(10) Eine Hammertour!

Heute war ich etwas früher dran und nach Cappuchino und Pampe-Aprikosen-Brioche starte ich bereits kurz nach acht Uhr die Aufzeichnung am GPS.

Gleich zu Beginn stieg die Strasse an und ich merkte die 1'700 Höhenmeter von gestern doch deutlich. Ich fragte mich, ob ich mehr Gepäck dabei hatte, doch es brauchte einfach so seine Zeit, bis meine Beine auf Betriebstemperatur kamen.

Es war heute zioemlich stark bewölkt und ich musste mit Regen rechnen. Das Aussenthermometer am Hotel zeigte auch nur 19° Grad und nach der ersten Steigung auf etwa 850 m.ü.m. fröstelte mich leicht. Ich fühlte mich nicht besonders und hielt scchon bald Ausschau nach einer Cafetteria wo ich dann länger als üblich sitzen blieb. Na ja, ich kann ja nicht schon gegen zehn Uhr ein Hotel suchen, das geht gar nicht! Also los, überwinde Dich und steig aufs Rad!

Etwas lustlos fuhr ich weiter und wurde dafür vom Allerfeinsten belohnt. Es folgte nämlich eine fast 50 Kilometer lange Abfahrt bis nach Masaglia. Schon in der Strassenkarte ist diese Strecke grün, als besonders schön, gekennzeichnet und das kann ich voll unterschreiben. Man folgt immer einem Fluss, der sich wohl über tausende von Jahren sein Bett in diese Hügellandschaft gefressen hat. Wie sagt man? Er mäandert dahin? Wie auch immer, es erinnerte mich wieder stark an das Tessin und die Maggia, einfach grösser, weiter und weniger bevölkert.

Das hat meine Stimmung ganz erheblich gesteigert und auch das Pannini sowie das Eis zum Dessert, welches ich mir in Masaglia gönnte, baute mich weiter auf. Mittlerweile standen 70 km auf dem Tacho, es war um 14 Uhr, was nun? Ich sah das Schild "Ferriere 25km". Ja, das passt, das packe ich noch. (Man beachte die 70km-Marke im Höhenprofil)...

Kaum bin ich losgefahren, fielen dann die ersten Regentropfen und ich kramte die Regenjacke hervor. Dies jedoch nur für fünf Minuten. Die Strassen wurden kaum nass, bis alles schon wieder vorbei war und der Himmel deutlich aufhellte.

Die Steigung auf den Passo di Marcallla (1'060 m.ü.m.) war schön gleichmässig und sehr angenehm, weil man immer wieder fantastische Ausblicke auf die umliegenden Hügel erhielt. Seit dem Gotthard bin ich nun erstmals wieder auf über 1000 Metern über Meer. Die anschliessende Abfahrt nach Ferriere war dann erste Sahne, auf einer schmalen Bergstrasse, ohne jede Gegensteigung. In Ferriere setzte ich mich dann in das einzige Caffee an der Piazza. Ferriere ist ein kleines Nest. Ob die überhaupt ein Hotel haben?

Ich schaute auf die Uhr. 16 Uhr... Mittlerweile blauer Himmel, angenehm warm, gutes Velowetter. Weshalb also stoppen? 95 Kilometer sind ja auch irgendwie doof... Komm, fahr noch ein Stück!

Zugegeben, ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einliess. Die Strasse stieg an und es war irgendwie kein Ende abzusehen. Bei 1'100 Metern über Meer stellte ich erstaunt fest, dass ich noch höher war, als der Pass vor Ferriere. Was soll's, lange wird es wohl nicht mehr hochgehen.... dachte ich... es zog sich hin... endlich ein Schild: Passo Zovallo, 1 km. Das Schild fotografierte ich natürlich, doch zu meinem Erstaunen war dies noch nicht der Kulminationspunkt. Die Strasse stieg weiter an, ich passierte die Regionsgrenze zu Parma und auf 1'540 Metern über Meer war es dann zum Glück endlich geschafft. Meine Beine waren bleischwer. Mittlerweile war es nach 18 Uhr und auf dieser Höhe doch ziemlich frisch. Also rasch eine Jacke überziehen und sich in die Abfahrt stürzen.

Wobei "stürzen" ein Stichwort war, welches mir durch den Kopf ging. Ich war mittlerweile richtig müde, hatte kalt und musste meine Konzentration hochhalten. Es waren an die 1'000 Höhenmeter zu vernichten und ich weiss aus Erfahrung, wie schnell man ich einer solchen Situation einen Fehler macht und im Strassengraben landet. Alles nur nicht "stürzen"! Also lieber etwas mehr bremsen und vorsichtig fahren...

Endlich kam ich in Bedonia an, wo ich gleich ein schönes Hotel fand, wo ich jetzt an der Bar sitze und einen Gute-Nacht Cappuchino trinke. Das GPS lieferte unglaubliche Daten: 139 km., 8:21 Std., 2'430 Hm. Da überlege ich mir doch glatt, ob ich morgen auch noch hier bleiben soll, mich etwas ausruhen und die Fotos nachliefern... das wäre eine Idee. Mal sehen. Erst mal brauche ich eine Mütze Schlaf. Das war wirklich ein Hammertag!

Kommentare

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Andre am :

Hallo Beat, sehr schöne Berichte, ich verfolge deine Reise mit grossem Interesse. Ich wünsche dir viel Sonne, wenig Verkehr und spannende Begegnungen. Viele Grüsse aus Berlin
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Ivan am :

Hallo Beat, deine Berichte sind genial und packend zum Lesen! Zum Glück hast du dein zelt mitgenommen, dann kannst du das Velo bei Regen runterstellen ;-) Ich wünsche dir weiterhin eine gute und erlebnisreiche Reise mit viel Sonne, Capuccino und Gelati.
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