(2) über den Gotthard

Na ja, das mit dem schlafen im Zelt hat nicht so gut geklappt. Die erste Nacht war ziemlich unruhig und als in der Morgendämmerung alle Vögel, Enten und Schwäne erwachten und mit Gezwitscher und Geschnatter den neuen Tag begrüssten, war fertig mit Ruhe. Die Uhr zeigte 05:30 Uhr. Ich drehte mich noch ein paar Mal, doch auch der Druck auf der Blase liess mich nicht mehr weiterschlafen. Also stand ich auf, ging zu den sanitären Einrichtungen, wusch mich und zog mich an. Dann packte ich das Zelt zusammen und sattelte das Rad. Als ich losfuhr, war es kurz vor sieben Uhr.

Da das Campingrestaurant nicht offen hatte, machte ich mich auf die Suche nach einer Bäckerei und wurde auch rasch fündig. Mit Sandwich und Schoggigipfel bewaffnet fuhr ich noch ein paar Meter bis an den See, wo ich ein Plätzchen suchte, welches bereits in der Sonne lag. Vor der Weiterfahrt machte ich dann noch ein Selbstauslöserfoto am Bootssteg von Brunnen.

Danach fuhr ich auf der Axenstrasse nach Flüelen und von da folgte ich immer der nationalen Veloroute Nr. 3. Via Altdorf, Erstfeld, Wassen und Göschenen gelangte ich zu meinem eigentlichen Tagesziel, nach Andermatt. Etwas über 1'000 Höhenmeter und an die 3 Stunden Fahrzeit waren somit zurückgelegt. Das angedachte Hotel fand ich dann auch sofort, doch bevor ich rein ging, wollte ich erst etwas essen. Es war kurz vor zwölf Uhr mittags, sonnig, mit einigen Wolken, leicht windig und auf 1'400 Metern über Meer noch geschätzte 20 Grad warm.

Ich wusste nicht so recht, was ich mit diesem angefangenen Tag noch anstellen wollte und überlegte mir beim Mittagessen, was ich tun soll. Hmmm. Ich könnte die knapp 700 Höhenmeter bis zum Gotthardpass auch noch packen und da im frisch renovierten Hospitz übernachten. Ja, das fand ich eine gute Idee. Zeit hatte ich ja und gebucht war nichts. Also habe ich mir nach der feinen Portion Spaghetti Bolognaise den Helm wieder aufgesetzt und fuhr weiter.

Natürlich merkte ich die bisherigen Anstrengungen und das 32-Kilo-Bike fährt ja auch nicht von selbst hoch. Geduld bringt Rosen oder in meinem Fall den Kulminationspunkt auf 2'106 Metern über Meer. Auf den letzten 200 Höhenmetern hatte ich teils heftigen Gegenwind und vor mir sah ich auch zunehmende Bewölkung. Der Wind von Süd nach Nord (Föhn) bringt dem Norden meist schönes und warmes Wetter, während sich die Wolken südlich der Alpoen stauen und so im Tessin das Wetter nicht ganz so gut ist. Auf der Passhöhe war es dann auch entsprechend bedeckt und kühl...

Will ich wirklich da übernachten? Es war mittlerweile kurz nach 14 Uhr. Früh morgens ist es bestimmt richtig kalt in dieser Höhe und da stelle ich mir eine Abfahrt von über 1'000 Höhenmeter nicht so prickelnd vor. Deshalb fuhr ich weiter und freute mich auf die Tremola, die alte Serpentinenstrasse runter nach Airolo. Das war dann auch ein besonderer Genuss, den ich mit einem (wie schreibt man das nun wieder?) Cappuccino in einem Strassencaffe in Airolo begoss.

Wie erwartet war das Wetter auf der Alpensüdseite nicht ganz so gut. Hohe Schleierwolken verdeckten oft die Sonne und deshalb entschied ich mich noch weiter talwärts zu fahren. Erst in Biasca machte ich Halt und suchte ein Hotel, in dem ich schon vor 20 Jahren (in meiner Motorrad-Trial-Zeit) übernachtete. Da kriegte ich ein schönes und ruhiges Zimmer, wo ich mich zuerest einmal ins Badezimmer verzog. Duschen und Kleider waschen war angesagt. Idealerweise zeigt der Balkon des Zimmers zur Westseite und so konnten die Kleider auch rasch trocknen.

Und ja, WLAN mit Internet gib es hier auch. Ich habe ein Fotoalbum erstellt, wo ich jeweils meine Bilder hochladen werde. Dabei entschied ich mich in umgekehrter chronologischer Reihenfolge die Bilder zu präsentieren, damit regelmässige Leser die neuen Bilder gleich zu Beginn sehen.

Nun bin ich ziemlich platt und freue mich auf ein richtiges Bett. Nachdem die letzte Nacht ja nicht so gut war, bin ich zuversichtlich, dass ich diesmal wie ein Stein schlafen werde. Es war ein schöner, langer und anstrengender Tag. Das GPS sagt: 120 km., 7:10 Std., 1'800 Hm.

Kommentare

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sacha am :

Hallo Beat ich hoffe du bist wie beschrieben schon wie ein Stein am schlafen! Du hast ja heute schon eine grossen Vorsprung herausgefahren! Gratulier Gib weiter Gas Grüssli Sacha
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beat am :

Hoi Sacha Einen Tagesplan hatte ich eigentlkich nur so grob und auch nur bis Turin. Am Anfang bin ich natürlich noch fit und motiviert, da werden es halt einfach mehr Kilometer pro Tag, auch wenn ich mir Zurückhaltung vorgenommen habe... Na ja, Zurückgehalten habe ich mich bisher wirklich nicht... ;-)
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Remy am :

Hoi Beat Du nimmst den Gotthard ja so einfach so vor dem Schlafengehen. Wenn Du so weitermachst und Deinem Fahrplan voraus eilst, bist Du am Schluss noch zu früh wieder zurück (was uns Bike-Kollegen natürlich schon freuen würde). Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Reise, schönes Wetter und viel Spass! Gruss Remy
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beat am :

Hoi Remy Danke für die guten Wünsche. Schicke diese bitte auch an Petrus, denn der Wetterbericht für die nächsten tage sieht leide nicht wirklich gut aus. Mal sehen. Grüsse an die zuhause gebliebenen Bikerfreunde!
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Joe am :

Hallo Beat Ich kenne dich zwar nicht, jedoch verfolge ich deine Reise mit Interesse. Heb sorg :-) Gruss, Joe
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beat am :

Hallo Joe. Ich freue mich über jeden neuen Leser und über jeden Kommentar (solange nicht SPAM). Danke für die guten Wünsche.
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