Rimini - Montebello

Es gibt hier zwei offiziell ausgeschilderte Mountainbikestrecken und eine davon, die von Rimini, entlang des Flusses Marecchia bis nach Ponte Verruchio und dann hoch zum kleinen Hügelort Montebello, die habe ich mir heute vorgenommen. Dazu nahm ich wie geplant das Santa Cruz Fully aus dem Radkeller.

Es war schon gegen zehn Uhr bis ich losfuhr und ich freute mich auf die ersten zehn flachen Kilometer von Riccione bis nach Rimini. Etwas der Strandpromenade entlangflanieren war genau das das Richtige, nach den Anstrengungen der letzten Tage. Auf der ganzen Strecke sind rechts die Strandbäder und das Meer, sowie links die erste Häuserreihe mit fast ausschliesslich Hotels oder Appartementhäuser. Ich weiss nicht, wie es hier im Sommer zu und her geht, doch die schiere Menge des Angebots lässt den Trubel in etwa erahnen. Zudem wird mir bewusst, dass dies ja nicht nur hier so ist, sondern an sehr vielen Küstenabschnitten von Italien. Abertausende von Strandbädern und Hotels und alle wollen irgendwie überleben. Ich frage mich schon irgendwo, wo all die Touristen herkommen... Es wäre aber wohl nicht so, wenn es nicht funktionieren würde. Es gab viele super geschmückte und verzierte Strandbäder, doch ich wollte unbedingt von der Nummer 29 ein Foto machen (wegen der 29er Geschichte). Leider war Strandbad Nummer 29 dann aber ziemlich schlicht. Hier trotzdem das Bild.

Die "MTB-Piste" bis nach Ponte Verruchio ist dann zwar landschaftlich sehr schön, streckenmässig aber völlig langweilig. Ein breiter, ganz fein geschotterter Radweg, der weniger Schlaglöcher aufwies als manche Strasse hier in der Umgebung. Die Vollfederung des Tallboys gähnte etwas gelangweilt... nach 25 Kilometern hatte ich auch schon 25 Höhenmeter... flach wie eine Langspielplatte.

Dies änderte sich dann ziemlich plötzlich, als der Anstieg zum Montebello anstand. Der Schotter wurde grob, die Piste steil und ausgewaschen. Die etwa 300 Höhenmeter sind auf knappe drei Kilometer verteilt. Ich muss die Gabel absenken, aufs kleine Kettenblatt schalten und auf dem Sattel ganz nach vorne rutschen um alles fahren zu können. Es ist ein dauernder Kampf der eigenen Kraft, der Traktion der Reifen und des Gleichgewichts. Das sieht man auch auf dem Foto. Im Hintergrund kann man San Marino erkennen. Immerhin, das hatte nun was von Mountainbiken. So sind auch "nur" 300 Höhenmeter ziemlich knackig und fordernd. Oben angekommen besichtige ich nur kurz den winzigen Ort Montebello. Es sind etwa 20 Häuser, eine Kirche, ein Turm, ein kleiner Vorplatz, eine Schutzmauer, fertig. Alles super herausgeputzt, es sieht aus wie in einer Fellini-Filmkulisse, irgendwie unwirklich kitschig. Die Aussicht auf die umliegenden Hügel und auf San Marino ist fantastisch. Als ich auf der Rückseite des Hügels auf der offiziellen Strasse abfahre, komme ich an drei grossen Parkplätzen vorbei. Eine Imbisbude (noch zu), ein WC-Häuschen, Picknick-Plätze, das volle Programm. Ich sag's ja: Jetzt ist es super schön und ruhig, doch ich möchte nicht Mitte August hier sein! Da ist der Bär los!

Wenn ich motiviert gewesen wäre, hätte ich noch San Marino in Angriff genommen, doch schon der Satzaufbau verrät, dass dem nicht so war. Zurück in Ponte Verruchio machte ich einen Essenshalt in einer Caffeteria. Ein Sandwich mit Schinken und Käse, dazu ein Bier und danach noch ein Guetsli-Gebäck mit einem Kaffee. Das gibt wieder Saft, doch das ist heute weniger das Problem. Ich sitze irgendwie nicht gut auf dem Sattel, oder die Umstellung vom Kish-Sattel auf den Tallboy-Sattel fällt mir schwer. Auf alle Fälle schmerzt es und deshalb mag ich nicht noch allzu lange weiterfahrenn. Ausserdem kenne ich nur die Strassenstrecke und dafür ist das Kish ganz eindeutig das bessere Bike. Also lieber ein ander Mal.

Ich fahre also die gleiche Piste wieder zurück nach Rimini und da gönne ich mir ein Eis, direkt am Strand. Das Wetter ist nicht mehr ganz so blau wie gestern, gegen Abend ziehen feine, weisse Schleierwolken auf. Eine schöne Tour war es allemal. In den nächsten Tagen soll es ein paar Grad kühler werden, aber immer noch vorwiegend sonnig. Ich werde sehen... Das GPS sagt: 85 km., 4:40 Std., 500 Hm.

Kommentare

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Marcello am :

Schönes Bild mit dem Strandbad als Sujet. Du hast recht, im August ist dort die Hölle los. Legehennen im Stall liegen bequemer :-) Wenn Dir die Toscana gefällt, schau mal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/San_Vincenzo Und falls Dir das gefällt, wir gehen seit Jahren in dieses Hotel: http://www.hotelsanvincenzo.com Diese Region ist super schön zum biken, in den umliegenden Pinienwälder zu den alten Mienen. Und natürlich kommt das kulinarische nicht zu kurz, liegt doch Bolgheri, die Heimat des Sassicaias, einen Katzensprung entfernt.
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Peter am :

Hoi Beat, herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Feuertaufe bei den Rennradschwu.... ;-) Bei Deiner akribischen Vorbereitung ahnte man ja schon, dass Du nicht Letzter werden würdest. Schöne und ruhige Zeit wünsche ich Dir. Verbrauche nicht alle Sonnencreme: die brauchst Du hier auch. Viele Grüsse Peter
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jürg kaeser am :

Hoi Beat, super Fotos, gute Race-Story...es scheint Du hast eine wirkliche gute Woche erwischt. Am Samstag haben wir eine Eglisau/Rhein/Leuenchopf-Tour unter die Räder genommen. Wunderschön aber sicher nicht mit den Bella Italia Runden vergleichbar. Ich wünsche noch viel Vergnügen und gute Fahrt. Gruss, Jürg
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