(8) vom Piemont nach Ligurien

Nach einem feinen Frühstück packte ich meine Sachen zusammen und machte mich abfahrbereit. Dann hiess es Abschied nehmen von den lieben Gastgebern und von Urs und Rita, die ich in der Casa Andrea kennenlernte. Ich verlebte hier zwei wirklich schöne Tage und der gestrige Ruhetag hat mir wirklich gut getan. Ich habe wieder richtig Lust auf Velo fahren...

Gleich zu Beginn ging es etwa 300 Höhenmeter hoch auf einen Hügelzug, dem ich danach wie geplant südwärts folgte. Die sanften Hügel und die vielen Rebberge in der Gegend versprühen unglaublich viel Charme und das wirklich ausgezeichnete Essen und der feine lokale Wein haben sich so in meine Erinnerung eingeprägt, dass ich vermutlich später wieder einmal in die Gegend um Alba reisen werde.

Heute wollte ich bis zum Colle di Cadibona fahren. Dies ist der geografische Startpunkt des Apennins und somit der eigentliche Beginn meiner Sommerreise entlang des Apennins durch Italien. Ich fuhr bewusst gemütlich und machte regelmässige Pausen. Das Wetter war anfangs zwar noch etwas bewölkt, doch schon an die 25° Grad und somit ideal um Rad zu fahren.

Alles lief wie geplant und ohne irgendwelche Probleme. Gegen 14:30 Uhr passierte ich dann Altare, den letzten Ort nördlich des Colle di Cadibona. Die Ortschaft kam mir irgendwie bekannt vor und als ich ausgangs des Dorfes die alten und verfallenen Militärbauten sah wusste ich, dass ich hier schon einmal war. Und zwar war dies letztes Jahr, als ich mit Freunden am letzten Tag unserer Finale Ligure Bikeferien der Küste entlang nach Savona fuhr und von da via Colle di Cadibona zurück nach Finale.

Ich machte ein paar Fotos bei dem Stein, der die Trennung zwischen Alpen und Apennin markiert und überlegte mir, wie ich nun weiterfahren soll. Einen kurzen Moment dachte ich daran, nach Savona runter zu fahren und der Mittelmeerküste entlang nach Finale Ligure um im Hotel Rosita zu übernachten. Noch so gerne erinnere ich mich an das ausgezeichnete Hotel, die netten Gastgeber und den Internetanschluss (alles, was mein Herz begehrt). Doch Finale Ligure liegt 180° in der falschen Richtung und war somit eher ein schöner Gedanke als eine wirkliche Option.

Da ich auf der Durchfahrt durch Altare nicht auf Anhieb ein Hotel gesehen hatte überlegte ich mir als zweites, ob ich runter nach Savona ans Mittelmeer fahren soll. Da gibt es bestimmt genügend Hotels und auch die historische Innenstadt hatte ich noch in guter Erinnerung. Ausserdem war Savona nur noch 13 Kilometer entfernt. Auf diesen 13 Kilometern vernichtet man 460 Höhenmeter, sprich, ich hätte eigentlich nur noch aufsitzen und runter rollen müssen. Die Idee, dass ich jedoch morgen gleich mit diesen 460 Höhenmeter bergauf starten soll, fand ich jedoch nicht so prickelnd zumal ich ja wusste, dass es vom Colle di Cadibona noch weiter, bis auf etwa 700 Meter über Meer ansteigt. Hmm, Nein, auch nicht.

Ich entschied mich letztendlich einfach meiner geplanten Route weiter zu folgen und in den kommenden Dörfern nach einem Hotel oder Agriturismo Ausschau zu halten. Im ersten Dorf gab es gar nichts. Im Zweiten ein einziges Restaurant und im Dritten ein Lebensmittelgeschäft. Mittlerweile hatte ich über 80 Kilometer und über 1´000 Höhenmeter auf dem Tacho und mir war bewusst, dass ich nicht manche Möglichkeit auslassen darf, sonst muss ich irgendwo campieren und das wollte ich doch tunlichst vermeiden. Ich will eine Dusche und ein richtiges Bett. Kurz vor Sassello kam ich dann an einem alten Albergo vorbei und fuhr direkt vor die Eingangstüre. Haben die überhaupt offen? Alles ist leer. Kein Auto vor dem Haus und niemand zu sehen. Ich trat ein, machte mich bemerkbar und tatsächlich kam eine ältere Frau aus der Küche angeschlurft. Ich fragte, ob sie noch ein freies Zimmer haben, was es kostet und ob ich es mir ansehen kann. Das Albergo hat seine besten Tage schon vor sehr langer Zeit gesehen, doch die Dusche funktionierte und das Bett hängt auch nicht bis zum Boden durch. 40 Euros für Zimmer und Frühstück sind normal. Also sagte ich zu.

Nach der Dusche setzte ich mich in den Garten und bestellte mir ein grosses Moretti-Bier. Ich zückte das Netbook -WLAN gibt es natürlich nicht- und kopierte die heutigen Fotos auf die Festplatte. Dann schrieb ich diesen Beitrag in Word und genoss noch etwas die wärmende Abendsonne. Ich stellte fest, dass ich scheinbar der einzige Gast hier bin... Mal sehen, ob die überhaupt für mich alleine kochen...

Der erste Eindruck des Apennins ist gut. Oftmals kann man in südlicher Richtung bis zum Meer sehen. Die Strassen sind schmal und nur ganz wenig befahren. Es gibt viel Wald und so auch mal Schatten, was bei Temperaturen um 30° Grad ja auch ganz gut ist. So freue ich mich also auf die kommenden Tage und viele Kilometer in ziemlich abgelegenen Gegenden. Das GPS sagt: 95 km., 5:04 Std., 1´300 Hm.

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