Klausen und Pragel bei starkem Föhn

Morgens um sechs Uhr bin ich aufgestanden und habe mir eine Portion Spaghetti aufgewärmt und gegessen. Ich wollte Kohlenhydrate bunkern, denn auf der heutigen Tourwürde ich sie verbrennen können. Danach fuhr ich nach Brunnen an den Vierwaldstättersee, wo ich das Auto beim Bahnhof parkte. Um 08:17 startete ich die GPS-Aufzeichnung und rollte los, in Richtung Axenstrasse und Kanton Uri. Heute war es extrem windig. Föhn - Südwind. Der Urnersee ist ein bekanntes Föhntal und so hatte ich zu Beginn heftig Gegenwind. Vor allem in den Tunnels war's wie ein Kampf gegen ein riesiges Gebläse. Zudem war der Wind sehr böig, mal stark und schwer, dann wieder fast flau. Interessant. Ich war gespannt, wie sich weiter entwickelt.

Am Ortsausgang von Altdorf fotografierte ich dann diese Infotafel für Radfahrer. Man weiss also, dass es nun bergauf geht. Von der Steigung war ich angenehm überrascht. Nie wirklich steil und sehr gleichmässig windet sich die Strasse entlang des Schächentals in die Höhe. Ich kann alles im mittleren Kettenblatt hochfahren und brauche ziemlich genau zwei Stunden, bis ich oben auf der Passhöhe ein obligates Gipfelbild schiessen kann. Erwähnen will ich noch die Windsituation. Der Föhn bliess stark talaufwärts und teilweise kriegte ich spürbare Windunterstützung und konnte schneller fahren, als ohne Wind. Zudem war der Wind sehr warm und so war es auf über 1'900 Metern über Meer noch immer angenehm. Der Himmel war meist bewölkt, was aber während des Anstiegs ganz angenehm war.

Nach einem Schoggigipfel mit Latte Macchiato im Restaurant auf der Passhöhe machte ich mich auf die Abfahrt in Richtung Urnerboden und Linthal. Ich war froh, die Tour in diese Richtung zu fahren, denn die Glarner Seite der Klausenpassstrasse war deutlich coupierter (was ich kräftezehrender finde). Es folgten schöne und leichte Kilometer entlang der Linth, bis zum Kantonshauptort Glarus (480 M.ü.M.), alles auf speziellen Radwegen.

Dann stand der Anstieg zum zweiten Pass des Tages auf dem Programm. Diese Steigung besteht aus zwei Teilabschnitten. Zuerst 400 Höhenmeter bis zum Klöntalersee und danach noch 700 Höhenmeter bis zur Passhöhe. Ich hatte schon früh einen Verpflegungshalt am Klöntalersee eingeplant und freute mich zu Beginn der Steigung schon darauf. Doch das musste ich mir erkämpfen. Die Strasse war zeitweise so steil, dass ich auf's kleine Kettenblatt runterschalten musste und so ganz frisch waren meine Beine mittlerweile ja auch nicht mehr.

Ich bestellte mir zuerst ein Salamibrot und danach einen Coupe Romanoff, zugegeben, eine etwas komische Kombination, doch was soll's. Es sollte mir einfach noch den nötigen Treibstoff für die letzte Steigung geben, denn es warteten noch ein paar steile Rampen auf mich. Was ich zum Glück nicht schon vorher wusste... Ich war nun ziemlich müde und fuhr deshalb oft ganz kleine Übersetzungen. Einfach dranbleiben war mein Motto und dies hat mich dann auch bis zur Passhöhe gebracht. Da machte ich das schöne Bild des Kish vor imposantem Hintergrund. Auf der Abfahrt vom Pragel machte ich bei einer kleinen Molkerei/Käserei einen Halt und genoss die feine Buttermilch. Weil es von da bis zum Auto fast nur noch bergab geht, kaufe ich noch frischen Jogurt und eine zweite Flasche Buttermilch und verstaue alles im Rucksack. Sehr fein, das mag ich wirklich gerne. So quasi als Erinnerung.

Die Fahrt durchs Muotatal und die letzten flachen Kilometer waren dann wieder gegen den Wind, was ich nun nicht mehr wirklich gebraucht hätte... ich musste beissen und war letztendlich froh wieder in Brunnen und zurück beim Auto zu sein. Die Uhr zeigte 16:40 Uhr. Heftig. Das GPS sagt: 131km., 7:13 Std., 2'900 Hm. Tja, für 3'000 Höhenmeter hat es also doch nicht ganz gereicht. Egal, ich war platt! Es war eine schöne, lange und anstrengende Tour. Wie erwartet. Das Wetter war perfekt zum Radfahren. Meist bedeckter Himmel, doch immer angenehm warm. Ja, das war gelungen!

Kommentare

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Als Aargauer unterwegs am :

Ich fahre den Klausen auch lieber von dieser Seite, obwohl er da ganz unten noch so einen Knick in der Strasse hat. Der Klöntalersee kommt mir dann meist vor wie eine letzte Pause vor dem grossen Sturm.
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Spoony am :

RESPEKT! Heute Abend war hier in Luzern ziemlich heftiger Wind und ich kann nur erahnen wie es war unter diesen Bedingungen, bei dieser Hitze, 130km und fast 3000Hm zu fahren. Dazu noch mit Starrgabel...
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beat am :

Die Salsa-Starrgabel macht auf der Strasse sehr viel Freude. Mit dem Wind hatte ich Glück. Bei Föhn kann ich diese Runde wirklich empfehlen. Es windet einem fast auf den Klausen hoch. ;-)
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Vazifar am :

Bravo ! Den Pragelpass wollte ich auch mal fahren. Von welcher Seite ist die Steigung angenehmer zu fahren ?
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beat am :

Hallo Vazifar. Meiner Ansicht nach ist der Pragel von der Glarner Seite, also so wie ich gefahren bin, einfacher (weniger steile Abschnitte) als von der Muotatalseite. Aber knackig bleibt der Pragel alle Mal...
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Riz am :

Wow, da hast Du Dir aber eine richtig anstrengende Tour ausgesucht. Ich kenne beide Pässe und weiss deshalb, welche Leistung Du erbracht hast. Super! Den Klausen fahre ich auch lieber von der Urnerseite. Der Pragelpass zum Abschluss hat es in sich, gell.
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