Erholungstag

Das erste Mal aufstehen fühlte sich heute gar nicht gut an. Ich hatte dicke, plumpe Beine und spürte jeden der gestrigen 130 Kilometer... Trotzdem bin ich zeitig aufgestanden und habe mir ein frisches Früchte-Birchermüesli zusammen geschnitzt. Dazu holte ich die Zeitung aus dem Briefkasten und liess so den Tag gemütlich mit einem ausgedehnten Info-Frühstück beginnen. Heute stand "Haushalt" auf dem Programm. Aufräumen, abstauben, Küche, Bad und WC putzen und überall Staub saugen. Dusche schrubben, Bettwäsche wechseln, PET und Altglas entsorgen, einkaufen, Küchenbeleuchtung reparieren, ja, das war so in etwa mein Tagesprogramm. Der Vorteil von Haus- zu Büroarbeit ist, dass man sich im Haushalt viel mehr bewegt. Und wenn man zum Putzen gute Musik auflegt, kann man schon fast Aerobic-mässig staubsaugen oder Flächen reinigen. ;-) . Heute begleitete mich Dire Straits mit einer Live-Doppel-CD durch den Morgen. Diese Bewegung motivierte mich dazu, mich für über eine Stunde in den Keller zu verziehen und mich ganz konsequent mir, meinem Körper und meinem Geist zu widmen. Ich verfügte heute über ein gutes Körpergefühl und so wählte ich Bewegungen und Haltungen, die bereits beanspruchte Muskeln dehnten und lockerten, während weniger beanspruchte Muskelgruppen stärker beansprucht wurden. Somit konnte ich mich gut ausgleichen oder ausbalancieren, wie man will. Auf alle Fälle tat es mir gut und verschaffte mir ein rundes, vollständiges Körpergefühl. Dann versuchte ich mich an ein paar Atemübungen, bevor ich (seit langem wieder einmal) einen Meditationsversuch startete. Hmmm... das kriege ich einfach (noch) nicht hin. Ich bin noch immer viel zu gefangen in meinen auseinander treibenden Gedanken oder in störenden Sinnes- und Körperempfindungen. Keine Spur von innerer Ruhe... Abends war dann ein Treffen der Vitaltrainer/innen 2008+09 angesagt. Wir trafen uns bei einer Freundin zum Grillen im Garten. Das Wetter dazu war wirklich zu 99% perfekt. Es war über 25° Grad warm und windete kaum. Nur die Sonne schien nicht, sonst war es wirklich ideal um draussen zu sitzen, gemeinsam zu essen und sich in die Nacht hinein zu unterhalten. Wir haben angeregt diskutiert und es war schön, viele der Frauen wieder zu sehen. Einige von ihnen sind in der Zwischenzeit aktiv geworden und geben Vitaltrainer-Unterricht in irgend einer Form. Aqua-Fit ist sehr gefragt und drei oder vier von ihnen stehen nun regelmässig am Bassinrand und animieren Menschen zu gesunder Bewegung im Wasser. Nordic-Walking scheint nicht zu funktionieren. Hier finden sich kaum zahlungswillige Kunden. Andere geben Ernährungsvorträge oder Bewegungslektionen im Reha-Bereich. Wirklich sehr interessant. Und klarerweise kommt da die Frage: "Beat, was machst Du denn so?" "Ähmm... ich... ? nichts... ? Ich bevitaltrainere mich selbst. Seit Anfang Jahr versuche ich viel von dem Gelernten an mir selbst aus. Ich bewege mich viel, achte vermehrt auf eine gesunde, natürliche Ernährung und schaue für ausreichend Entspannung. Tja, das ist es." Das regt natürlich zur Reflexion an. Wie so viele Andere habe ich die meiste Zeit meines Lebens fünf Tage die Woche gearbeitet und hatte zwei Tage frei. Wenn ich´s mir recht überlege, ziemlich genau 30 Jahre lang. Von 15 bis 45... Seit Anfang Jahr hat meine Standard-Woche nun nur noch drei Arbeitstage und dafür vier freie Tage. Und was das wirklich heisst, bin ich am erfahren. Es birgt eine unglaubliche Lebensqualität, wenn man über mehr freie Tage als Arbeitstage verfügt. Es gibt mir das Gefühl, Herr über den grössten Teil meiner Lebenszeit zu sein. Und das ist neu und eröffnet mir ganz neue Perspektiven. Ich kann tun und lassen was ich will und muss dabei Null Einkommen generieren. Solange ich nicht über die Stränge schlage, reicht mein 60% Gehalt. Es besteht also kein Druck um an der momentanen Situation etwas zu ändern. Ich bin fast geneigt zu sagen: Besser kann´s ja kaum noch kommen. Natürlich will ich mich längerfristig in den Trainings- und Gesundheitsbereich verlagern, doch momentan will ich halt eben vor allem mal mich selbst trainieren und auf Vordermann bringen. Im Zuge dieser Anstrengungen mache ich ja auch viele neue Erfahrungen und ich denke immer wieder, dass es mir eben genau daran mangelt. An der Erfahrung, an der Selbsterfahrung. Deshalb nehme ich mir nun diese Zeit um die gelernten Themen an mir selbst auszuprobieren und eben Erfahrungen zu sammeln. Und das braucht Zeit. Zeit die ich jetzt habe und deshalb jetzt dafür einsetze. Deshalb kann ich Vitaltrainermässig so "Nichts" vorweisen.

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