genauer betrachtet...

Nachdem ich mich gestern ausgiebig mit Haushalt und Garten beschäftigte, war heute mein freier Tag. Klar, dass ich auf's Velo wollte um das schöne Wetter etwas zu geniessen. Wie in den Ferien bin ich zeitig aufgestanden, habe reichlich gefrühstückt und mich dann für die Fahrt bereit gemacht. Draussen war es sonnig, doch ziemlich kühl und windig. Um halb zehn Uhr wurden elf Grad angezeigt und mehr wie 14 oder 15 würde es auch nicht werden. Schönes Frühlingsbikewetter für lange Hose, Windstoppershirt und Langarmjacke, aber nichts für kurze Hosen. Schön war es alleweil.

Während der Fahrt dachte ich an den letzten Blogeintrag und die Kommentare dazu. Erstmal einfach: VIELEN DANK! Man erkennt den gesellschaftlichen Stellenwert des Themas. Dann scheint es mir aber nun doch wichtig, auf ein paar Punkte genauer einzugehen.

Der Titel war: "man sah es kommen..." das heisst, ich war nicht überrascht. Die ganze Geschichte war ein längerer Prozess, der über mehrere Gespräche zu diesem Punkt führte. Ich konnte aber hier, im öffentlichen Blog, nicht darüber berichten.

Ich wollte eigentlich schon lange nicht mehr und war der Sache überdrüssig. Schon die Reduktion von 100 auf 60 Prozent vor -nun auch schon- drei Jahren war ein erster Schritt zur Loslösung. Nun folgt der Zweite und Entscheidende. Nun werde ich zukünftig wieder auf meinen eigenen Beinen zu stehen haben.

Ich bin kein Opfer irgendeiner Strategie! Natürlich trägt mein Stellenabbau (nur einer unter vielen) zur Erreichung der Firmenziele bei. Doch er trägt auch zur Erreichung meiner persönlichen Ziele bei. Man ist fair mit mir umgegangen und hat meinen erbrachten Einsatz entsprechend gewürdigt. Auch die noch weiter gebotene Unterstützung durch ein spezialisiertes Stellenbüro finde ich bemerkenswert. Etwas überspitzt ausgedrückt könnte man sagen, dass wir uns im gegenseitigen Einvernehmen getrennt haben und dadurch eine win-win Situation eingetreten ist, die beiden dient...

Deshalb bin ich derzeit auch nicht traurig oder frustriert. Alles erinnert mich an einen alten Bilderwitz, der mir immer in Erinnerung geblieben ist. Da steht ein kleiner Angestellter vor einem riesigen Chefpult. Dahinter sitzt ein dicker Chef und in seiner Sprechblase steht: "I give you the biggest opportunities of your lifetime! You're fired!" zu deutsch: "Ich gebe Ihnen die grössten Chancen Ihres Lebens! Sie sind gekündigt!"... Dieser Witz ist eigentlich ziemlich zynisch, und doch hat er etwas... aber im positiven Sinne. Mir wurde gekündigt und nun stehe ich vor den grössten Möglichkeiten meines Lebens. (Fast) alles steht mir nun offen.

Ich weiss, was ich nicht mehr will und nicht mehr kann. Das habe ich nun fast dreissig Jahre lang gemacht. Für die zweite Hälfte meines Berufslebens suche ich mehr Berufung und weniger Broterwerb. Noch weiss ich nicht wirklich, was es dann sein wird, doch es wird ganz bestimmt weniger mit Technik zu tun haben, als bisher. Näher ans Leben, näher an die Menschen, so in die Richtung... Die Vitaltrainerausbildung 2008+09 war mal ein erster Schuss ins Blaue und der Grundgedanke, Fitness für Senioren, interessiert mich noch immer. Da lässt sich bestimmt etwas machen und in die Richtung werde ich bestimmt wieder aktiver werden.

Ich werde also -zumindest vorerst- keinen neuen Job suchen. Im Gegenteil. Ich werde möglichst lange von meinen Ersparnissen leben und mir wirklich viel Zeit lassen. Zuerst muss ich mich vom alten Ballast befreien, muss mich reinigen und leer machen. Bevor überhaupt etwas Neues entstehen kann muss ich in mir, in meinem Kopf und in meinem Leben einen Platz dafür schaffen. Eine lange Veloreise wäre dafür ein geeignetes Vehikel...

Auch diese Gedanken sind nicht neu, doch auch darüber konnte ich ja schlecht schreiben. Um es kurz zu machen: Ich plane diesen Sommer, von Mitte Juni bis Ende September möglichst weit durch Italien zu fahren. Wenn es geht: Italien runter bis Sizilien und über Sardinien, Korsika und Elba wieder nach Hause. Mit dem Bike, mit Zelt und Schlafsack. Dreieinhalb Monate oder 100 Tage... Die 100 Tage haben sich eher zufällig so ergeben. Meine Definition war zu Beginn ganz einfach "den Sommer hindurch"...

Es wird sich also etwas tun hier.

Und dies bringt mich nun wieder zum heutigen Tag. Natürlich brauche ich nun einiges an Vorbereitung, an Material und Equipment für so ein Unternehmen. Zelt, Matte, Schlafsack. Gepäckträger, Taschen hinten und eventuell auch vorne am Lenker, um nur ein paar Punkte zu nennen. Heute wollte ich ein paar Teile rekognoszieren. Zelt, Matte, Schlafsack. Dafür war ich nochmals bei TRANSA und habe mich da entsprechend beraten lassen. Da wüsste ich nun in etwa, was ich will. Zelt 2kg, Matte 1kg, Schlafsack 1kg. Soweit so klar.

Ich plane, nach GPS zu fahren und wenn möglich den Blog von unterwegs zu pflegen. Dafür wäre ein kleines Netbook ganz nett. Darauf könnte ich auch Bilder sichern und Beiträge vorschreiben. Also fahre ich zu Mediamarkt und schaue mir verschiedene Modelle an. Hmm. Da bin ich noch unschlüssig. Eilt nicht, kann ich weiter überlegen.

Dann folgte ein Abstecher ins Buchgeschäft. Ich bestellte mir das Buch "Radreisen, Basishandbuch, Reise Know-How" und das Buch "Radfahren ultraleicht". Bevor ich mich entscheide wie ich mein Gepäck transportiere, will ich mich erst noch etwas schlau machen.

Auf dem Nachhauseweg besuchte ich noch eine Vitaltrainerkollegin und wurde da freundlich zum Kaffee eingeladen. Danke, das war sehr nett. So bin ich heute den ganzen Tag mit dem Velo unterwegs gewesen und habe einiges gesehen. Interessant und schön war's. Das GPS sagt: 70 km., 3:52 Std., 500 Hm.

Kommentare

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Franzi mit dem Hollandrad am :

Klasse, wie du mit so was umgehst! Mir würd schon ein bisschen Angst und Bang werden. War zwar keine Kündigung, aber ich hab in einer vergleichbaren Situation ähnliches gemacht. Bin damals für ein halbes Jahr nach Neuseeland. Für mich das Land, in dem man sich wirklich kennen lernt. Viel Glück, Franzi
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Spoony am :

Das hört sich gut an... Stuntzimässig würde ich sagen. In jedem Fall 'Hut ab!' vor deinem Mut.
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