgezeichnet und irgendwann las ich ein Schild mit der Aufschrift: Montecatini Terme, 12km. Terme klang gut, wie: genügend Hotels und Bademöglichkeit. Montecatini Terme scheint eines der grössten Heilbäder in Italien zu sein. In der Ortschaft gibt es an die 200 Hotels und so konnte ich mich schlicht nicht entscheiden, wo ich denn fragen soll. Ausserdem sah ich auf dem nahegelegenen Hügel eine schöne Ortschaft (Montecatini Alto), die ich gerne noch sehen wollte. Zeit hatte ich noch genügend, also kurbelte ich gemütlich da hoch. Ein Schild Bed&Breakfast motivierte mich zusätzlich. Oben angekommen geniesst man eine herrliche Aussicht, die leider auf Fotos nicht entsprechend rüberkommt, da im Gegenlicht und leicht dunstig. Das B&B entpuppte sich dann als ein Teil eines 5*-Hotels. Preis pro Nacht: 75 Euro. Nein, zu teuer.

Nach Montecatini Terme zurückfahren wollte ich nicht mehr, also fuhr ich auf der Bergrückseite runter und hielt Ausschau nach einer Unterkunft. Und siehe da, nach etwa 10 Kilometern wurde ich fündig. In einem kleinen Vorort von Serravalle di Pistoia erspähte ich ein schön gelegenes Albergo mit Pool und zugehöriger Pizzeria, das war genau das Richtige für mich war. Der Preis inklusive Frühstück war 50 Euro, was ich o.k. fand. Ich verstaute das Gepäck im Zimmer, duschte und wusch die getragenen Bikekleider. Dann nichts wie an den Pool. Gestern hatte ich den Pool ja nur angesehen, heute wollte ich unbedingt auch mal baden und etwas sünnele.Als ich später den PC anwarf war kein WLAN zu finden, was mich nicht überraschte. Überrascht war ich dann aber, als ich das GPS auswertete und fast 100 Kilometer Strecke aufgezeichnet fand. Diese Flachetappe, sowie das warme und schöne Wetter hat mir sehr gut getan. Das feine Abendessen in der Pizzeria rundete den Tag dann entsprechend gut ab. Das GPS sagt: 97 km., 5:03 Std., 430 Hm.

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